Feedcements
NaturlehreBau-Lexikon 1881

cements, welch letzterer schon nach ganz kurzer Zeit bedeutenden Ansprüchen auf Festigkeit nachzukommen vermag. Zu einzelnen Sachen indes, z.B.Dachziegeln, wirdRomancement vielleicht noch in gleichem Quantum verbraucht wie Portlandeement, namentl. in Bayern u. Tirol (Staudacher Dachziegel). — II. Puzzolanerde. Zu dem natürlichen C. rechnet man auch alle vulkanischen Tuff⸗ und Sandarten, die, mit Kalk eingemacht, einen dauerhaften Wassermörtel bilden, und, weil man sie bes. in der Nähe von Pozzuolo sindet, im allgemeinen vielfach als Puzzolane bezeichnet werden. Schon die Römer mengten sie mit ungelöschtem Kalk zu einer Art C. zusammen; die Puzzolauerde enthält etwa 44, Th. Kieselerde, 15, Th. Thonerde, 12, Th. Eisenoxyd, 8, Th. Kalkerde,4, Th. Magnesia, 5, Th. Alkalien etc. Zum Mörtel verwendet man diverse Mischungen, u. a. 4 Th. Puzzolanerde, 3 Th. Kalk, 2 Th. Sand, 2 Th. Ziegelmehl etc. — III. Craß steht der Puzzolane sehr nahe, wird, wie jene in Italien etc., so vorwiegend in Holland u. am Rhein gefunden und verwendet, nachdem er vorher zu Pulver vermahlen wurde. Eine häufige Mischung ist 1 Th. Traß, 2 Th. Kalk, 1 Th. Ziegelmehl. Analyse der vorigen sehr ähnlich. — IV. Santorinerde. Der Puzzolane u. dem Traß schließt sich unmittelbar an, als mit jenen von ganz gleichem Charakter, die Santorinerde von der Insel Santorin. Dieses Material ist im ganzen saurer, d. h. namentlich kieselsäurereicher. Analyse ungefähr 68 Kieselsäure, 13 Thonerde, 5Eisenoxyd, 2 Kalk, 8 Alkalien. — V. Eiffel cement. Der vulkanische Sand der Eiffel eignet sich ebenfalls zu Cementbereitung; er giebt mit dem dolomitischen Kalk von Trier einen kräftigeren Wassermörtel als Traß und Kalk. B. Künstlicher Cement. Findet sich Romancement von erforderlicher u. hinreichend homogener Zusammensetzung in der Natur schon bis auf das Brennen fertig gebildet vor, so verlohnt sich seine Fabrikation auch noch heute ganz gut. VWo man aber aus Mangel solcher Gleichmäßigkeit schon zu künstlichen Mischungen greifen und somit die Fabrikation wesentlich vertheuern muß, ist es besser, gleich einen Schritt noch weiter zu gehen u. durch Anwendung höchster Hitzegrade beim Brennen gleich das bewährteste Produkt dieses Genres, den sogen. I. Portlandcement, zu erzeugen. Dieser kommt unter den künstlichen Clen ganz vorwiegend in Betracht. Er unterscheidet sich von den Romancementen durch eine viel größere Gleichmäßigkeit und engere Begrenzung der Zusammensetzung, die in dem geforderten Grad mit ganz geringen Ausnahmen nur durch künstliche Mischung erzielt wird, und ferner durch sein viel höheres spezifisches Gewicht, herbeigeführt durch Erbrennen bei höchster Temperatur (Weißglut), sogen. Cementsinterhitze. Romancement u. hydraul. Kalk werden nur bis zur Entkarbonisirung gebrannt, Portlandcement dagegen, bis die Masse sintert, wobei sie starkschwindet. Es entstehen dabei äußerst harte, schwere Klinker, deren Feinmahlen hohe Maschinenkraft erfordert. Haupturheber und anderseits theoretisch grundlegend für seine Fabrikation sind gewesen der englische Ingenieur Smeaton, nebst den Engländern Parker, Aspdin, Pasley etc.; ferner der Franzose Vicat u. der Deutsche Bergrath Fuchs in München. Von Aspdin, einem einfachen Maurer, datirt die erste Portlandcementfabrik in Wakefield, 1824. Anfangs verwandte man meist weiche Kalke, bezw. Kalkmergel, die man mit Thon, bezw. Thonmergel, bis zur erforderlichen Zusammensetzung mengte. Da es bei der künstlichen Erzeugung blos auf Güte des Materials und Sorgfalt der