FeedFriedrich II.
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich II., röm.⸗deutscher Kaiser, König von Jerusalem und Sicilien, geb. zu Jesi in der Mark Ancona 26. Dez. 1194, war der Sohn Heinrichs VI. und der normann. Prinzessin Constantia, Erbtochter Siciliens diesseit und jenseit des Faro, und ein Enkel Kaiser Friedrichs I. Constantia, nach Heinrichs Tod 1197 von Parteiungen bedrängt und den Deutschen abgeneigt, wandte sich an Papst Innocenz III., erbat die Belehnung mit Sicilien, welche Heinrich VI. nicht als rechtlich begründet anerkannt hatte, und erkaufte die Krönung des vierjährigen Knaben mit Aufopferung der wichtigsten Kirchenrechte. Als dann auch sie schon 27. Nov. 1198 starb, übertrug sie die Vormundschaft dem Papste. Mitten unter stürmischen Parteikämpfen erwuchs F., bis er 1208 die Regierung selbst antrat und sich im folgenden Jahre mit der 10 J. ältern Constantia von Aragonien in Hoffnung auf span. Hilfe vermählte. Er befestigte seine Herrschaft mit unerwarteter Klugheit und Festigkeit, auch dem aönas gegenüber. Die schon 1196 erfolgte deutsche zönigswahl war folgenlos geblieben; als aber Otto IV. 1210 in Kampf mit dem Papste geriet und auch in n Königreich einfiel, konnte Innocenz, so unlieb ihm auch die Verbindung Siciliens mit Deutschland war, nur F. als Gegenkönig aufstellen, und entließ ihn 1212 auf die Einladung der deutschen Fürsten, welche von Otto abgefallen waren. Freudig von den Anhängern seines Hauses empfangen, gewann F. bald die Übermacht, und als Otto 1214 bei Bouvines von dem mit F. verbündeten Frankreich geschlagen war, wurde F. allgemein anerkannt und 1215 zu Aachen gekrönt, wo er aus freien Stücken das verhängnisvolle Gelübde des Kreuzzugs ablegte. Versprochen hatte er auch dem Papste, das sicil. Reich seinem Sohne Heinrich (VII.) zu übergeben, aber 1220 wurde der Knabe auch zum deutschen König gewählt, und es gelang nun F., den Papst Honorius III. zur Einwilligung zu bestimmen, daß er selbst das Erbreich behalten durfte, dessen Ordnung er sich nun nach Empfang der Kaiserkrone (1220) ganz widmete, wie er auch 1224 in Neapel eine Universität errichtete. 8 Ausführung des schon einmal verschobenen Kreuzzugs berief er 1226 einen Reichstag nach Cremona, aber die lombard. Städte, welche sich während des Thronstreits aller Unterordnung entzogen hatten, glaubten sich dadurch bedroht und erneuerten ihren Bund. Honorius III. vermittelte den Frieden, und 1227 schiffte sich der Kaiser zu Brindisi ein, kehrte aber, von Krankheit ergriffen, wieder um. Der neue Papst Gregor IX. ein leidenschaftlicher Feind F.s, sah darin nur bösen Willen und Hencheler sprach den Bann aus und hob diesen auch nicht auf, als F. 1228 wirklich den Kreuzzug antrat. F. hatte sich mit Isabella, der Tochter des Titularkönigs von Jerusalem, Johann von Brienne, vermählt und trat deshalb als Herr des Landes auf. Der Papst aber gebot dem Patriarchen von Jerusalem und den drei Ritterorden, dem Kaiser nicht zu gehorchen. Trotzdem gelang es F., mit seinem Heere, dem sich die Ritter des Deutschen Ordens treu anschlossen, bis Joppe vorzudringen und den Sultan Kamel zu einem zehnjährigen Waffenstillstande und zu einem Vertrage zu bewegen, demzufolge nicht nur Jerusalem und die heiligen Städte, sondern auch Sidon und die alte Pilgerstraße von Akkon nach Jerusalem mit den daran gelegenen Ortschaften dem Kaiser abgetreten wurden. Jerusalem, wo F. sich 18. März 1229 selbst die Krone aufsetzte, da kein Priester in Gegenwart des gebannten Kaisers auch nur Messe lesen wollte, wurde vom Patriarchen mit dem Interdikt belegt. Nur die deutschen Pilger hielten treu zum Kaiser. F. hatte so sein Gelübde erfüllt. Eilig kehrte er nach Unteritalien zurück, das indes der Papst durch den treulosen Johann von Brienne hatte erobern und verwüsten lassen, und eroberte sein Erbland wieder. Allgemein war die Entrüstung über das Verhalten des Papstes, der nun nicht umhin konnte, unter Vermittelung Leopolds von Ssterreich und anderer Fürsten 1230 den Frieden von San-Germano mit F. zu schließen und den Bann aufzuheben. F. ließ jetzt für sein Erbland ein Gesetzbuch (Constitutiones Siculae) veröffentlichen, welches seiner Zeit weit vorausgeeilt und wegen der weit ausgedehnten staatlichen Autorität dem Papst ein Greuel war. Dieser war jetzt ohnmächtig, aber die lombard. Städte erneuerten ihren Widerstand; der Papst, welchen jetzt F. selbst gegen seine rebellischen Unterthanen unterstützen mußte, vermittelte, als der junge König Heinrich, schon früher unzuverlässig, sich offen empörte und mit den lombard. Städten verbündete. F. eilte nach Deutschland, und auf dem Reichstage zu Mainz 1235 wurde Heinrich förmlich abgesetzt und mit Weib und Kind auf das Schloß San-Felice in Apulien in lebenslängliche seme gebracht. Statt Heinrich bestimmte nun F. einen zweiten Sohn Konrad IV. zum