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AllerleiBau-Lexikon 1881

Kalk durch langes Rühren einer fetten Milch gleich (ist er fertig naß gelöscht), so läßt man ihn durch das geöffnete Loch des Kalkkastens in die Grube laufen (einsümpfen), bis die Kalkgrube voll ist. Der gelöschte Kalk kann lange Zeit in der Grube liegen und wird immer besser, je länger er liegt; jedoch muß dann die Oberfläche des Kalkes mindestens ½ m. hoch mit Sand bedeckt werden. Soll nder gelöschte Kalk zum Mauern verbraucht werden, so wi er mit Sand vermischt; dann erst heißt er Mauerkalk, engern Sinn Sandkalk oder Kalksandmörtel. Der da genommene Sand muß rein und hart, nicht mit erdig Theilen vermischt sein, denn sonst bindet er weniger, zie die Feuchtigkeit aus der Luft an und macht die Maue feucht. Der aus der Erde gegrabene Sand, welcher erdi Theile bei sich hat, muß gewaschen werden. Statt d Sandes kann man auch zerstoßene Ziegelsteine, gebrant thönerne oder Glasscherben, Eisenschlacken und Stei kohlen als Zusatz gebrauchen; s. unter Cement. Ist Kalk zum Vermauern, besonders zwischen Bruchstein bestimmt, so ist grober Sand besser; dient er aber zi Putzen, so mischt man feinen Sand darunter. Gewöhnl rechnet man auf 1 Th. Kalk 1½—2 Th. Sand, nur ganz gutem Kalk auch wohl 3 Th. Sand. Das be Verhältnis des Kalkbreies zum Sand ist ebenso wie d Verhältnis des Sandes zu der Wassermenge, die man d in ein Gefäß gethanen Sand zugießen kann, bis derse vollständig vom Wasser bedeckt wird. Zu viel Sand ma den Möttel zu mager, zu wenig Sand zu fett. B. Hydraulischer Kalk. Dazu gehören alle Kalkarten, welche unter Wasser erhärten. Es sind dies namentlich solche, welche Kieselerde, Thonerde etc. enthalten, also immer magere Kalke. Sie kommen u. a. vor in Loosch bei Dux, bei Prag etc. in Böhmen, bei Mügeln u. Oschatz in Sachsen, im Altenburgischen, in Ricksdorf bei Berlin etc. Beim Brennen derselben muß die Hitze in minderem Grad, aber länger als bei fetten Kalken, unterhalten werden. Die Löschung muß stets trocken geschehen, d. h. nur mit so viel Wasser, daß der Kalk zu Pulver zerfällt, wobei man das sich entwickelnde Gas durch rasches Neberschütten mit feinem Flußsand festzuhalten sucht. Der Kalk wird mit ½ oder /% Sand und mit eben so viel Puzzuolanerde od. Traß vermischt u. dann durch länges und heftiges Schlagen mit einem nur geringen Antheil Wasser in einen steifen Brei verwandelt, der, als Mörtel verwendet, unter dem Waffer schnell erhärtet. Nach Vicats Versuchen würde man auch fette Kalke zu hydraulischem Mörtel verbrauchen können, wenn man sie der Selbstlöschung an der Luft in bedeckten, vor Wind geschützten Orten ein ganzes Jahr lang überläßt; s. übr. d. Art. hydraulischer Kalk, Cement und Mörtel. Bezugsquellen: W. Baller in Dux, G. Töpfer in Dresden, E. Michael in Mügeln, Gebr. Leuber in Ulm.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 136Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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