Fabrikation ankommt, so sind dann bei hierin annähernd gleichen Bedingungen natürlich auch überall in der ganzen Welt die Portlandcemente von gleicher Qualität, und die theilweise noch übliche Bezeichnung „echt englischer“ ist mithin heute um so weniger etwas Besseres bezeichnend, als die englischen Portlandcemente an Güte im Durchschnitt den deutschen Marken nachstehen und auch die französischen nicht überragen. Heute wird die Ueberlegenheit der besten deutschen Marken über die englischen von den Engländern selbst schon bereitwillig anerkannt u. zugestanden u. demzufolge schon in ziemlicher Menge deutscher C. nach England eingeführt, sobald drüben das Allerbeste in diesem Artikel verlangt wird. Es sind also die wesentlichsten Eigenschaften der Portlandcemente allenthalben annähernd gleich, wie 3. B. fpezifisches Gewicht, chemische Zusammensetzung. Daher bricht sich auch ein auf alle Länder ausgedehntes gleichmäßiges Prüfungsverfahren der Ce immer mehr HEIDELBERG O Universit Bahn (s. Weiteres im Art. Cementprüfung). Die Höhe des Thonzuschlages richtet sich danach, wie viel an thonigen Theilen der Kalk schon enthält, und schwankt für diverse Kalkmaterialien dermaßen, daß manche Kalke, wie 3z. B. reine Kreiden, 30 u. mehr Proz. an Thonzuschlag erfordern, während andere sog. Kalkmergel), allerdings in selteneren Fällen, schon zu thonig sein können und noch etwas reinen kohlensauren Kalk als Zusatz erfordern. Die durchschnittliche Zusammensetzung der deutschen Portlandcemente ist: Kalk 60½/0, Magnesia 1/, Kieselsäure 23 /%,„ Thonerde 9%, Eisenoxyd 3/, Alkalien 1%, Schwefelsäure, Unlösliches etc. 3%/. Die englischen Cie haben meist etwas weniger Kalk und dafür entsprechend mehr Kieselerde. Die weichen Materialien werden meist naß verarbeitet, d. h. mit Wasser geschlemmt, dann in Ziegel geformt (resp. auf Darren in beliebige Stücke zerfallend), getrocknet und gebrannt mit bestem Kohks. Härtere Materialien werden trocken zerkleinert, mit Wasser gemischt und nachher denselben Manipulationen unterworfen wie die weichen (Naßfabrikation, Halbtrockenverfahren, Trockenverfahren). Der gemahlene Portlandcement ist meist ein grünlichweißes bis grünlichblaues Pulver, vom spez. Gew. 3.—3,, bindet entweder langsam (nach Stunden) oder ras cher (nach Minuten/, so- wie in allen dazwischen liegenden Bindezeiten. Das Roschbinden kann wohl zuweilen von Aetzkalk, bei mangelhafter Fabrikation, herrühren; meist ist dies indes nicht der Fall. Es fällt vielmehr bei vielen Rohmaterialien, namentlich in West⸗ und Süddeutschland, der C. von Haus aus fast stets raschbindend aus, kann aber dabei gleichwohl von hen züglicher Qualität sein. Nach Wunsch kann solcher rasch C. künstlich dann langsambindend gemacht werden, umgekehrt langsamer C. für einzelne Zwecke (3z.B. Cementgußsachen, zum Behuf von Quellverstopfungen etc.) künstlich raschbindend gemacht werden kann. Auch durch Abänderung der Brenndauer und der chemischen Zusammensetzung kann man hierin Variationen hervorrufen, wobei durch höheren Thongehalt, wo man zugleich die Möglichkeit des Treibens vermindert, viel leichter Raschbinden zu erzielen ist als umgekehrt, normale Brenntemperatur, also nicht etwa zu schwache Hitze, vorausgesetzt. Dem Raschbinden an sich schon mit Mißtrauen zu begegnen, sobald es nicht zu jäh eintritt, so daß es das Arbeiten unbequem macht, ist ungerechtfertigt. Es giebt eben so viele gute raschbindende C.e als umgekehrt schlechte langsambindende. Im allgemeinen ist allerdings langsamer C. vorzuziehen, schon weil er weniger leicht vom