Nachfolger; zugleich feierte er mit großem Glanze und geräuschvollen Festlichkeiten seine dritte atetgeren 2 mit sabella von England. Hierauf rüstete er zu Augsurg 1236 gegen die Lombarden ein ansehnliches Heer, das, durch die Hilfstruppen Ezelins und der hibellinisch (kaiserlich) gesinnten Städte Oberitaiens verstärkt, den glänzenden Sieg bei Cortenuova am Oglio (27. Nov. 1237) errang, der die Unterwerfung aller lombard. Städte mit Ausnahme von Mailand, Bologna, Piacenza und Brescia zur Folge hatte; aber die Verhandlungen mit diesen blieben erfolglos. Inzwischen war der Papst durch F.s wachsende Erso ge besorgt worden; schon unterstützte er heimlich die lombard. Rebellen; dann beleidigte 14 F. durch die Ernennung seines Sohnes Enzio (s. d.) zum König von Sardinien, auf das er selbst im Namen der Kirche Ansprüche machte. Deshalb sprach Gregor am Palmsonntage 1239 den Bann von neuem gegen F. aus. Der Kaiser aber setzte entschlossen den Kampf gegen die Lombarden fort, gewann 1241 durch König Enzio einen Seesieg über die genues. Flotte, auf welcher sich die vom Papst zu einem Konzil berufenen franz. Prälaten befanden, und bemächtigte sich selbst des Kirchenstaats. Vor Rom machte er Halt, weil Gregor IX. starb; der nach diesem erwählte Cölestin IV. starb bald, und erst nach 18 Monaten konnten die Kardinäle sich zur Wahl Innocenz' IV. einigen. Mit diesem, der fabe dem Kaiser nicht feindlich zu sein schien, wurde unterhandelt, aber plötzlich entfloh er über Genua nach Lyon und zeigte sich nun als unversohnlichster Feind des Kaisers. Er erneute den Bannfluch und berief ein ökumenisches Konzil nach Lyon (1245), wo die Absetzung des Kaisers ausgesprochen wurde, trotz der beredten Verteidigung durch dessen Hofrichter Thaddäus von Suessa und obwohl nur wenige deutsche Prälaten anwesend waren. Mit Mühe gelang es, durch einige Fürsten Heinrich Raspe von Thüringen als Gegenkönig aufzustellen, der mit Kirchengeldern reichlich unterstützt wurde. Er war bei Frankfurt 5. Aug. 1246 siegreich gegen König Konrad, starb aber schon 1247, worauf Wilhelm von Holland gewählt wurde. Der Kaiser bedrohte inzwischen Innocenz IV. in Lyon, wurde aber a Deincrmne durch den Verlust von Parma, dessen Belagerung 1248 durch den Überfall des kaiserl. Lagers und die Zerstörung der von ihm erbauten Stadt Vittoria mißlang. Sein Sohn Enzio, von den Bolognesern besiegt, wurde ohne Aussicht auf Befreiung von diesen gefangen gehalten. Der Kanzler Petrus de Vinea nahm an einer Verschwörung gegen F. teil. Nur noch einmal nahmen die Angelegenheiten in Oberitalien eine für F. gunstigere Wendung. Die Ghibellinen gewannen die Oberhand, und F. würde vielleicht Innocenz besiegt haben, wenn ihn selbst nicht 13. Dez. 1250 ein Sohn Konrad IV. (s. d.). — dessen Haupt sechs Kronen (die röm. Kaiserdie deutsche Königskrone, die eiserne der Lombarden, die von Burgund, Sicilien und Jerusalem) eziert hatten, war kühn, hochgesinnt, tapfer, toerant gegen Andersgläubige und freisinnig. Diese dem hohenstaufischen Hause gleichsam nessihen Eigenschaften vereinigte er überdies mit trefflichen Anlagen und Kenntnissen und mit Liebe zu Kunst und Wissenschaft. Er verstand sämtliche Sprachen seiner Unterthanen, Griechisch, Lateinisch, Italienisch, Deutsch, Französisch und Arabisch, war in allen Arten ritterlicher Uübungen wohlerfahren, ein Kenner der Naturgeschichte und ein Dichter zarter Liebeslieder in der zuerst durch ihn zur Schriftsprache erhobenen ital. Volkssprache. Bald leidenschaftlich, rasch und streng, bald mild und freigebig, dabei üppig und lebensfreudig, war er seinem ganzen Wesen nach mehr Italiener als Deutscher. Sein Erbland bildete allein den festen Boden seiner Herrschaft, die hier auch bis an sein Ende fast unerschüttert blieb; hier hat er durch seine Gesetzgebung und Verwaltung das Muster eines wohlgeordneten Staats gegeben. In Deutschland fand er die Fürstenmacht schon fest begründet; um die Wahl seines Sohnes Heinrich zu erreichen, gab er 1220 den geistlichen Fürsten neue große Privilegien, und 1232 auch den weltlichen, um sie von dem jungen König Heinrich abzuziehen. Der Kampf mit der röm. Kurie hinderte ihn dann, in Deutschland eine Wirksamkeit zu gewinnen. Das Kaisertum war nach ihm nur noch ein leerer Name; das Papsttum blieb siegreich, um 50 Jahre später im Kampf mit dem franz. König um so tiefer zu stürzen. Vgl. Schirrmacher, «Kaiser F. II. » (4 Bde., Gött. 1859—65); Winkelmann, „Geschichte Kaiser F.s II. und seiner Reiche (Bd. 1, Berl. 1863; Bd. 2, Abteil. 1, Reval 1865); A. del Vecchio, La legislazione di Federico II Imperatore (Tur. 1874); Böhmer, «Regesta imperii. 1198—1272 (neu bearbeitet von Ficker, Innsbr. 1881 fg.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 316Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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