Französisch-Osterreichischer Krieg von 1805 (Krieg der dritten Koalition). Noch vor Narung der Räumung Maltas zwischen Frankreich und England Krieg ausgebrochen; Hannover wurde darauf von franz. Truppen besetzt, auch unmittelbar nach der Krönung zu Mailand die Ligurische Republik mit Frankreich Departements Apennines, Genua, Montenotte) vereinigt und die Republiken Lucca, Batavien und Schweiz wurden abhängige Schutzstaaten Frankreichs. Am 21. Juli 1805 befahl Napoleon die Einverleibung von Parma und Piacenza. Die Friedensverträge von Luneville und Amiens waren durch diese Rechtsverletzungen gebrochen, und es traten dem von England angebotenen Bündnisse gegen das die Ruhe Europas beständig bedrohende Frankreich zuerst Schweden, dann Rußland und zuletzt Osterreich bei, während Preußen neutral blieb. Ssterreich verpflichtete sich 300000 Mann, Rußland 180000 Mann, Schweden 15000 Mann ins Feld zu stellen, England sagte Subsidien, sowie die Mitwirkung seiner Streitkräfte zu Land und zur See zu; außerdem rechnete man auf Unterstützung durch sardin. und neapolit. Truppen. Andererseits schloß Frankreich 24. Aug. einen Bündnisvertrag mit Bayern und bald darauf auch mit Baden, Württemberg und Nassau, auch erzwang Napoleon die Neutralität Neapels, wodurch das Korps des Generals Gouvion Saint-Cyr verfügbar wurde. Die gegen Frankreich verbündeten Mächte hatten sich über folgenden allgemeinen Operationsplan geeinigt. Von Korfu und Malta aus sollten 30000 Russen und Engländer nach Neapel geschafft werden, die Franzosen aus Unteritalien vertreiben und nach der Lombardei vorrücken. Das österr. Heer sollte von der Etsch her Mantua und Peschiera angreifen und nach Eroberung dieser Plätze in die Schweiz einrücken, wohin gleichzeitig andere Korps aus Tirol und Vorarlberg vordringen sollten; die in der Schweiz vereinigten österr. Streitkräfte waren sodann für einen Cmsall in die Franche-Comté bestimmt, bei welchem man auf die Mitwirkung der sardin. und neapolit. Truppen rechnete. Die in Süddeutschland stehenden österr. Korps sollten am Lech das Eintreffen eines russ. Heeres erwarten und vorher sich lediglich auf die Verteidigung des Donauthals beschränken. Ein anderes russ. Heer sollte durch Pommern gegen Hannover vorgehen und unterwegs durch 15000 bei Stralsund gelandete Schweden verstärkt werden. Zu Anfang September standen von den Ssterreichern an der Etsch 64000 Mann unter dem Erzherzog Karl, in Venedig 4200 Mann, in Südtirol unter Feldmarschalllieutenant Hiller 17000 Mann, welche dem Erzherzog Karl ebenfalls zugewiesen waren; ferner in Nordtirol und Vorarlberg 24000 Mann, welche später noch verstärkt wurden, unter Erzherzog Johann, in Süddeutschland 70000 Mann bei Wels unter Befehl des Kaisers Franz I., denen noch 20000 Mann aus dem Innern des Reichs zuzogen. Das in Deutschland stehende Heer ging Mitte September bei Braunau und Schärding über den Inn, rückte über München und Landshut gegen die Iller vor und erreichte Dein Ende September Ingolstadt, Burgau, Ulm, Dietmannsried, Kempten und Kaufbeuren, das Nordufer des Bodensees und die Gegend von Sigmaringen; das Hauptquartier befand sich in Mindelheim. Kaiser Franz I. begab sich 26. Sept. nach Wien zurück und übergab dem Erzherzog Ferdinand den Oberbefehl auf dem deutschen Kriegstheater, jedoch mit großen Einschränkungen zu Gunsten des Generalquartiermeisters Freiherrn Mack. Dieser erwartete den Anmarsch der Franzosen durch den Schwarzwald und wollte in der für das nur 60000 Mann starke Heer viel 0 ausgedehnten Stellung bis zum Eintreffen der Russen verbleiben. Das 30000 Mann starke russ. Heer unter Kutusow traf jedoch erst gegen Ende Oktober am Inn ein, da sein Anmarsch durch das 15 Kacgt Preußens verzögert