Formosa, chines. Thai-wan, chinef. Insel, unweit der Südostküste Chinas gelegen, durch die Straße von Fukien von der gleichnamigen chines. Provinz getrennt, erstreckt sich von 25 18 bis 215 53,30“ nördl. Br. mit einer Länge von 378,5, einer Breite von etwa 215 km und einem Flächeninhalte von 38803 akm. Eine von ihrer Nordspitze (Foni Point) bis zu ihrem südl. Ende Kap Schamakhiten) in mehrern parallelen Zügen streichende Gebirgskette, Ta-schan genannt und im Mount-Morrison sich über 4000 m erhebend, teilt F. in eine westl. und eine östl. Hälfte und bildet zugleich die Wasserscheide. Bei der geringen Breite der Insel sind die Flüsse nur von geringer Entwickelung und wegen starken Gefälls, veränderlichen Wasserstandes, sowie Klippen und Untiefen meistens nicht schiffbar. Die Westküste ist gegliederter und reicher an Buchten, Hafen⸗ und Ankerplätzen als die Ostküste. Die geolog. Verhältnisse von F. sind noch wenig bekannt. Das Ta-schan-Gebirge besteht seiner Hauptmasse nach aus Granit; stellenweise treten aber auch vulkanische Gebirgsarten, namentlich Trachyt, auf. Für die vulkanische Beschaffenheit dieser Insel sprechen auch viele Solfataren und heiße Schwefel—⸗ quellen, sowie häufige Erdbeben. Auch finden sich auf F. ausgestreckte, in Abbau genommene Kohlenflöze und aus den Solfataren wird Schwefel gewonnen. Die Flora von F. zeigt einen subtropischen, fast tropischen Charakter. Viele Kulturpflanzen, wie Reis, Mais, Zuckerrohr, Hirse, Thee, Gemüsearten, der Papiermaulbeerbaum, mehrere Arten von Fruchtbäumen u. s. w., sind aus China eingeführt. Die Wälder sind reich an Holzarten für den Schiff⸗ und Häuserbau, enthalten mehrere Palmenarten, die Mutterpflanze des Alosholzes (Aloëxylon Agallochum), Kampferbäume (Laurus camphora) und verschiedene Gewürzpflanzen. Die Fauna ist noch wenig bekannt. Von Säugetieren gibt es Hirsche, wilde Schweine und eine Affenart (Macacus speciosus). Das Meer, namentlich längs der Westküste, ist sehr fischreich. Die Bevölkerung teilt sich in eine ursprüngliche, eingeborene, in ihrer physischen Bildung und den Elementen ihrer Sprache eine nicht unbeträchtliche Verwandtschaft mit den Malaien zeigende, die sich wahrscheinlich in vorgeschichtlicher Zeit auf F. niedergelassen hat, als die Wanderzüge des malalischen Volksstammes sich gegen Westen bis nach Madagaskar, gegen Osten bis zu den Philippinen und vielen Inseln des Stillen Weltmeers erstreckten. Daß diese malaiischen Einwanderer daselbst eine Urbevölkerung von Negritos antrafen, diese aber im Laufe der Zeit teils ausrotteten, teils in sich aufnahmen, ist nicht ganz unwahrscheinlich, aber keineswegs erwiesen. Früher die ganze Insel einnehmend, bewohnt diese ältere, rohe und wenig bildungsfähige Bevölkerung malaiischer Abstammung, vor der von Westen auf sie eindringenden chines. Kultur immer weiter zurückweichend, jetzt nur noch die weniger zugänglichen Thäler des Ta-schan-Gebirges, sowie die östl. Inselhälfte und ist in fortwährender Abnahme begriffen, wozu der Umstand, daß sie sich in eine große Anzahl einander feindlicher Stämme teilt, wesentlich beiträgt. Ihre Anzahl wird jetzt nur noch auf 25—30000 geschätzt. Diejenigen dieser ältern Bevölkerung, welche chines. Sitten, Pepo e und Kleidung angenommen haben, werden Pepo Hoans genannt. Sie werden allmählich zu Chinesen. Auch gibt es