FeedFerdinand I.
GeschichteBrockhaus 1882

Ferdinand I., König beider Sicilien von 1759 bis 1825, geb. 12. Jan. 1751, der dritte Sohn König Karls III. von Spanien, folgte seinem Vater, als dieser 1759 den span. Thron bestieg, zufolge des Statuts, das die Vereinigung beider Kronen verbot, auf dem Throne von Neapel indem ihm während seiner Kerirke des Mare ein Regentschaftsrat unter dem Vorsitze des Marchese Tanucci, vormaligen Professors der Rechte zu Pisa, beigegeben ward. Durch seine Leutseligkeit war er schon der Liebling des Volks geworden, als er unter dem Namen F. IV. 12.Jan. 1767 die Regierung übernahm, worauf er sich 1768 mit Marie Karoline, der Tochter der Kaiserin Maria Theresia, vermählte, die in kurzer Zeit einen entscheidenden Einflu über ihn ewann. Unter dem der Königin ganz ergebenen Minister Acton (s. d.) verlor seit 1784 das madrider Kabinett allen Einfluß auf das von Neapel, welches sich mehr an Osterreich und England anschloß und daher auch 1793 der Koalition gegen Frankreich beitrat. Obschon einer der heftigsten Gegner der Französischen Revolution, sah sich F. doch genötigt, 179 mit der Französischen Republik Frieden zu schließen die ihm, als er 1798 von neuem der Koalition geger Frankreich sich anschloß, den Krieg erklärte. Ei danz. Heer unter dem General Championnet rückt in raschem Siegeslauf in Neapel ein, wo, nachden der König bereits 24. Dez. 1798 nach Palermo ge flüchtet war, 23. Jan. 1799 die Parthenopeische N publik proklamiert wurde. Doch schon 21. Jun 1799 fiel die Hauptstadt infolge einer Gegenrevolu tion wieder in die Gewalt des Royalistenheers un ter dem Kardinal Ruffo, und es folgte nun eine strenge Untersuchung unter Speciales Leitung gegen die Anhänger der neuen Republik, von denen viele 55 nach R. wurden. Erst im Jan. 1800 kehrte der Hof nach Neapel zurück und erlangte durch Spanien mit dem Ersten Konsul einen Vertrag, durch welchen, allerdings unter demütigenden Bedingungen, die Integrität des Königreichs Neapel und Sicilien gesichert wurde. Als nun aber gegen die im Friedensvertrage eingegangene Bedingung, den gegen Frankreich Krieg führenden Mächten keine Landung zu gestatten, im Nov. 1805 eine russ.⸗engl. Flotte vor Neapel erschien und 11000 Russen landete, ließ Napoleon I. das Land besetzen, worauf die königl. Familie abermals 1806 nach Sicilien flüchten mußte. Hier behauptete sich F. zwar mit Hilfe der Engländer, übergab jedoch, als zwischen der Königin und dem engl. Kabinett 1809 eine Spaltung eingetreten war, seinem Sohne Franz die Regierun „die er erst im Dec. 1811, nachdem die Königin sich nach Wien begeben, wieder übernahm. Durch den Wiener Kongreß in allen seinen Rechten als König von Sicilien anerkannt, obgleich Murat (s. d.) noch im Besitze Neapels war, zog er nach dessen Flucht 17. 1815 in Neapel ein und vereinigte hierauf 12. Dez. 1816 seine sämtlichen Staaten diesseit und jenseit der Meerenge in ein Königreich, das Königreich beider Sicilien, als dessen König'er sich F. I. nannte. Seine Gemahlin war 8. Sept. 1814 gestorben; noch in demselben Jahre hatte er sich mit der verwitweten Prinzessin von Partana vermählt, die er 1815 zur Herzogin von Floridia ernannte. Infolge der Revolution von 1820 mußte er die span. Konstitution von 1812 einführen, die er auch beschwor, aber 1821 mit Hilfe österr. Waffen wieder aufhob. Wie er nun auf der einen Seite eifrigst bemüht war, die Carbonari zu unterdrücken, so machte er sich andererseits durch Vertreibung der Jesuiten, Aufhebung überflüssiger Klöster und wohlthätige Reformen im Staatshaushalte um sein Land verdient. Er starb 4. Jan. 1825. (S. Sicilien, Königreich beider.) Ihm folgte sein Sohn Franz I., geb. 19. Aug. 1777, gest. 8. Nov. 1830, welcher Ferdinand II. (. d.) zum Nachfolger hatte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 683Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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