FeedWeichselzopf
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Weichselzopf, Wichtel⸗ oder Judenzopf (Plica Polonica, trichoma) besteht in einer unentwirrbaren Verfilzung der Haupthaare. Früher betrachtete man den W. als eine eigenartige Krankheit, aber es ist unzweifelhaft nachgewiesen, daß er nichts weiter ist als eine Folge der Unsauberkeit. Wenn die Kopfhaare, namentlich die der Frauen, jahrelang nicht gekämmt werden, wie dies bei der Bevölkerung der Weichselgegend häufig der Fall, so bilden sich natürlich die Haare zuletzt zu einem unlösbaren, von Schmutz und Ungeziefer starrenden Filz, unter dem zuletzt auch die Kopfhaut nach Art der nässenden Flechte erkrankt. In Polen hält man übrigens den W. für ein gutes Präservativ und Hilfsmittel gegen allerlei Krankheiten, gegen Behexung u. dgl. Daher lassen sich oft nicht bloß Leute aus dem Volke, sondern auch den höhern Ständen Angehörige einen W. ziehen. Die Behandlung des W. besteht im Abschneiden der Haare, in der Erweichung und Entfernung der vorhandenen Borken durch Ol und in der Anwendung adstringierender und desinfizierender Salben. (S. Ekzem.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 507Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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