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Handwerk & GewerbeBau-Lexikon 1881

Basilika, f., frz. basilique, engl. Pasilica, lat. basilica, f. 1. Heidnische Basilika; es werden bei griechischen Schrifthuνι μκεοομμìα, die königl. Wohnhäuser u. Bauten belegt, Josephos die dreischiffige Halle auf der Südseite des Tempels von Jerusalem, welche Herodes gebaut hatte. Die zu ähnlichem Zweck dienende Königshalle in Athen wird von +οο, aber nie gacthern genannt. Römische Schriftsteller brauchen den Namen bereits im 2. Jahrh. v. Chr. als landläufigen Ausdruck. Auch Vitruv, der sonst gern Etymologien giebt, unterläßt es bei dem Namen basilica. Bei den Römern nun gab es folgende Arten der B.: a) Handelsbasilika, Marktbasilika, basilica foxrensis. Schon 179 v. Chr. wurde die erste uns dem Namen nach bekannte Marktbasilika in Rom erbaut und durch 5 Jahrhunderte hindurch je nach Bedarf neue gegründet, die älteren erweitert, umgebaut etc. Ueber ihre Bestimmung ist so viel sicher erwiesen, daß sie zu Versammlungen der Kaufleute (als eine Art Börse) dienten, sowie zu Gerichtssitzungen, hier und da auch zum Empfang fremder Gesandten etc. Ob aber hier und da für einen oder den andern dieser Zwecke eine besondere B.bestimmt war, od. ob stets ein und dasselbe Gebäude für alle diese verwendet ward, ob ferner nur Geschäfte darin abgeschlossen wurden, oder ob sie geradezu Verkaufsstätten, überbaute Marktplätze waren, ob Gerichtsverhandlungen aller Art od. blos in Handelssachen darin gepflogen wurden, da rüber sind die Forscher noch keineswegs einig. In der neuern Zeit hat man wiederum einige der Ben Roms u. der Provinzen durch Ausgrabungen, Ausbeutung von Urkunden und andere Nachforschungen genauer kennen gelernt und dabei gesehen, daß keineswegs alle nach den von Vitruv 5. Buch, 1. Kap. gegebenen Regeln erbaut waren; vielmehr weichen sie fast sämtlich mehr od. weniger davon ab; als allgemein gültig läßt sich dennoch etwa Folgendes aufstellen: Die B. liegt an dem meist von Säulengängen umgebenen Forum, sie bildet in der Hauptsache einen länglichen, gegen den Regen Schutz gewährenden Raum, 4 Fig. 442, gewöhnlich mit einer Galerie, 5, versehen, die an beiden Langseiten, Sbibliothek Heidelberg auch wohl an einer Querseite, selten an beiden, sich hinzieht; an einem Ende ist eine Erhöhung, é, durch Schranken abgeschlossen, das Tribunal für die Richter, darunter der Kerker; zu den Seiten hier und da noch ein par Nebenzimmer (chalcidica), ꝗd, oft auch noch Lokale für Advokaten od. dgl., 6. Andere verstehen unter chalcidica die Vorhalle 7. In der Regel, aber nicht immer, ist dem Tribunal die Form einer runden od.viereckigen Nische (concha, his) gegeben; da die B. fast immer so groß ist, daß sie weder eine Einwölbung noch ein Dach frei tragen würde, so wird sie in Schiffe 45 d getheilt (man hat drei- und fünfschiffige). Die Trennung dieser Schiffe geschieht bei gewölbten durch Pfeiler, bei den mit Holzdecken versehenen durch Säulenreihen, welche zugleich die Galerie tragen; das Mittelschiff ist breiter als die Seitenschiffe und auch höher, in den Zeiten der Republik nur wenig, später aber um so viel, daß über den Dächern der Seitenschiffe noch Platz ist für Fenster des Mittelschiffs. Aber selbst in den wenigen Fällen, wo die Decke des Mittelschiffs mit der der Galerien in gleichem Niveau liegt, das Mittelschiff die Beleuchtung also nur durch die Fenster der Galerien erhält, erscheint es doch dem Blick höher als die Seitenschiffe, deren Höhe ja durch die in sie eingelegte Galeriebalkenlage getheilt wird. Daß diese Hauptregeln immer noch unzählige Variationen zulassen, liegt auf der Hand. Das Seitenschiff zieht sich manchmal an der Giebelseite, dem Tribunal gegenüber, bei dem Eingang Fherum. Die Galerien ziehen sich hier und da vor dem