Kalkmörtel, m., franz. mortier à chaux, engl. limemortar. Nach dem im Art. Kalk Gesagten saugt der gebrannte Kalk sehr gierig Wasser ein und verwandelt sich dadurch zu Kalkhydrat (gelöschtem Kalh), welcher mit Wasser zusammengerührt den Kalkbrei, bei noch größerer Verdünnung die Kalkmilch giebt; dabei bildet sich zum Theil Kalkwasser. Durch Stehen an der Luft verwandelt sich der Kalkbrei zu Kalkhydrat und verringert dabei sein Volumen bedeutend (trocknet aus, schwindet). Bloßer Kalkbrei z. B., als Putz aufgetragen, würde demnach Risse bekommen, abblättern etc. Um dies zu vermeiden, vermengt man ihn mit Sand und erzeugt so Kalksandmörtel, franz. mortier chaux et àhsable, engl. mortar made of sand and lime, da aber aus diesem Gemenge der Kalk mit der Zeit durch Wasser herausgespült werden würde, so kann man dasselbe nur bei Bauten anwenden, welche nicht mit Wasser in Berührung kommen, und es heißt daher Luftmörtel. Derselbe zieht, vermöge des in ihm enthaltenen Kalkwassers, Kohlensäure aus der Luft an und bildet ein Gemenge von Kalkhydrat u. kohlensaurem Kalk, welches sehr langsam eine Verbindung mit der Kieselsäure des Sandes eingeht und dadurch erst vollständig erhärtet, indem die in der Mörtelmasse enthaltenen Sandkörner durch Kalksinter zusammengekittet werden. Wird dem Mörtel durch die Steine, durch Frost etc. sein Kalkwasser entzogen, so kann er nicht erhärten; deshalb müssen die Steine angefeuchtet werden. Die Bildung eines Kalksilikats im Mörtel geht so langsam, daß an Bauwerken von 2000jährigem Alter bei gröberen Fugen die Wandelung noch nicht die ganze Fuge durchdrungen hat. Beschleunigen kann man sie dadurch, daß man den Sand pulverisirt und glüht. Es giebt aber Kalkarten, welche Thon oder reine Kieselerde enthalten und welche durch das Brennen in Salzsäure löslich werden, wo es dann vorkommt, daß sie, mit Salzsäure benetzt, Bläschen werfen od. brausen (daher auch Brausekalk genannt) und dann hydraulischer Kalk, franz. chaux hydraulique, engl. hydraulic lime, water-lime, calcareous cement, heißen. Wenn man Kalkbrei mit einem Cement od. mit Wasserglas, d. h. mit einem Körper mischt, der gallertförmige Kieselsteine enthält, so bildet sich ein Doppelsilikat mit chemisch gebundenem Wasser, ein künstlicher Zeolith, daher die vollkommene Verhärtung des hydraulischen Mörtels. Man unterscheidet im gewöhnlichen Leben auch wohl fetten und magern Kalk; ersterer, auch Fettkalk, Weißkalk, frz. ebaux grasse, blanche, engl. fat lime, white lime, wird aus Kalksteinen erhalten, die nicht über 10% fremde Gemengtheile einschließen, absorbirt beim Löschen 2½mal sein Volumen Wasser, braust stark, zerfällt leicht an der Luft zu einem weißen mehligen Pulver, schwillt während des Löschens stark auf, trocknet lang sam, wird in der Feuchtigkeit nie hart, ist ganz weiß (daher auch Weißkalk gen.), sehr schlüpfrig und verträgt viel Sandzusatz; der magere KHalk (Graukalk), in Hessen blauer oder schwarzer K., franz. chaux maigre, engl. browyn lime, meager lime, wird aus Kalksteinen gewonnen, die 10—20/ fremde Gemengtheile enthalten, bes. Kiesel⸗, Thonerde u. Eisenoxyd. Er absorbirt beim Löschen nicht so viel Wasser und schwillt auch nicht so start auf, wie der fette, vertrügt wenig Sand, ist nicht sehr schlüpfrig u. unrein gelb gefürbt. Man wendet ihn, da er schnell erhärtet, besonders da an, wo das Mauerwerk der Feuchtigkeit und Nässe ausgesetzt ist, sowie auch zu Grundmauern. Doch ist diese Eintheilung nicht zuverlässig. Es giebt auch sehr fetten Graukalk und mageren Weißkalk. Namentlich färbt beigemengte Magnesia, die den Kalk sehr mager, ja weiß als grau. Besser ist daher die Eintheilung in gemeinen Baukalk und hydraulischen Kalk. 4. Gemeiner Baukalk. Dieser umfaßt alle die Arten, welche an der Luft, nicht aber unter Wasser erhärten, und heißt fett, wenn er nach dem Löschen einen 2½.