FeedCementarbeiten
Sitten & ModeBau-Lexikon 1881

Cementarbeiten aus portlandcement. Zu Putz nahm man meist bisher fette Mischungen, die leichter abspringen als magere, daher man neuerdings immer reichlicher Sand auch bei Putz nimmt. Je feiner hier der Sand, desto besser. Zum gewöhnlichen Mauern sollte man nie unter 3—4 Th. Sandzusatz nehmen, da weniger nur Materialverschwendung bedeutet u. auch bez. der schließlichen Festigkeit keinen Nutzen bringt. Guter Portlandcement muß mit 4 Th. Sand schon nach vier Wochen bei rationeller Verarbeitung und Behandlung sehr fest sein. Der Abschluß der Erhärtung findet allerdings bei Sandzusatz nicht vor ca. sechs Monaten statt, dagegen bei reinem Cement viel eher. Soll quellendes Wasser verstopft werden, ist es allemal besser, eine Zeit lang durch Pumpen das Wasser abzuhalten und regelrecht den Defekt zuzumauern und möglichst erst eine Woche erhärten zu lassen. Geht dies nicht an, so versucht man mit raschem Cement den Verschluß zu erreichen, im Nothfall durch trockenes Aufwerfen des Pulvers u. dabei Anpressen an die zu verstopfende Oeffnung. Während bei allen sonstigen C. die Ziegel gut angenäßt werden sollen, wird in solchen Fällen der Ziegel trocken verwandt, weil er dann durch Ansaugen rasches Erstarren des Mörtels herbeiführt. Hat Cement angezogen, so sucht man ihn womöglich ohne neue Wasserzugabe nochmals aufzurühren. Es erfordert dies einige Kraftanstrengung, gelingt aber sehr oft u. hat dann der Cement durchaus noch seine volle Bindekraft. Ist das Aufrühren indes nicht mehr möglich, muß erst neues Wasser hinzugegeben werden, so hat er an Kraft bereits etwas eingebüßt. Ist er gar stückighart geworden, so ist er nicht mehr zu verwenden. Die beste Zeit zur Vornahme von C. ist im Frühjahr u. Herbst. Starke Kälte od. starke Wärme, Zugluft u. Sonnenschein schaden dem Cement im frisch verarbeiteten Zustand leicht. Zweckmüßig wird stets nur so viel Cement angemacht, wie hinter einander weg ohne lüngere Pause verarbeitet werden kann. thek Heidelberg LDDF Sehr häufig sollen Sachen sehr dicht sein, ohne daß große Festigkeit beansprucht wird. Ein recht fetter Mörtel ist nun dichter als ein magerer, würde aber wegen der geringen erforderlichen Festigkeit Materialverschwendung bedeuten. Man mauertbesser in solchen Fällen mit sehr reichlich Sand u. bestreicht, resp. putzt blos von innen mit fettem Mörtel, am besten aus 1 Th. Cement u. 1½—2 Th. eben so feinem Sand hergestellt. Auch kann man in solchen Fällen häufig vortheilhaft guten Romancement verwenden, der da oft in der Festigkeit genügt, aber wegen seiner viel feineren Vertheilung und des geringeren Sandzusatzes fetter u. somit an sich undurchlassiger ist.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 22Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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