Tribunal querüber, anderwärts erscheinen sie rechts und links an den Ecken des Tribunals, oder auch schon vor dem Erreichen der das Tribunal enthaltenden Wand abgebrochen, lassen also vor dem Tribunal einen breiteren freien Raum, eine Art Querschiff (transseptum). Auch Bien mit 2 Tribunalnischen an verschiedenen Seiten, od. mit mehreren an einer Seite, auch ohne Galerien, kommen vor. Am meisten Manchfaltigkeit ward wohl in der Dekoration, der Eindeckung und der Art und Weise entwickelt, wie die Säulen resp. Pfeiler ihre Uebermauerung trugen; darüber s. d. Art. Römischer Stil. bp) Spazier-B. basilica ambulatoria, nennt Zestermann gewisse von römischen Schriftstellern basilica genannte Portiken, die sich vechts u. links von einem breiten Mittelraum hinzogen und zum Promeniren dienten. der Mittelraum bedeckt war, lassen die betr. Stellen unentschieden. Manche davon waren mit einer Apsis versehen und hießen dann auch porticus absidata. o) Wein-B. Die neuerdings versuchte Aufstellung dieser Gattung gründet sich nur auf falsche Uebersetzung einer Stelle in Falladius Rutilius de rust. I., 48. d) P rivat⸗ B./ Dasilica domestica. Vitruv bef lerien tragenden Seitenschiffe, die Apsis, Mein oecus apsidatus. Meist liegen diese Blen am Atrium od. Peristyl. 2. Altchristliche Basilika. Sie wird von römischen Schriftstellern als basilica ecclesiae, b. dominica, patrimonii D. ete, kurz immer mit einem Zusatz angeführt, der darauf hinweist, daß um die Zeit von 200 —350 n. Chr. das Wort B. allein nicht hinreichte, um die kirchliche Bestimmung zugleich mit anzudeuten, daß also die Benennung allmählich zu einer technischen geworden war, die einen mehrschiffigen Raum mit Apsis etc. bezeichnete, wobei man lus nenform, sondern auch in der Lage (am I / viele solche Privat-Ben den Gemeinden be-Spalato. B.en, Tabernen etc. waren direkt, so wie sie waren, ganz angemessen für den nun erst sich völlig entwickelnden Ritus. Dazu kam, daß die Erinnerung an den Tempel zu Jerusalem als liebe, fast zum Ideal verklärte Erinnerung den Christen vorschwebte. Dieser Tempel hatte ebenfalls basilikenähnliche Form (s. d. Art. Israelitische Bauten). Die Ausschließung der Ungläubigen vom Heil, die Aufhebung dieser Ausschließung durch die Taufe u. so manches Andere mußte die Architekten, welche neue Kirchengebäude entwerfen sollten, auf dieses Ideal hinweisen, welches jedoch um des Charakters der Religion und des Gottesdienstes willen manchfach modifizirt werden mußte; das neue Gotteshaus mußte weniger burgähnlich, heiterer, freierer, ätherischer werden; es sollte ferner nicht mehr alleinige Wohnung Gottes sein, sondern Raum bieten für seine Kinder, wie ein Familiensäl; es sollte nicht nach außen einen König repräsentiren, sondern die in ihm Versammelten der Herrlichkeit theilhaftig machen. Dabei blieb Gott, gerade wie im Tempel von Jerusalem, unsichtbar, aber Christus als Verkörperung Gottes trat in künstlerischer Beziehung in ähnliche Stellung wie die Heroen u. Götterstatuen Griechenlands. Ebenso entsprachen die Märtyrer den Heroen des Heidenthums. Die symbolische Reinigung beim Nahen an das Heiligthum verlangte die Aufstellung nek Heidelberg DFC eines Brunnens (7 Fig. 444 u. 445) im Hof, eine Anordnung, welche Vorbilder fand ebenso am ehernen Meer des Tempels zu Jerusalem als am Puteal im Atrium des römischen Wohnhauses. Das Gedächtnismahl leitete den Blick auf das große Triclinium der Römer und damit wiederum auf die Privat-B. Das Gebet nach bestimmter Richtung hin erinnert ebenfalls an Jerusalems Tempel; die Speisung der Armen verlangte eine Vorhalle (Fig. 444 u. 445) zwischen dem Hof u. dem eigentlichen Innenraum und erinnert an die Tische in der Vorhalle des jüdischen, im Pronaos des heidnischen Tempels. Das Gedächtnismahl selbst mußte aber an demselben