FeedFranz I. (Januarius Joseph)
GeschichteBrockhaus 1882

Franz I. (Januarius Joseph), König beider Sicilien, w1825—30, Sohn Ferdinands I. und der Erzherzogin Marie Karoline, einer Tochter der Kaiserin Maria Theresia, geb. 19. Aug. 1777 zu Neapel, wurde nach dem Tode seines ältern Bruders, Karl Titus, 1778 präsumtiver Thronfolger und vermählte sich 1797 mit der Erzherzogin Clementine, der Tochter Kaiser Leopolds II. (aus welcher Ehe die spätere Herzogin von Berri entsprang) und nach deren Tode 1802 mit der Infantin Maria Prinz ie der Tochter Karls IV. von Spanien. Der zrinz lebte infolge der Einnahme Neapels durch die Franzosen am Hofe seines Vaters zu Palermo und zeigte sich damals aus Opposition gegen sielt. Mutter, die ihn von Staatsgeschäften fernhielt, konstitutionellen Ideen zugeneigt. Nach der Ent-Bater der Mutter aus Sicilien ernannte ihn sein ater 12. Jan. 1812 zum Alter ego und Generallieutenant des Reichs, und in dieser Stellung gab er unter dem Einflusse des brit. Admirals Bentinck den Siciliern eine neue Verfassung und berief auch ein Parlament. Als Bentinck im Nov. 1813 die Cohn verließ, entkleidete König Ferdinand den ohn sofort wieder der Würde und löste das Parlament auf. Nach der Restauration von 1815 kehrte der Prinz mit dem Hofe nach Neapel zurück, wurde aber von seinem Vater, nachdem ihm der Titel eines Herzogs von Calabrien verliehen worden, 1816 als Gouverneur wieder nach Sicilien ge-Berde in welcher Stellung er durch eine leidliche erwaltung die öffentliche Meinung für sich gewann. Beim Ausbruch der Revolution in Neapel 1820 abermals zum Alter ego seines Vaters ernannt, schloß er sich vollständig der Bewegung an, beschwor 13. Juli die span. Cortesverfassung und rief für den 1. Okt. das Parlament zusammen, während er zur Unterwerfung Siciliens den populären General Pepe abschickte. Nachdem jedoch die Osterreicher unter Frimont 26. März 1821 die Hauptstadt Neapel besetzt hatten „entfernte er sich nach Caserta und lebte seitdem in Zurückgezogenheit, bis ihn der Tod seines Vaters 4. Jan. 1825 auf den Thron rief. Man hatte gehofft, er werde in Rücksicht auf seine Vergangenheit ein liberales und reformatorisches Regiment beginnen. Aber er begab sich als König ganz in die Abhängigkeit von OÖsterreich und verschlimmerte die innern Zustände nur durch seine schlechte, grausame und thatenlose Regierung. Als die Osterreicher allmählich das Land verließen, suchte er sich auf seine Schweizersöldner zu stützen. Sein des Lesens unkundiger Kammerdiener verkaufte die Amter; Denunziation und die Mißhandlung Verdächtiger waren an der Tagesordnung. Im Herbst 1829 unternahm er eine Reise durch Italien und Frankreich, um dem Könige Ferdinand VII. von Spanien seine Lieblingstochter, Marie Christine, als Gemahlin zuzuführen, begab sich dann wieder nach Frankreich an den Hof Karls X. und starb einige Monate nach seiner Rückkehr zu Neapel 8. Nov. 1830. Aus seiner zweiten Ehe hinterließ er sieben Töchter und fünf Söhne, von denen ihm der älteste als Ferdinand II. (s. d.) auf dem Throne folgte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 159Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6