Maurer pverdorben werden kann. Gelagerter C. ist im allgemeinen mehr zu empfehlen als ganz frischer, da der C.bei trockener Lagerung nicht nur nicht verdirbt, sondern vielmehr noch zuverlässiger wird. Die stete Forderung nach frischem C. paßt für heute nicht mehr. Die Verpackung geschieht in mit Papier ausgelegten Tonnen von 180 kg. Brutto oder in Säcken von 60— 70 Kkg. Brutto. Da der Portlandeement alle Forderungen für gewöhnliche Fälle, die man an einen „Steincement stellt, erfüllt, zudem nach Bedarf lang- und sonstwie gefärbt (namentlich gut schwarz) zu erhalten ist, so prädominirt er gegenwärtig über andere, früher häufiger verlangte künstliche Cie dermaßen, daß diese früher noch mehr genannten Cie hiergegen nunmehr nur noch sehr zurücktretende Anwendung finden. Zu jenen anderen künstlichen Cren gehört z. B. II. Medinacement, frasch erhärtend, sehr hart werdend. III. Scotts Cement, „durch Anmachen von gebranntem Kalk mit Gipswasser tnach genauer Vorschrift bereitet. IV. Diverse andere hydraulische Mörtel, wie der von Loriot aus gesiebtem Ziegelmehl, Kalksandmörtel und ungelöschtem Kalkpulver hergestellte, rasch erstarrend etc. Alle diese Mörtel haben gegenüber den sich immer weiter verbreitenden und bezüglich ihrer Anwendung auch immer mehr vervollkommnenden Portlandu. Romancementen wohl nunmehr hervorragend ein meist nur noch wissenschaftliches Interesse, sind jedenfalls nicht von größerer praktischer Bedeutung. V. Weißer Cement, wozu auch der Medinacement meist gerechnet wird, kann dadurch hergestellt werden, daß Portlandcement in geschlossenen Gefäßen erbrannt wird. Auch Scotts C. ist weiß u. wurde früher wohl vorwiegend unter der Bezeichnung weißer C. gemeint. Der weiße C. wird für einzelne Arbeiten, so namentl. Figuren, gesucht. VI. Pariancement enthält 54, Th. Kalkerde, 31, Th. kieselhaltige Thonerde u. 15, Eisenoxyd, ist für inwendigen Stuck und gewöhnlichen Mauerputz anwendbar, kann bemalt, angestrichen od. tapeziert werden, trocknet in 4 —5Stunden; er darfnicht in Ueberfluß mit Wasser eingerührt werden; es ist sogar wesentlich, so wenig als möglich Wasser beizumengen, auch darf er mit frischem Kalk in keinerlei Berührung kommen. VII. Es kursiren außer den genannten noch viele Benennungen, welche aber mehr geschäftliche als technische Bedeutung haben; zum Theil beziehen sie sich auf die Firmen od. Verpackungszeichen, wie Adlercement, Sterncement, Mindeuer, Erfurter, Aachener, Stettiner, Gößniher, Annaberger etc., zum andern Theil auf, der betreffenden Sorte zugeschriebene, Eigenschaften oder auf Verwendungen, zu denen man die betreffende Sorte besonders empfiehlt, z. B. Marmorcement, von Keene, von Mac Lean, von Simon in Köln etc. geliefert. O. Auch einige Kitte u. Mörtel, die nichteigentlich Ce sind, werden mit diesem Namen belegt. Dahin gehören besonders folgende: I. Patent-Bullion-Eisencement. Ist eigentl. kein C., sondern ein Kitt aus Bleiweiß, Bleiglätte und ziemlich vielsSand, zum Dichtmachen der Dampfmaschinenkessel, Dampf-, Gas- und Wasserröhren, er wird in einer Stunde hartu. kann sogleich nach der Verwendung der Hitze ausgesetzt werden; ins Wasser gebracht, erhärtet er augenblicklich; als dicke Farbe zum Bestreichen der Kesselwände angewendet, giebt er denselben größere Dauer, und auch Risse können dauernd damit verstrichen werden. Man vermischt die zu brauchende Quantität mit gekochtem Leinöl, so daß ein dicker Teig entsteht; je kleiner die Quantität Oel, desto besser, nur muß sie den C. in einen klebrigen Zustand versetzen. Zum Dichten der Fugen schneide man