wurde. Als Napoleon Ende August die Gewißheit erlangt hatte, daß die Osterreicher binnen kurzer Frist den Inn überschreiten würden, brach er von Boulogne mit dem in den Lagern am Kanal stehenden, ursprünglich gegen England bestimmt gewesenen Truppen in Eilmärschen nach Deutschland auf. Die Korps von Marmont und Bernadotte vereinigten sich, von der fang Ot Küste und aus Hannover kommend, zu Anfang Oktober bei Würzburg, die Korps von Davoust, Soult, Lannes und Ney, die Reservekavallerie unter Murat, die Garden unter Mortier und Bessieres trafen vom Kanal her bereits vom 20. bis 24. Sept. bei Mannheim, Landau und Straßburg am Rhein ein und fanden dort das bayr. Korps unter Deroy und Wrede vor. Napoleon verfügte sonach zu Anfang Oktober in Süddeutschland über 167000 Mann Infanterie und 33000 Reiter und zwar waren dies die Kerntruppen Frankreichs, welche in Man auf taktische Ausbildung, Ausrüstung und Mannszucht durch den langen Aufenthalt in den Lagern an der Küste als musterhaft gelten durften. Am 23. Sept. erfolgte die Kriegserklärung an Ssterreich, am 25. überschritt die franz. Hauptarmee den Rhein, am 6. Okt. standen bereits Ney bei Giengen, Soult, Lannes, Murat nebst den Garden bei Nördlingen, Davoust bei Sttingen, Bernadotte unter Verletzung der preuß. Neutralität (Marsch durch Teile des Fürstentums Ansbach) mit Marmont bei Gunzenhausen und Spalt. Bei Donauwörth, Ingolstadt und Neuburg gingen franz. Kolonnen über die Donau, nachdem das Korps Kienmayer dort zurückgeworfen und vom österr. Hauptheere abgedrängt war, besetzten Augsburg und München und schnitten der zwischen Ulm und Günzburg stehenden österr. Armee die Verbindung nach dem Inn ab. Im österr. Hauptquartier fehlten alle Nachrichten über die Bewegungen des feindlichen Korps; am 8. Okt. wurde die Division Auffenberg bei Wertringen während des Marsches überraschend von Murats Reiterei und der Grenadierdivision Oudinot angegriffen und erlitt schwere Verluste, tags darauf nahmen die Franzosen die Brücke von Günzburg durch Überfall. Auf beiden Stromufern wurde das österr. Heer eingeschlossen, während Bernadotte und das bayr. Korps nach München, Marmont und die Garden nach Augsburg vorrückten. Am 11. Okt. errangen die Osterreicher unter Schwarzenberg nördlich von Ulm bei Haßlach und Jungingen einige Vorteile, das Korps Jellachich gelangte am 13. auf dem rechten Donauufer bis Ochsenhausen, das Korps Werneck rückte mit der Reserveartillerie nach Heidenheim ab und das Korps Riesch auf der grundlosen Uferstraße nach Elchingen. Da ging im österr. Hauptquartier die Nachricht ein, die Engländer hätten Boulogne genommen, Preußen sei im Begriff, am Kriege gegen Frankreich teilzunehmen und Napoleon wolle die Armee nach Frankreich zurückführen. Mack stellte darauf hin die Bewegungen, welche den Abzug des Heeres von Ulm bezweckten, ein, und das Korps Riesch wurde am 14. Okt. von Ney bei Elchingen (s. d.) mit großem Verluste geschlagen. Die franz. Garden und Nansoutys Kürassiere rückten hierauf nach Burgau, Marmont nach Dudom Soult nach Memmingen, die Division Dupont nach Albeck; Napoleons Hauptquartier wurde nach Oberelchingen verlegt. Die Einschließung des österr. Heeres war somit am Abend des 14. Okt. vollendet, doch entkam der Erzherzog Ferdinand mit Schwarzenberg an der Spitze von 11 Schwadronen noch über Geislingen. Am 15. erstürmten die Franzosen den Michaelsberg und warfen die Osterreicher nach Ulm hinein, welches am 16. beschossen wurde, am 17. Okt. kapitulierte Mack dort mit noch 24000 Mann und streckte am 20. die Waffen, ebenso ergab sich die Besatzung von Memmingen an Soult. Das Korps Jellachich gelangte von der Ill glücklich nach Vorarlberg, dagegen wurde das Korps Werneck mit