FeedFreiburg imüchtlande (frz. Fribourg)
ErdkundeBrockhaus 1882

Freiburg imüchtlande (frz. Fribourg), die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons der Schweiz, liegt 591 müber dem Meere, 29 km südwestlich von Bern, auf einer Halbinsel der Saane, an der Linie Lausanne-Bern der Schweizerischen Westbahn, von der hier die Linie F. Pverdon abzweigt. Die altertümliche, unregelmäßig gebaute Stadt, welcher ihre burgartige Lage hoch über dem Flusse, die zahlreichen Türme und Thore, Kirchen und Klöster einen eigentümlich romantischen Charakter verleihen, zerfällt in drei Teile: die untere Stadt im Flußthale zu beiden Seiten der Saane, meist von Handwerkern bewohnt; die Altstadt auf dem Plateau der Halbinsel, der Sitz der Behörden und der städtischen Aristokratie, und die obere Stadt, westlich gegen den Bahnhof hin ausgebreitet, das Quartier des Handels und des Gewerbes. Von den neun Kirchen sind die bemerkenswertesten die gotische St. Nikolauskirche, die Domkirche des Bistums Lausanne, 1285—1500 erbaut, mit der berühmten Orgel von Moser und einem 86 mehohen Turm; die Franziskanerkirche und die neue prot. Kirche; Klöster besitzt die Stadt sechs. Unter den andern öffentlichen Gebäuden sind zu erwähnen das 1505 erbaute Rat-Fejut das Zeughaus, die Kornhalle, das ehemalige esuitenkollegium, jetzt Knabenschule, und das Lyceum mit dem Kantonsmuseum. Unter den vier Brücken, welche unmittelbar bei F. die Saane überspannen, ist die merkwürdigste die 1830—34 erbaute Drahtbrücke, 247 melang, 51m über dem Flusse. Eine ähnliche Brücke, 227mlang, 93 mhoch, spannt sich südöstlich von F. über die wilde Gotteron- oder Galternschlucht, und 2½ Kkm nördlich von F. verbindet der Viadukt von Grandfey, eine 370 mlange, 80 mehohe Eisenbahngitterbrücke die beiden Saaneufer. Von den (1880) 11546 E. sind 10007 Katholiken, 1472 Protestanten, 51 Jsraeliten und 16 Andersgläubige; 37 Proz. der Bevölkerung, meist in der untern Stadt, sprechen deutsch, 63 Proz. französisch. Neben Kleinhandel und Kleingewerbe sind besonders die Gerherei die Haut die Tabaksfabrikation und die Gerberei die Haupterwerbsquellen. Eine eigentliche Handelstadt, ist übrigens F. ebenso wenig wie eine Handelsstadt. Zwar wurden 1870 —73 bei Perolles, 1 Em südlich der Stadt, großartige Wasserwerke in der Saane angelegt, der Fluß durch einen Damm zum See gestaut und bei dem Abfluß desselben ein Gefälle von 3 — 4000 Pferdekräften erzeugt, von denen 600 durch Turbinen und Drahtseiltransmissionen für die Industrie verwendbar gemacht wurden; aber der gehoffte Auf-Uie Meh der Industrie hat sich nicht eingestellt und die Mehrzahl der damals gegründeten Fabriken ist wieder eingegangen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 261Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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