Freundschaft unter Personen zu stiften, welche in deständiger Entfernung voneinander hätten bleiben müssen. Der Maurer ist ein friedfertiger Unterthan der bürgerlichen Gewalten, wo er auch wohnt und arbeitet, und soll sich nie in Zusammenrottungen und Verschwörungen gegen den Frieden und die Wohlfahrt der Nation verwickeln lassen, noch sich pflichtwidrig gegen die Unterbehörde betragen. Denn gleichwie Krieg, Blutvergießen und Verwirrung der Maurerei immer nachteilig gewesen sind, also sind von alters her Könige und Fürsten geneigt gewesen, die Mitglieder der Zunft ihrer Friedferkigkeit und Bürgertreue wegen, wodurch sie den bösen Leumund ihrer Gegner mit der That widerlegten, aufzumuntern und die Ehre der Brüderschaft zu befördern, welche immer zu Friedenszeiten blühte. Es sollen kein Privathaß, keine Streitigkeiten zur Thür der Loge hereingebracht werden, viel weniger irgend eine Streitigkeit über Religion oder Nationen oder Staatenverfassung, da die Maurer als solche bloß von der obenerwähnten allemeinen Religion sind. Auch sind sie von allen ationen, Zungen, Mundarten oder Sprachen und sind entschieden gegen alle Staatshändel, als welche nimmer noch der Wohlfahrt der Loge beförderlich gewesen sind, noch jemals sein werden. Nachdem auf diese Weise die Freimaurerbrüderschaft sich von einer Zunftgenossenschaft zu einer rein sittlichen und weltbürgerlichen Gesellschaft erhoben hatte, besaß dieselbe die Fähigkeit, sich über die ganze Erde zu verbreiten, wozu das Mutterland vermöge seiner Seeherrschaft und seiner Kolonien äußere Gelegenheit bot. Bereits 1725 ward eine Loge in Paris gegründet; 1729 wurde G. Pomeret zum Provinzialgroßmeister von Bengalen ernannt; 1733 errichtete die Große Loge von England eine Große Provinzialloge in Boston. Im J. 1730 gab der Großmeister von England die Erlaubnis, in Hamburg eine stehende Loge zu errichten, die aber erst im J. 1737 in Aktivität trat. Die 1740 in Berlin gegründete Loge erhob Friedrich II. 1744 zur Großen Loge, bis 1754 war er deren Großmeister. Im J. 1738 wurde in Dresden eine Loge eröffnet (doch reichen ihre Protokolle bloß bis 1741 zurück), sowie 1741 die jetzige Loge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig. In rascher Folge verbreitete sich der Bund über alle Länder der Erde, in denen sich Männer fanden, welche vermöge ihrer Bildung sich zu einem allgemein menschlichen und weltbürgerlichen Standpunkte zu erheben vermochten. Für die Ausbildung der Gesellschaftsformen entwickelte sich besonders in Frankreich und Deutschland ein reges Streben. Mancherlei geheime Gesellschaften suchten sich des Bundes zu bemächtigen und denselben für ihre Zwecke zu benutzen; auch Abenteurer und Schwärmer standen auf und bemühten sich, das Ziel zu verrücken und den Bund zum Spielwerk mittelalterlich-ritterlicher Romantik und wunderthätiger Gauklerkunst zu machen. Rosenkreuzer und Alchimisten, Schotten und Tempelherren, Jesuiten und Illuminaten trieben innerhalb der Freimaurerbrüderschaft ihr Wesen oder vielmehr Unwesen. Es bestand ein buntes Gewirr von Systemen, eine wunderliche Menge von immer höher steigenden Graden und ein wüstes Durcheinander von hitzig geführten Fehden, sodaß