Formosus, Papst von Sept. 891 bis 4. April 896, geb. um 816, ward vom Papst Nikolaus I. zum Kardinalbischof von Porto erhoben und 866 als röm. Missionar zu den Bulgaren gesandt. Hier war er so beliebt, daß Fürst Bogovis wünschte, der Papst möge F. zum Erzbischof der Bulgaren weihen; doch wollte dieser nicht darauf eingehen, weil die Kirchengesetze dem Bischof die übernahme eines andern Bistums untersagen. Auch die Päpste Hadrian II. und Johann VIII. brauchten F. in den wichtigsten Angelegenheiten als Vertrauensperson. Dann verlor F. plötzlich die päpstl. Gunst. Am 9. April 876 sprach Johann VIII. auf einer röm.. Synode Amtsentsetzung und Exkommunikation über ihn aus, weil er sein Bistum eigenmächtig ver⸗⸗ lassen, in der Bulgarei seine Befugnisse überschrit⸗-⸗ ten und sich an einer Verschwörung gegen Kaiser Karl den Kahlen beteiligt habe. Papst Marinus II. nahm ihn wieder in die Kirche auf und 891 wurde er sogar selbst auf den päpstl. Stuhl gehoben. As Papst verfuhr er in den mancherlei Wirren der griech., deutschen und fränk. Kirche mit größter Strenge. Er starb 4. April 896 und schon im Jan. 897 hielt Lambert, der von ihm bekämpfte Gegenkaiser Arnulphs, seinen Einzug in Rom. Auf Lamberts Anstiften hielt Papst Stephan VII. über seinen Vorgänger ein schmachvolles Totengericht. Die e Leiche des F. wurde aus dem Grabe geussen in vollem päpstl. Ornat auf einen Stuhl gesetzt und jetzt die Anklage auf widerrechtliche Besitzergreifung des päpstl. Stuhls erhoben. F. wurde für schuldig erklärt und der Leiche die päpstl. Gewänder abgerissen. Indem man alle von vorgenommenen Weihen für ungültig erklärte, gab man dem Streit noch längere Dauer und größere Ausdehnung.