der Reserveartillerie nach mehrern Gefechten am 18. bei Trochtelfingen, sowie der Armeetrain bei Bopfingen fangen genommen. Nach der Kapitulation von Ulm sendete Napoleon unverzüglich das Korps Soult gegen den Rrn und ließ den Erzherzog Ferdinand durch die Divisionen Oudinot und Nansouty verfolgen, doch zog der Erzherzog Teile des Korps Werneck und von Bopfingen entkommene Artillerie an sich, lieferte der franz. Kavallerie bei Wallerstein am 17. ein glückliches Gefecht und erreichte nach einem weitern Gefechte bei Eschenau am 23. Okt. die böhm. Grenze bei Eger; doch war die meiste Infanterie und Artillerie unterwegs liegen geblieben. Der üble Ausgang des Feldzugs in Süddeutschland bestimmte den Erzherzog Karl, an der Etsch stehen zu bleiben und sich dort zu befestigen; 4155 gegenüber stand Massena bei Verona und entschlo sich, anzugreifen. Am 29. Okt. überschritt Massena die Etsch bei Castelvecchio und Pescantina, griff den österr. rechten Flügel an, wurde jedoch in dreitägiger Schlacht bei Caldiero (s. d.) besiegt und zog nach Verona ab. Erzherzog Karl war durch die allgemeine Kriegslage genötigt, auf die Ausnutzung des Siegs zu verzichten, zog sich über die Brenta, Piave, den Tagliamento und Isonzo unter Gefecht zurück und vereinigte sich 26. Nov. bei Gonobitz und Windisch-Feistritz mit den unter Erzherzog Johann aus Tirol abgezogenen Truppen; sein Heer wuchs dadurch auf 80000 Mann an. Massena folgte bis Laibach und besetzte Triest. In Norddeutschland rückte ein in Pommern gelandetes 15000 Mann starkes Korps unter Tolstoi, zu welchem von Stralsund her schwed. Truppen stießen, im Oktober durch Mecklenburg or Hannover vor, auch sollte ein engl.⸗deutsches Korps in der Weser landen. Preußen begann sein Heer zu mobilisieren und stand im Begriff, dem Bunde gegen Frankreich beizutreten, da die Neutralität seines Gebiets auf Napoleons ausdrücklichen Befehl verletzt worden war (in Ansbach). Hierdurch wäre die Kriegslage für die Franzosen eine sehr gefährliche geworden, da Preußen mit 150000 Mann im Felde erscheinen konnte. Napoleon entschloß sich deshalb, durch eine energische Offensive in der Richtung auf Wien Osterreich niederzuwerfen, bevor die preuß. Rüstungen beendigt waren. Bei der franz. Armee in Süddeutschland waren das Korps Augereau aus Frankreich, sowie die Kontingente von Württemberg und Baden als Verstärkung eingetroffen; dieselbe stand zwischen Lech und Isar, doch war Tirol noch von den Osterreichern besetzt. Zur Sicherung seiner rechten Flanke ließ Napoleon drei Armeekorps nach Salzburg, Tirol und Vorarlberg einrücken, da er in der Front zunächst wenig zu besorgen hatte; denn am Inn standen erst 30000 Russen unter Kutusow, zu denen 20000 Osterreicher unter Kienmayer von Braunau her stoßen konnten, und die nachrückenden russ. Verstärkungen waren noch weit zurück. Am 5. Nov. wurde Innsbruck von den Franzosen besetzt, am 10. kapitulierte die österr. Besatzung von Kufstein, worauf Erzherzog —1. das Innthal räumte und den Brenner besetzte; dann auch diese Stellung aufgab und, vereint mit den Truppen aus Südtirol, durch das Pusterthal abzog und 26. Nov. sich mit dem Heere des Erzherzogs Karl in Kärnten vereinigte. Die österr. Truppen in Salzburg unter Chasteler verteidigten zunächst mit Erfolg den Paß Lueg und den Strubpaß, zogen dann über Werfen ins Murthal und stießen ebenfalls zum Heere des Erzherzogs Karl. Nur das Korps Jellachich hatte zu lange gezögert, aus Vorarlberg abzurücken, und ergab sich, nur noch 4000 Mann stark, am 14. Nov. bei Dornbirn an Augereau; eine Brigade (Prinz Rohan) dieses Korps gelangte zwar aus dem Oberinnthale durch den Vintschgau und über Bozen, wo dieselbe die franz. Division Loison schlug, ins Thal der