der Bund in Gefahr geriet, entweder sich selbst im Bruderkriege zu vernichten oder als ein ritterlichklerikalisch-romantisches Fastnachtsspiel sich in Rauch und Nebel aufzulösen. In diese Zeit fällt wahrscheinlich die Abfassung der sog. Kölner Urkunde, angeblich vom 24. Juni 1535. Ihr Zweck war, die Brüderschaft als einen geistlich-ritterlichen Orden, ausgestattet mit höhern Graden und regiert von höchsten auserwählten Meistern und einem erlauchten Patriarchen, darzustellen. Die Unechtheit dieser Urkunde ist jetzt außer Zweifel gestellt, besonders durch die gründlichen Untersuchungen von Kloß, Bobrik und Schwetschke. Gegen das Unwesen der mittelalterlichen Ordens- und mystischen Glücksritter, der b6b sih alsbal Kleriker und Systemverfechter erhob sich alsbald der gesunde und ernste deutsche Sinn: er führte die F. auf ihre ursprüngliche Einfachheit zurück und rettete sie dadurch vom völligen Verfall. Im J. 1783 bildete sich in Frankfurt a. M. und in Weßlar der 4&Eklektische Bund Sein Zweck war, die ursprüngliche Einfachheit des Ordens und die erloschene brüderliche Einigkeit wiederherzustellen und gleich jenen berühmten Weltweisen des Altertums, den Eklektikern, unter Beobachtung einer klugen Parteilosigkeit mit vereinten Kräften alles, was jenen Absichten hinderlich sein möchte, zu beseitigen. Als Hauptgrundsätze galten: die drei Johannisgrade allein als F. anzuerkennen und dieselbe von allem Sektengeiste und aller Schwärmerei zu befreien, die verschiedenen höhern Grade aber als Auswüchse zu verwerfen. So hatte der Bund in seinen gesellschaftlichen Worde und Gebräuchen seine alte Einfachheit und ürde bewahrt, und er konnte weiter zur Entwickelung und Darlegung seines innern Wesens schreiten. Es ist dies die Aufgabe des dritten Zeitraums der freimaurerischen Geschichte, welcher mit dem Beginn des 19. Jahrh. anfängt und noch nicht geschlossen ist. Man sucht jetzt die F. wissenschaftlich, Earndt geschichtlich wie philosophisch, zu begreifen und darzustellen. Es galt, alle ystifikation und alle Mythologie aus der reimaurerischen Geschichte zu entfernen und die reine, nüchterne Wahrheit zu erkunden. Es galt und gilt noch, das allumfassende Urbild des Maurertums zu erkennen und jede beschränkende und menschheittrennende Welt- und Lebensanschauung insoweit fern zu halten, daß ihr nicht irgend ein maßgebendes Ansehen innerhalb des Bundes eingeräumt werde. Große Verdienste um die Aufhellung der dunkeln Geschichte erwarben sich F. L. Schröder in Hamburg, mit ihm zugleich Moßdorf in Dresden, Schneider in Altenburg, Wedekind in Darmstadt. Zur philos. Erfassung war neben Feßler und Fichte besonders K. Chr. F. Krause vermöge der Tiefe seiner Anschauungen befähigt. In dem Werke „Die drei Kunsturkunden der F.» suchte derselbe dahin zu wirken, «daß jetzt die Brüderschaft in lichtvoller Erkenntnis ihres Urbegriffs und ihres Urbildes nach ihrem eigenen zeitgemäßen Musterbilde ihr drittes Lebensalter in einer völligen Wiedergeburt und Urgestaltung beginne, worin die Erhebung der Brüderschaft zu einem allgemein menschlichen Vereine, welche vom Anfang ihres zweiten Lebensalters 1717 mit der Stiftung der neuengl. Großloge in London ahnend begonnen