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ErdkundeBrockhaus 1882

Die über die Stadt Szegedin (s. d.) im Frühjahr 1879 hereingebrochene Katastrophe liefert den Beweis, zu welchen Folgen systemlos erbaute D. mit ungenügender Vorlandbreite, Bahndämme mit zu engen Brücken, Durchstiche unzureichenden Profils im obern Lauf des Flusses ohne Fortsetzung im untern Teile angelegt, führen können. Von 6000 Häusern blieben infolge eingetretener Dammbrüche 314 unversehrt. Zu eingehenden Studien bieten die Anlagen an der Weichsel, dem Unterrhein, der Loire, Elbe und Weser Gelegenheit. Daß die Anlage von Dämmen längs der Flüsse mit besonderer Beachtung der Durchflußverhältnisse für Hochwasser erfolgen müsse, haben neuerdings die Katastrophen der großen Überschwemmungen in Tirol und Kärnten (15. bis 23. Sept. 1882) erwiesen. An der Pusterthalbahn wurde ein Damm auf eine Länge von 5,4 km ganz fortgerissen, auf 3,0 km stark beschädigt. Auch an der Brennerlinie sind erhebliche Beschädigungen dieser Art entstanden. Ebenso haben im Winter 1882/83 die Hochwässer des Rheins und Mains Damm⸗ und Deichbrüche veranlaßt. So wurde an einer Stelle bei Bischofsheim, woselbst die Römer vor etwa 1700 Jahren das alte Flußbett zur Sicherung ihrer Festung abdämmten, der Deich neuerdings wiederholt zerstört. Es zeigt dieses Beispiel, wie schwer sich mitunter widernatürlich angelegte Dämme erhalten lassen. Bei neuen Anlagen, welche sorgfältigste Berücksichtigung der hydrographischen und sonstigen Fragen verlangen, muß besonders darauf gesehen werden, hinreichendes Vorland zu schaffen; die D. müssen zum Stromstriche und untereinander möglichst parallel liegen, sie sollen keine scharfen Krümmungen und Ecken aufweisen, über hohen, festen Boden führen und allfällig vorkommende größere Vertiefungen zwischen sich schließen, wo diese im Laufe der Zeit zuschlicken, während sie binnendeichs zu Quellwasserbildungen Veranlassung bieten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 953Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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