Forstmathematik ist die auf Forstwesen angewendete Mathematik, eine der wichtigsten forstlichen Fachwissenschaften. Sie umfaßt Holzmeßkunst, Forstfinanzrechnung und forstliche Geodäsie und lartierung. Die Holzmeßkunst (forstliche Stereometrie) ist derjenige Teil der F., welcher den Kubikinhalt von einzelnen stehenden oder gefällten Bäumen und deren Teilen, sowie von ganzen Beständen finden lehrt, sowie Anleitung gibt zur Berechnung des Zuwachses (Massenzuwachses), d. h. derjenigen Holzmasse, um welche die Bäume und Bestände durch den jährlich sich anlegenden Holzring innerhalb einer gewissen Zeit zunehmen. Zur Lösung ihrer Aufgaben bedient sich die Holzmeßkunst teils geometr., teils physik. Methoden. Die Forstfinanzrechnung lehrt die Berechnung aller in der Waldwirtschaft vorkommenden Kosten und Erträge, der Erntereife der Bestände und des Waldwertes (Waldwertrechnung, s. d.); sie enthält den größten und wichtigsten Teil dessen, was von andern (Hundeshagen, Heyer u. s. w.) forstliche Statik genannt wird, d. h. die Meßkunst der forstlichen Kräfte und Erfolge. Da indessen Statik eigentlich Gleichgewichtslehre bedeutet, so ist der Ausdruck forstliche Finanzrechnung entsprechender. Die forstliche Geodäsie endlich lehrt die Grundsätze und das Verfahren forstlicher Flächenaufnahmen und Kartierungen kennen. Die gesamte F. ist von hervorragendster Wichtigkeit für die Lösung der Aufgaben der Forsteinrichtung (s. d.), in erster Reihe für die der geometr. und taxatorischen Vorarbeiten, dann für die Haubarkeitslehre; ebenso wichtig für den Verkauf der Hölzer, seit dieselben nach dem Kubikinhalt veraußert werden. Hervorragende Verdienste um die F. hat sich Preßler (s. d.) erworben. Sein 1858 und 1859 erschienener «Rationeller Waldwirt» eröffnete ganz neue Bahnen für diese Wissenschaft. Die ältere sehr reiche, bis in das 18. Jahrh. zurückreichende Litteratur über F., die Arbeiten von Beckmann, Büchting, Ottelt, Vierenkler, Späth, Hoßfeld u. a. bieten 7* mehr histor. als praktisches Interesse. Selbst das für seine Zeit höchst anerkennenswerte Buch von König: Die F. in den Grenzen wirtschaftlicher Anwendung u. s. w. v (Gotha 1835; 5. Aufl., von Grebe, 1864), ist durch die neuere Litteratur überholt. Von dieser vgl. Preßler, «Forstliches 2870· dersel Schule und Praxis⸗ (6. Aufl., Berl. 1874); derselbe, Ingenieurmeßkunst mit Textbuch » (5. Aufl., Tharand 1876); K. Heyer, «Anleitung zu forststatischen Untersuchungen »(Gieß. 1846); G. Heyer, «Über die Ermittelung der Masse, des Alters und des Zuwachses der Holzbeständey (Gieß. 1870); Püschel, «Die Baummessung und Inhaltsberechnung nach Formzahlen und Massentafelno (Lpz. 1871); Preßler und Kunze, «Die Holzmeßkunst in ihrem ganzen Umfange „ (2 Bde., Berl. 1873); Baur, «Die Holzmeßkunsto (2. Aufl., Wien 1875); Burckhardt, Der Waldwerto (Hannov. 1860); G. Heyer, Handbuch der forstlichen Statiko (Lpz. 1871); derselbe, «Anleitung zur Waldwertrechnungy (2. Aufl., Lpz. 1877).