Ort gefeiert werden, wo man das Gedächtnis Derer, die sich für das Christenthum geopfert hatten, feierte. Insoweit die Versammlung zugleich behufs Anhörung einer Rede, einer Predigt geschah u. insoweit die Gemeindevorsteher zugleich Regenten und Richter der Gemeinde waren, traten die Stoen, Curien und B.en mit ihren Rednerbühnen u. Tri-Nach West orientirt. Nach Ost orientirt. bunalen als Vorbild ein, wobei den Judenchristen besonders die Curie Salomons in der B.des Herodes vorschweben mochte. Da nun die ebenfalls vielfach für größere Versammlungen durch Anbringung von Emporen in Seitenschiffen eingerichteten hypäthralen Weihetempel mit Pronaos und Temenos, die Markt-B. mit Chaleidika u. Forum, die Haus-B. mit Tablinum und Atrium in fast paralleler Weise eine gegliederte Gruppe bildeten, wie der Tempel zu Jerusalem mit Vorhalle und Vorhof, so vereinfachte sich die der Architektur gestellte, so komplizirt scheinende Aufgabe wesentlich. Da, wo in der Markt-B. und vielfach auch in der Privat-B., in der porticus apsidata, in der Curie u. in dem ebenfalls oft mit einer Apsis versehenen römischen Tempel die Götterstatue stand, wurde nun das Märtyrergrab, der Altar, 7 Fig. 444, aufgestellt, am Westende nämlich des ganzen Baues, in einer Aedicula, von einer Apsis überwölbt u. durch Vorhänge als Adyton verhüllt. Für die vom Bischof oder Vorsteher zu haltende Predigt wurde der Raum in dieser Apsis gleich dem Tribunal der Eurie und B.erhöht. Beim Vorlesen der Evangelien u. Episteln, beim Vorsingen etc. aber war der Fungirende nicht im Amt als Vorsteher und Richter, sondern als Gemeindemitglied. Die Vorrichtungen hierzu, Chor und Ambone, 75, gehörten also in den Gemeinderaum, wie die Rostra auf dem Forum standen. Die Katechumenen und die Büßenden durften zwar in das Haus (bei V), aber nicht in den Gemeinderaum eintreten. Als Vorbild dafür hatte man die Vorhalle und das Gitter am Hause umher beim jüdischen Tempel, den vorgezogenen Strick an der Königshalle zu Athen. — Ungetaufte, angehende Lehrlinge u. Gebannte mußten im Atrium bleiben, wie bei den Juden ein Hof der Heiden, bei den Griechen der Temenos für die Ungeweihten da war. So fanden sich Vorbilder nicht fürdas Ganze, sondern immer nur für einzelne Theile in den Tempeln des Heidenthums, in den Handels-B.en u. in den Räumen des Wohnhauses. — Als Ganzes aber war ein Raum, der alle Bedürfnisse des neuen Baues erfüllt hätte, nicht zu finden, obgleich zahlreiche Beispiele beweisen, daß die Christen es nicht verschmähten, Tempel, Privathäuser u. öffentliche Gebäude zu Kultuszwecken zu benutzen. Aber weder folche Gebäude waren zu erhalten, noch auch neue zu schaffen, so lange die Verfolgungen währten. Als nun diese aufhörten, trat die B., wenn auch noch nicht vollständig entwickelt, doch in den Hauptzügen als neue Gebäudeform fertig auf, etwa wie in Fig. 444, als mehrschiffiges Gebäude, miteingebauter Apsis, vielleicht im Anfang sogar blos mit einem, nicht von einer Apsis umschlossenen Tribunal für die Vorsteher, mit einfachem Hof u. Brunnen n, häufig auch ohne Vorhalle. Zur Zeit der wirklichen Anerkennung des neuen Glaubens war auch der Typus schon so weit entwickelt, daß Atrium und Apsis nicht fehlten. Das Sanctuarium bestand damals noch blos in einer freistehenden Aedicula über dem Märtyrergrab oder symbolischen Christusgrab 7, welches, als Tisch gestaltet, in sich das eigentliche Jie Grab, die confessio, barg. In der AEtenende in Bom. Vorhalle “ stand die mensa indligentium, der Agapentisch zu den Armenspeisungen, neben dem Altar (wie in Fig. 445) oder im Seitenschiff (wie in Fig. 444), auf der Frauenseite das οαραααον, der Opfertisch mit den frommen Gaben, mit den Kohlen, dem Feuer, Räucherbecken, Leuchtern, geweihten Kleidern, Kerzen, Patenen, Kelchen etc. — Auf der