—3, mittel, wenn er einen 2—2 ¼½, mager, wenn er einen 1¼½ —2mal größeren Raum einnimmt als in ungelöschtem, pulverisirtem Zustand. Diese Zunahme nennt man Gedeihen od. UAufgehen des Kalkes. Guter gebrannter Kalk darf beim Löschen keine Kerne, Krebse oder Krumpen zurücklassen; daß er gut gebrannt ist, erkennt man daran, daß er, mit Salzsäure benetzt, weder braust noch Bläschen wirft, Todtgebrannter Kalk löscht sich sehr schlecht (mehr als 15% fremde Beimengungen erzeugen leicht das Todtbrennen). Zum Mörtel brauchbarer Kalk (Mauerkalk) wird gaus Kalksteinen (Steinkalk), aus Marmor (Marmorkalh), aus den Schalen aller Schalthiere (Muschelkalh), oder aus Gipssteinen (Gipskall), s. d. betr. Art., gewonnen. Der Kalk muß sobald als möglich nach dem Brennen gelöscht werden, denn an der Luft verliert er seine bindende Kraft und heißt dann abgestandener Kalk; s. d. Art. Abgestanden, Abgelebt, Abständig. 1. Crochene Löschung. Die schlechteste Art des Kalklöschens ist das Kaltzsetzen, welches geschieht, indem man den Kalk blos mit Wasser begießt, den Sand sogleich nach dem ersten Zerbröckeln in nußgroße Stücke darunter mischt, den Brei auf einen Haufen schlägt, damit er nocheinige Tage fermentire, u. ihn alsdann verbraucht. Besser ist für Graukalk, ihn auf einen etwa 90 em. hohen Haufen zu schütten, denselben ringsum mindestens 156m. dick mit Sand zu bedecken und so viel Wasser darauf zu gießen, bis man vermuthen kann, daß der Kalk zwar nicht übermäßig, aber doch völlig durchnäßt ist; der Kalk gewinnt dadurch an Güte, daß die aus demselben sich entwickelnden Dünste nicht entweichen können. Eine dritte Art der trockenen Löschung besteht darin, daß man ungelöschten Kalkstein in Körbe füllt, in Wasser taucht, bis er nicht mehr singt, dann auf einen Haufen schüttet und diesen mit Sandkalk umkleidet. Alle diese trockenen Löschungen sind nur auf Graukalk anwendbar. Solch trocken gelöschter oder geschreckter Kalk heißt Staubkalk und enthält 25—30% Wasser. Er ist nie völlig durchlöscht, und wenn man ihn zum Putz verwendet, blättern sich noch ziemlich lange Zeit nachher durch Nachlöschung kleine Stückchen ab, so daß der Putz Blatternarben bekommt. Man sümpfe daher auch den Graukalk ein, nachdem man ihn auf eine der besprochenen Arten trocken gelöscht hat. Für das Mauern genügt eine Einsümpfung von 6—12 Tagen, für das utzen dauere sie mindestens 20, am besten 70—80 Tage; s. unter 2. — 2. Nasse Shchen d auf Weißkalk anzuwenden. Am besten geschieht das Löschen des Weißkalks, wenn man eine Grube (Kalkgrube) in die Erde gräbt, diese ausschalt oder ausmauert; neben dieselbe wird ein flacher Kasten von Bretern (Kalkkasten, Kalkbucht, Kalkbett) gestellt, die Seite nach der Grube zu ist mit einem Loch versehen, welches durch einen Schieber verschlossen werden kann. In den Kalkkasten schüttet man einige Mulden gebrannten