wurde, nunmehr in klarem Schauen dadurch vollendet werde, daß sich die Brüderschaft zu einem neubelebten Anfange des alle Menschen umfassenden offenen und offenkundig wirkenden Menschheitsbundes erweitere und ausbildev. Diesen Anregungen gemäß begann ein neuer Geistesmorgen in der Logenwelt, und die Strahlen der Lessingschen und Herderschen allumfassenden Humanität fanden in allen Bauhütten mehr und mehr Eingang. In neuerer Zeit haben sich um die Aufhellung der maurerischen Geschichte Kloß in Frankfurt a. M., Keller in Gießen und Findel in Leipzig anerkannte Verdienste erworben. Des letztgenannten Zeitschrift „Die Bauhütte ward überdies der Mittelpunkt ideen⸗ und zeitgemäßer Weiterbildung des Bundes. Ihrer Anregung verdankt der 1860 gegründete, reformatorisch wirkende «Verein deutscher Freimaurer v und weiterhin der Deutsche Großlogenbund, eine Einigung der deutschen Großlogen, seine Entstehung, wie von * die Bewegung für Revision der maurerischen Verfassungen und Rituale, für Abschaffung der Geheimnisthuerei und der Censur, für Aufstellung eines allgemeinen Grundgesetzes und für erhöhte freimaurerische Werkthätigkeit und für Anerkennung der Großlogen Farbiger in den Vereinigten Staaten ausging. Die hier angebahnte Hebung der maurerischen Litteratur, die Läuterung des Bundes in Lehre, Ritus und Einrichtungen und die Steigerung geistigen Lebens hat sich von Deutschland aus den ausländischen Großlogen mitgeteilt und vielfach Erfolge erzielt; die Anerkennung der Farbigen in Amerika wird für die ganze soziale Stellung derselben von großer Bedeutung sein. Die Wirksamkeit des Freimaurerbundes ist eine zweifache: eine äußere, sichtbare und eine geistige, also unsichtbare. Die äußere Wirksamkeit besteht vornehmlich in Werken der Barmherzigkeit und der Menschenliebe, in der Pflege und Gründung wohlthätiger Institute, in der Förderung der Volksbildung und ähnlicher civilisatorischen Unternehmungen. Diese Seite der freimaurerischen Thätigkeit ist nicht ohne Bedeutung; sie hat manche Not gelindert, manche Thränen getrocknet und allenthalben reichen Segen gestiftet. Gleichwohl ist sie nicht die wesentlichste und wichtigste, als welche vielmehr die geistig-sittlicheYEinwirkung auf die Mitglieder und auf die Gesellschaft . bezeichnen ist „die Läuterung der Gesinnung, der stete Hinweis auf die ewigen Ideen des Wahren, Schönen und Guten, die Stärkung des Charakters, die Befreiung von Vorurteilen und niedrigen Leidenschaften, die Verbreitung von Licht und Humanität. Um seiner geistesfreien und humanen Grundsätze willen hat der Freimaurerbund seit seinem Bestehen Anfechtungen und Verfolgungen zu erdulden gehabt. Die Päpste haben wiederholt Verdammungsurteile gegen die F. ausgesprochen, so Clemens XII. (1738), Benedikt XIV. (1751), Pius VII., Leo XII. und neuerdings Pius IX. in der Allokution vom 25. Sept. 1865. Man kann nur sagen, daß diese Verurteilungen auf gänzlicher Unkenntnis der Geschichte und des Wesens des Maurerbundes beruhen. Der Freimaurerbund hat sich in neuerer Zeit bedeutend ausgebreitet; es entstand 1833 eine Großloge von Belgien, 1844 eine von Luxemburg, 1861 der Großorient von Italien, 1870 die Großloge von Ungarn in Pest, 