Brenta, wurde aber bei Castelfranco von Truppen Saint-Cyrs umzingelt und nach heldenmütigem Widerstande gefangen genommen. Die Hauptmacht Napoleons überschritt den Inn in den letzten Tagen des Oktober, rückte rechts der Donau über Wels und Linz vor und ging 4. Nov. über die Enns, während die österr. Infanterie unter Merveldt sich vom Heere Kutusows trennte und nach Steiermark marschierte. Napoleon ließ ünte Divisionen unter Mortier bei Linz auf das linke Donauufer übergehen, um Kutusow, bei welchem sich noch die österr. Kavallerie unter Kienmayer befand, den Rückzug abzuschneiden; doch zog sich dieser nach den Gefechten bei Amstetten und Kemmelbach nach dem linken Ufer zurück, schlug 11. Nov. Mortier bei Dürnstein und marschierte sodann nach Mähren ab. Am 13. Nov. Dequng de in Wien ein, während Marmont zur Deckung der rechten Flanke über Altenmarkt und Eisenerz nach Gratz entsendet wurde und Davoust 8. Nov. bei Mariazell die erschöpfte Infanterie Merveldts schlug. Wien war von der Besatzung (13000 Mann unter Auersperg) bei Annäherung der Franzosen geräumt und die dortige Donaubrücke nicht ½½ worden, sodaß sogleich lund⸗ Armeekorps nebst Murats Reiterei auf das linke Stromufer übergehen konnten. Ein Angriff dieser Truppen auf die russ. Nachhut wurde jedoch von Bagration bei Wolkersdorf, Hollabrunn und Guntersdorf abgewiesen. Am 17. Nov. vereinigte sich Auersperg mit Kutusow, welcher auf Olmütz marschierte, am 17. durch das russ. Korps Buxhoevdens verstärkt wurde und 22. Nov. eine Stellung bei Olschan bezog, wo 24. Nov. auch die russ. Garden unter dem Großfürsten Konstantin eintrafen. Die Kaiser Franz und Alexander befanden sich bei dem Heere, Kutusow führte den Oberbefehl über dasselbe. Man beschloß, Napoleon in der Stellung bei Brünn anzugreifen und eine Hauptschlacht zu liefern. Am 28. Nov. kam es zu einem geringfügigen Zusammenstoße bei Wischau und am 2. Dez. zur dene Heer der We bei Austerlitz (s. d.); das geschlaene Heer der Verbündeten zog nach der March ab. Inzwischen war das Heer des Erzherzogs Karl durch Ungarn bereits nahe genug herangerückt, um in die weitern Operationen eingreifen zu können, auch hatte Erzherzog Ferdinand in Böhmen Truppen gesammelt und glückliche Gefechte gegen Baraguay d'Hilliers und die Bayern unter Wrede geliefert; doch schloß Osterreich 6. Dez. Waffenstillstand und eröffnete am folgenden Tage Friedensverhandlungen zu Nikolsburg, während die Russen durch Schlesien abzogen. Napoleon schloß mit Preußen 15. Dez. zu Wien, mit Osterreich zu Preßburg Friede; die preuß. Armee, welche völlig kriegsbereit, aber nicht zum Kampfe gekommen war, wurde demobil 24. Jan. 1806, während das franz. Heer kampfbereit in Süddeutschland stehen blieb. Die Gunst des Augenblicks, welcher die Entscheidung in Preußens Hand gelegt und fast sichern Erfolg gewährleistet hatte, war durch die zögernde Politik der preuß. Staatsmänner ungenützt verstrichen, und der Rückschlag hiervon lähmte Volk und Heer. Preußen trat an Bayern Ansbach gegen eine Geldentschädigung, an Frankreich Kleve und Neuenburg ab, erhielt dagegen Hannover. Ssterreich trat Venedig, Dalmatien, Tirol, Vorarlberg ab und empfing Salzburg und Berchtesgaden. Nur im südlichsten Teile von Italien dauerte der Kampf noch bis zum Ende des Jahres 1806 fort. Dort waren im Nov. 1805 engl. und russ. Truppen bei Neapel ans Land gesetzt und von der Bevölkerung als Befreier empfangen worden; doch besetzten die Franzosen bereits im Febr. 1806 das gesamte Festland wieder, sodaß König Ferdinand sich auf Sicilien beschränkt sah. Die Russen zogen darauf wieder ab, die Engländer landeten dagegen in Calabrien und führten dort den kleinen Krieg bis zum Jahresschlusse gegen die franz. Garnisonen.