Männerseite stand ein ähnlicher Tisch &, der Kredenztisch, secretarium minus, mensa propositionis, mit den Weihbroten, dem Propositionsweéin, dem geweihten Wasser für die von der Kommunion Ausgeschlossenen etc. In den lateinischen Kirchen wurden diese Tische später durch Schränke hinter oder neben dem Altar ersetzt. Hierher gehörte auch das Waschbecken für die Priester, ein Becken für Ueberbleibsel vom Abendmahl etc. Bald gliederte sich die Vorhalle nochmals in Paradis! und Narthex . Der Raum der Vorsteher, das Presbyterium «, wurde durch die Cancellen vom Laienschiff, gremium ecclesiae, getrennt. Zugleich streckt sich die Vorhalle über die ganze Vorderseite hin und erhält 3 Thüren statt einer; diese innere Vorhalle, der „Narthex, kommt bis ins Mittelalter als wirklich bauliche „Abtheilung vor. Bis um die Zeit von 420 waren die B.en nach Fig. 444 mit dem Altarende nach Westen gekehrt e(nach Westen orientirt), von da an war die östl. Richtung des Altarendes vorherrschend; dabei blieb aber die Nordseite die Frauenseite, während Evangelien⸗ und Epistelseite sich mit dem Altar herumdrehte; s. Fig. 445. Von etwa 400 an beginnen Schwankungen in Zahl u. Gestalt Fig. 447. Basilika der Maria (Geburtskirche) zu Bethlehem. der Apsiden, deren Wände nunmehr häufig durch Hineinschieben in das Schiff od. durch Hinausrücken der Konche nach Osten verlängert werden, um mehr Platz für die Priester zu erlangen und zugleich ein Adyton zu schaffen; aus gehalten, überhaupt wechselt die Anordnung der Ambonen, Cancellen, Kanzeln u. des Presbyteriums schneller als die Gestalt des Baues selbst. Vor 320 ist kein Querschiff authentisch nachgewiesen. Erst von 420an traten sie etwas häufiger auf. Querschiffe, Kreuzungskuppeln, Exedren an den Enden der Querarme sind orientalischem Einfluß zuzuschreiben. Die Stützung der Schiffscheidemauern ist bis gegen 370 meist durch Architrave, wie in Fig. 448, von da an durch Bogen bewerkstelligt. Pfeiler wendete man blos da an, wo keine Säulen zu haben waren. Emporkirchen kommen bei occidentalen Bien seltener als bei orientalischen vor, wo sie fast nie fehlen. Die Erhöhung des Mittelschiffs ist eine wesentliche, wenn auch im Anfang nicht sehr stark hervortretende Eigenschaft der B. Die Beleuchtung durch diese Erhöhung ist nicht wesentlich, sie geschieht aber meist, wenigstens theilweise, durch das Mittelschiff. Die Bedeckung geschah durch Holzwerk, d. h. durch wägerechte Balken mit Kassettenverkleidung, wie in Fig. 448, oder mit sichtbarem Dachstuhl. Nicht jede B. war von einem Baptisterium begleitet. Fig. 444 stellt das Schema der B.en bis etwa um 420 n. Chr., Fig. 445 aber nach dieser Zeit dar. oder doch unbedeutend an den Seiten vorsteht, dabei jedoch schon äußerlich sich als besonderer Bautheil kundgiebt u. sich durch das höhere Aufsteigen seiner Mauern vor den Seitenschiffen auszeichnet. h. Die Tribüne, apsis, enthält an ihrer gekrümmten Rückwand das Presbyterium, in dessen Mitte erhöht der Bischofssitz, cathedra, angebracht ist; rechts und links schließen sich an denselben die subsellia der Priester an. i. Das Querschiff oder Sanotuarium, Fig. 445 und 447, schließt der Triumphbogen, arcus triumphalis, vom Langschiff ab, erinnernd an den Uebergang vom irdischen zum himmlischen Leben durch die Ueberwindung des Todes nach dem Beispiel Christi. Die beiden Theile des Querschiffs zu den Seiten des Sanctuarium, das senatorium und das matroneum, sind von dem entsprechenden Seitenschiff durch je eine Brüstung (septum) getrennt. Neben der Apsis wurde häufig an das matroneum das secretarium 9 und an das senatorium die prothesis angebaut. Einer dieser Räume diente zugleich als aspasticum. K. In das Mittelschiff hinein war der choxus gebaut, umgeben von Cancellen und versehen mit den Ambonen, der Osterkerze