1867 die von Neubraunschweig, 1862 der Großorient von Peru in Lima, ferner mehrere Großlogen in Amerika, die Großlogen von Uruguay, Haiti, Domingo, Colon, Liberia, Agypten und Tunis. So hat die F. gegenwärtig durch mehr als 8000 Logen in dem Boden der gesamten Menschheit Wurzel geschlagen und bei allen gebildeten Völkern der Erde Eingang gefunden. Es bestehen gegenwärtig gegen 100 Großlogen: 8 in Deutschland, 1 in der Schweiz, 1 in Italien, 3 in Ungarn, 1 in Luxemburg, 3 in Spanien, England, Schottland und Irland, 1 in den Niederlanden, 2 in Belgien, 2 in Frankreich, 1 in Dänemark, 1 in Schweden, 1 in Portugal, 47 lohne die Großlogen Farbiger) in den Vereinigten Staaten von Nordamerika u. s. w. Dabei ist noch zu bemerken, daß die Großloge von England 43 Provinziallogen in England und 32 in den Kolonien (besonders in Ostindien und Australien) hat; ebenso — die Großloge von Schottland 42 und die Großoge von Irland 19 Provinziallogen. Der Bund kann sich rühmen, mehrere der größten Geister und der edelsten Männer zu den Seinen zu zählen. In vielen Ländern gehörten und gehören Prinzen und Könige dem Bunde an und führten das Protektorat kraftvoll, indem sie das große Wort Friedrichs II. von Preußen (vom 14. Febr. 1777) beherzigten: „Eine Gesellschaft, welche nur arbeitet, damit alle Arten von Tugenden in meinen Staaten keimen und Früchte tragen, kann stets auf meinen Schutz rechnen. Dies ist die ruhmvolle Aufgabe jedes uten Fürsten, und ich werde nicht aufhören, dieselbe zu erfüllen. v Litteratur. Außer den Schriften von Kloß (d.) vgl. Feßler, «Sämtliche Schriften über F.⸗ (Freiberg 1805); 4Allgemeines Handbuch der F.» (2. Aufl. von Lennings 4Encyklopädie der F.», 3 Bde., Lpz. 1863 — 67, und Ergänzungsband 1879); Pilz (früher Fischer, später Zille), Freimaurerzeitungo (Lpz. 1847 fg.): Findel, Bauhütte⸗ (Lpz. 1858 fg.); derselbe, «Geschichte der F.» 6. Aufl., Lpz. 1883); derselbe, «Geist und Form der F. » (2. Nufl., Lpz. 1874); derselbe, «Schule der Hierarchie v(Opz. 1870); Merzdorf und Schletter (früher Meißner), KLatomia (Lpz. 1842 fg., eingegangen); Keller, 4Geschichte des eklektischen Freimaurerbundes » (Gießen 1857); derselbe, CGe⸗[ chichte der F. in Deutschland (Gießen 1859); Schauberg, „Vergleichendes Handbuch der Symbolik der F. (3 Bde., Schaffh. 1861—63); Rumpelt, Aus meiner Werkstättes (Dresd. 1873); Rob. Fischer, „Erläuterung der Katechismen der F.» (4 Bde., Lpz. 1872—75); Marbach, Agenden » (3 Bde., Lpz. 1874); derselbe, «Katechismusreden d (Lpz. 1874), Arbeiten am rohen Steiney (Lpz. 1862); Asträa. Taschenbuch für Freimaurer. Neue Folges (Lpz. 1882 fg.). Außerdem ist die Litteratur der F. reich an Fest⸗ und Gelegenheitsreden, poetischen Erzeugnissen (Löwe, «Den Brü-Schutz⸗ und Gegenschriften und an Zeitschriften in Osterreich, Ungarn, Amerika, Frankreich u. s. w. Unter den neuern geschichtlichen Werken verdient noch besonderer Erwähnung: Lyon, «History of Grand Lodge of Scotland and of Mary's Chapelo (Edinb.). Die Numismatik ist verzeichnet in Merzdorf, „Die Denkmünzen der Freimaurerbrüderschaft» (Oldenb. 1851) und die Bücherkunde in Kloß, 4«Bibliographie (Frankf. a. M. 1844) und den Nachträgen von Barthelmeß und Findel.