Werg in halbzöllige Stücke und vermische dasselbe mit dem C. II. Cournay'sche Asche (Cendre de Tournay), eine eisenhaltige Kalkerde, deren sich die Franzosen zur Bereitung eines Cis bedienen, nachdem dieselbe in einem besonderen Ofen gebrannt worden; s. d. Art. Aschenkalk. III. Mastircement, besteht aus 30—35Gewichtstheilen gut gewaschenen gesiebten Sandes, 63 —70 Th. pulverisirten weißen Kalksteins, 2—3 Th. pulverisirter Bleiglätte, welche in Leinöl, 40 Pfd. auf 3 Pfd. alten rothen Leinöls, ½ Stunde gekocht werden; die Mischung wird heiß aufgetragen, nimmt jede Färbung an, ist der Witterung nicht unterworfen, erweist sich sehr wirksam gegen Mauersalpeter und wird nur 6ömi. stark aufgetragen. Ein Mörtel aus Mastixcement, Sand u. Wasser schützt sehr gut gegen Grundfeuchtigkeit.Trottoirs, 6 mm. stark, pro qm. 38 Pfd. Mastixcement 4½ Pfd. Holztheer, 56 Pfd. feingesiebter Sand. IV. Oelcement, wird aus 40 Pfd. Chamottemehl u, 3⅛ Pfd. gesiebter Bleiglätte gemischt, dazu 44. heißes Leinöl gesetzt und dann tüchtig durchgearbeitet. Zu Oelcementästrich, 8 mm. stark, nimmt man pro qm. 32 Pfd. Chamottemehl, 3 Pfd. Bleiglätte, 3½ J. Leinöl, oder pro 30 J. Mörtel bedarf 1 Ctr. Chamottemehl 9 Pfd. Bleiglätte und 10 J. Leinöl. V. Cementsurrogat: 80 Th. fetten Kalks, 9 Th. Kieselerde, 5Th. Thonerde u. 2 Th. Eisenoxyd; überhaupt hat man aus fettem Kalk, Ziegelmehl, Hammerschlag, Steinkohlenasche etc. in verschiedenen Mischungsverhalinissen eementähnlichen Mortel bereitet. D. Cementliteratur. Lehrbücher über C.: W. Michaélis; (Die hydraulischen Mörtel, insbesondere der Portlandcement. bei Quandt u. Händel, Leipzig 1869); Lippowitz OTHK (Berlin 1868, Springer); Hans Hauenschild (Wien 1879, Lehmann u. Wentzel); H. Zwick (Wien u. Leipzig 1879, Hartlebens Verlag). Andere Schriften über C.: Liebold (Fabrikationsabriß u. Hochbau; Cementbeéton zu Fabrikationsabriß und ausführliche Besprechung von Anwendungen zu Cementwären, Ornamenten etc., mit vielen Tafeln); H. Klose (vornehmlich mit Grantschen Tabellen über Prüfungsresultate, 1873); Alwin Gottschaldt in abdruck aus dem sächsischen Civilingenieur, XXVI. Bd., 1. Heft, 1879); William W. Maclay (Portlandcement, Prüfung und Verwendung, Leipzig 1880, Karl Scholtze, deutscher Uebersetzung); ferner Portlandcement (by Scott and Redgrave, Bernays and Grand, Excerpt. Minutes of Proceedings of the Institution of Civil Engineers, London 1880, edited by James Forrest); W. Michaelis (Zur Beurtheilung des Cements, Berlin 1876, A. Seydel). Zeitschriften: Deutsche Bauzeitung, Thonindustriezeitung, Deutsche Töpfer⸗ u. Zieglerzeitung, „Dinglers polytechn. Journal, Jouxnal du céramiste et au chaufournier; ferner die Protokolle des Deutschen Cementfabrikantenvereins von 1873—1881; auch Zeitschrift üb. Hochbauwesen von Germano Wanderley, worin über Cement, Theorie, Fabrikation, Prüfung das Neuste in einer übersichtlichen Abhandlung von Erdmenger nebst zahlreichen Illustrationen gegeben ist; ferner die Verhandlungen des sächsischen Ingenieurvereins; sodann die Mittheilungen über Cementprüfungen von der Berliner staatlichen Prüfungsanstalt (Dr. Böhme), sowie die der Münchener Anstalt (Prof. Bauschinger) in der Zeitschrift für Baukunde bei Theodor Ackermann in München 1870 bis 1881; ferner Jahrbuch von H. Zwick über Kalk, Cement u. Thonwaren (1879 bei Burmeister u. Stempel). Hierin wird auch auf die in den speziellen Fragen einschlägigen Fachartikel ausführlich verwiesen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 20Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6