etc.; s. d. betr. Art. Dieser Niederchor oder Akoimetenraum zerfällt später in drei Abtheilungen (s. d. Art. Akoimeten), und zwar in der Regel der Breite nach, so daß der eine Chor zunächst am Sanctuarium sitzt. J. In das um 2—3 Stufen erhöhte und bei gewissen Theilen des Gottesgienstes durch die πτιάσμεάατο, aulaea, gestickte Vorhänge, abgeschlossene Sanctuarium, Sacrarium, PI¹μH &dτον, kann man direkt aus dem Chorus, nicht aber aus der aula gelangen, und zwar durch die von den Akolythen bewachte porta sancta, unmittelbar an den Stufen des Altars, der hier um noch einige Stufen gegen das Sanctuarium erhöht steht, beschattet von einem durch 4 Säulen getragenen Tabernakel, von dessen Decke das Ciborium herabhängt, und dessen Seiten durch Tetravela verschließbar sind. Der Priester tritt vom Presbyterium an den Altar, ist also durch denselben von der Gemeinde getrennt, die er ansieht, indem er sein Antlitz durch die Hauptthür der aufgehenden Sonne zuwendet. So braucht er beim Gebet seine Stellung nicht zu verändern, während die in dasselbe einstimmende Gemeinde sich umdrehen muß. (Als die Orientirung verändert ward, wurde der Platz für den Priester mit dem Altar herumgedreht u. kam also zwischen Gemeinde und Altar zu stehen.) m. Aus dem Chorus gelangt man auch zu dem unter dem Sanctuarium, gewöhnlich unmittelbar unter dem Altar befindlichen Heiligengrab, der contessio, welche sich später häufig zur Krypta ausweitete. (Fig. 446 zeigt den Plan der im 4. Jahrh. im Hause des Clemens eingerichteten, 872 —882 umgebauten und im 12. Jahrhundert nach einem Brand restaurirten Kirche St. Clemente in Rom, 447 den Plan der um 320 erbauten, um 540 umgebauten Geburtskirche in Bethlehem und Fig. 448 die innere Ansicht der 368 erbauten, um 430 umgebauten, später öfter neu dekorirten Kirche S. Maria maggiore in Rom.) Im 5. Jahrh. begann man das Mittelschiff mehr und mehr zu erhöhen, u. zwar im Orient sehr schüchtern, nur so viel als unbedingt nöthig war, um anen Lichtgaden zur Erleuchtung des Mittelschiffs zu erhalten. Im Abendland hatte man die Emporen aufgegeben und so ergab sich von selbst ein ziemlich hoher Lichtgaden über den Seitenschiffsdächern, die nun hinabgelegt wurden, dahin, wo früher die Fußböden der Emporen gelegen hatten, wo auch in den Privat-Bien die flachen Dächer der Galerien lagen. 3. Mittelalterliche Basilika. Während in der Zeit Konstantins dem Namen B. in der Regel irgend ein Beiwort zugefügt wird, wenn er auf ein kirchliches Gebäude bezogen werden soll, während ferner vor und in Konstantins Zeit die Kirche auch noch andere Namen führte, so zwar, daß es scheint, als ob damals nur geweihte und zum Pfarrdienst bestimmte Kirchen von einer bestimmten Form den Namen B. führten, wurde der Name B. im Mittelalter von Manchen auf alle Kirchen, von Anderen, bes.in Frankreich, auf Klosterkirchen, Grabkapellen etc. angewendet; die mittelalterlichen eigentlichen Ben entfernten sich in ihrer Bauform manchfach von den altchristlichen Vorbildern u. sind daher nicht hier, sondern in den Art. romanisch, gothisch etc. nachzusehen. 4. Name Basilika in der Gegenwart. In Italien heißt jetzt basilica s. v. w. bischöfliche Kirche, Kathedrale. Offiziell wird dies Wort nie auf solche Kirchen angewendet, die nicht mindestens das Recht zu Ausübung der Taufe haben. In Frankreich heißen nur die Hauptkirchen der Ephorien basilique. In Spanien heißt nur die erzbischöfliche Kirche basilica od. catedrale. In Rußland heißt die Pfarrkirche wassilji. In Deutschland versteht man unter Basilika eine nach Art der altchristlichen B. erbaute Kirche ohne Rücksicht auf Rang⸗ u. Spezialbestimmung.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 267Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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