FeedCement
TechnikBau-Lexikon 1881

Cement, Cäment, m., frz. Cément od. eiment, m., engl. cement, lat caementum, ital. cimento, span. cimiento. Unter diesem Namen versteht man im gewöhnlichen Leben zwar jeden unt. Wasser erhärtenden hydraul. Kalk, hydraul. Mörtel (im Gegensatz zu Luftmörtel), auch wohl die Sub⸗ „stanzen, welche dem Kalkhydrat (s. d. Art. Kalkh) zugesetzt werden, um einen unter Wasser erhärtenden Mörtel zu „bilden. Zu solchen Zuschlägen sind namentlich zu rechnen die Puzzolanen, der Traß und die Santorinerde. Diese „Stoffe sind Produkte vulkanischer Prozesse und erlangen, wenn sie mit Kalk gemischt und mit Wasser zu einem Teig angerührt werden, die Eigenschaft, unter Wasserzu erhärten. Nachdem die Wissenschaft jedoch festgestellt hat, daß es den thonigen Bestandtheilen, welche bereits mehr od. weniger aufgeschlossen (d. h. durch Säuren zersetzbar) in den hydraul. Kalken bez. in den erwähnten diversen Zuf chlägen sich finden, zuzuschreiben ist, daß eine hydraul. Erhärtung herbeigeführt wird, hat man später auch neben unmittelbar 0. h. natürlich erst nach dem Brennen) sich verwendbar vorfindenden hydraul. Kalken diverse andere Materialien, in denen aufgeschlossene, resp. leicht aufschließbarethonige Bestandtheile (meist kieselsaure) vermuthet werden konnten, „als Zuschläge zum Kalk bei Wassermörteln verarbeitet, so Ziegelmehl, Hohofenschlacke etc. A. Natürlicher Cement. I. Romancement. In England, an den Ufern der Themse, fand man in den Thonlagerungen den sogen. Sheppeystein, einen Kalkstein aus Thon, kohlenf. Kalk, Eisenoxyd etc. gemengt, der nach dem Brennen einen sehr brauchbaren hydraul. Kalk liefert, welcher unter dem Namen Romancement im Handel vorkommt. Dann fand man auch an der Küste von Harwich in Essex u. an anderen Orten ähnliche Steine; 1796 errichtete James Parker in Nordfleet die erste Fabrikvon Romancement. Seitdem sind Romancementfabriken auch in Frankreich u. Deutschland in Menge entstanden, bes. in Tirol, Bayern, am Rhein, u. ihre Produkte unter div. speziellen Benennungen (Staudacher C. etc.) in den Handel gebracht. Gebrannt u. gemahlen bildet er ein bräunliches Pulver. Er wird wie Portlandcement inTonnen u.Säcken meist gleicher Größe vertrieben. Da er leichter ist, wiegen die Tonnen resp. Säcke weniger als die von Portlandcement. Im reinen Zustand u. in fetten Mischungen steht er Portlandeement erheblich nach. Bei hohen Sandzusätzen indes kommen einzelne vorzügliche Sorten dem Portlandcement schon ziemlich nahe. Indes kann auch in solchen Fällen durch Zusatz von 20 oder mehr Prozent gewisser Bestandtheile, wie Aetzkalkpulver, Schlemmkreide, gemahlene Hohofenschlacke etc., zum Portlandcement der letztere sehr dominirend gemacht werden gegenüber selbst besserem Romancement. Guter Romancement unterscheidet sich fabrikmäßig von Portlandcement lediglich dadurch, daß er bei erheblich niedrigerer, der sogenannten Kalkbrenntemperatur, gebrannt ist und fehlt ihm deshalb vornehmlich die die höhere Festigkeit bedingende größere spez. Dichte des Portlandeementpulvers. Dagegen ist bei seiner Weichheit seine Pulverfeinheit selbst der des äußerst fein zu mahlenden, sehr harten u. zähen Portlandeement überlegen, u. bedingt dies, daß er bei hohen Sandzusätzen nicht mehr so sehr gegen Portlandeement zurücksteht, sobald letzterer dann nicht ebenfalls in obigem Sinne durch Zumischung eines zarten Pulvers von hierzu auch im übrigen geeigneten Substanzen noch merklich leistungsfähiger gemacht wird. Der Romancement eignet sich demnach ebenfalls zu allen den Sachen, bei denen Portlandcement in Betracht kommt, u. entscheidet lediglich die geringere Festigkeit des ersteren den Vorzug des Portland⸗

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 20Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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