allenthalben Michlinge von Chinesen und eingeborenen Müttern. Chines. Ansiedelungen haben auf der Westküste von F. wahrscheinlich schon seit ältester Zeit bestanden. Eine massenhaftere Einwanderung, hauptsächlich aus der Provinz Fukien, fand um die Mitte des 17. Jahrh. während der Kriege statt, welche dem Sturze der Dynastie Ming und der Gründung der gegenwärtigen Herrschaft der Mandschu über China vorausgingen. Ihnen folgten fortwährend neue Einwanderer und unter diesen auch aus den nördl. Provinzen Fischer und Kampferbauer, sodaß gegenwärtig eine Bevölkerung von 2—3 Mill. Seelen die ganze westl. Hälfte der Insel innehat. Erst 1683 gelang es der Mandschu-Dynastie, sich die chines. Kolonien auf F. zu unterwerfen. Der von Chinesen bewohnte Teil von F., d. h. die ganze westl. Hälfte desselben, bildet gegenwärtig ein Departement, Fu, der Provinz Fukien, unter einem Untergouverneur, chin. Ta-o-toi. Hauptstadt ist Thai-wan-fu mit 100000 E. Die Häfen von Hano-bai oder Tam-schui und Ke-lung im Norden, sowie die von Ta-ka-o und Thai-wan-fu im Süden sind der europ. Schiffahrt geöffnet. Der wichtigste Handelsort, das Hauptdepot für die Einfuhr ist die Stadt Ban-ka mit 40000 C., 21,5 Km oberhalb der Mündung des Tam-schui an demselben gelegen. Der beste und sicherste Hafen ist der von Ke-lung. Hauptartikel der Ausfuhr sind Kampfer, Thee, Steinkohlen und Reis. Hauptartikel der Einfuhr ist Opium. Der Handel mit letzterm befindet sich ausschließlich in Händen der Europäer. Die für Beziehungen mit Hinterindien, China, Japan den Philippinen und Molukken so besonders günstige Lage von F. 05 von dem Augenblicke an, wo die Schiffahrt und der Handel der europ. Seemächte sich nach dem südöstl. Asien hinlenkten, die Aufmerksamkeit derselben auf sich. Die Holländer errichteten 1634 zu Thai-wan-fu eine befestigte Handelsfaktorei und zur Sicherheit des Hafens dieser Stadt das Fort Zeelandia, wurden aber schon 1661, nach zehnmonatlicher tapferster Verteidigung gegen den Angriff des chines. Seeräuberhäuptlings Coxinja, durch Verrat gezwungen, diese Stellung zu verlassen. Auch die Spanier, welche eine Niederlassung zu Ke-lung gegründet hatten, wurden gleichzeitig von dort vertrieben. Die Japaner hatten ebenfalls auf F. ein Handelsetablissement errichtet, gaben dasselbe aber schon bald nachher, 1621, wieder auf. In neuerer Zeit hat sich die Aufmerksamkeit sowohl Nordamerikas als auch verschiedener europ. Staaten, namentlich auch des Deutschen Reichs, wiederholt auf F. gerichtet, um für die Sicherstellung und Ausbreitung ihres Handels mit dem östl. Asien daselbst Flottenstationen und Handelsniederlassungen zu gründen. Diese Pläne sind aber bis jetzt nicht zur Ausführung gelangt. Der Umstand, daß 1872 die Bemannung eines japanischen, durch Sturm an die Ostküste von F. verschlagenen Schiffs durch einen der obenerwähnten barbarischen Volksstämme größtenteils ermordet wurde, hatte die Besetzung eines Teils von F. durch die Japanesen zur Folge. Infolge dessen schien ein Krieg zwischen Japan und China unvermeidlich; doch gelang es den Vermittelungen des engl. Gesandten Parkes, die Hofe von Peking und Jeddo wieder zu versöhnen. Am 31. Okt. 1874 ward Frieden zwischen beiden geschlossen und festgesetzt, daß Japan sich von F. zurückziehen und 500000 Taels an Kriegsentschädigung von China erhalten solle.