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ErdkundeBrockhaus 1882

Freiburg im Breisgau (offiziell F. in Baden), Hauptstadt des ehemaligen Breisgaus (s. d.), jetzt eines Landeskommissariats⸗-Bezirks des Großherzogtums Baden, 17 km östlich vom Rhein entfernt, an der Dreisam, 261 müber dem Meere, an der Badischen Staatsbahn Mannheim-⸗Konstanz, welche hier nach Alt-Breisach abzweigt, und am Fuße des 410 m hohen Schloßbergs in schöner, fruchtbarer und weinreicher Gegend. Die Stadt ist Sitz einer Universität und seit 1827 des Erzbischofs der Oberrheinischen Kirchenprovinz (Baden, Württemberg, Hohenzollern, Hessen und die preuß. Provinz Hessen-Nassau), zu welcher außer dem Bistum F. (mit über 800 Pfarreien in Baden und Hohenzollern und 1000000 Seelen) noch die Bistümer Rottenburg, Mainz, Fulda und Limburg gehören, einer Reichsbanknebenstelle, einer Gewerbebank, eines Land-, eines Schwur- und eines Amtsgerichts, eines Hauptsteueramts, einer Bezirksforstei, des Domlapitels; ferner des Kommandos der 29. Division, der 57. Infanteriebrigade, der 29. Kaval-Ileriebrigade, eines Landwehrbezirkskommandos (1. Bataillon 5. bad. Landwehrregiments Nr. 113) und Garnison des 5. bad. Infanterieregiments „Nr. 113. Unter den öffentlichen Bauwerken der Stadt zeichnet sich vor allem aus der Münster, die jetzige erzbischöfl. Kathedrale, das einzige im Mittelalter selbst ganz vollendete Meisterstück der got. Baukunst in Deutschland (108 melang, 31 mbreit, 26 m hoch), mit seinem 121m hohen Turme von herrlicher durchbrochener Arbeit und dem reich mit Skulpturen geschmückten Hauptportal. (S. Tafel: Baustile VIII, Fig. 7, 8 und 9.) Der Münster wurde 1122—1252 aus rotem Sandstein erbaut, erhielt seit 1354 ein neues Chor (1513 vollendet) und besitzt schöne Glasmalereien aus älterer (15. Jahrh.) und neuerer Zeit (letztere von Helmle). Im dreischiffigen, 1867 restaurierten Innern finden sich eschnitzte Altäre, Grabmäler (worunter das Bertbolds V. von Zähringen) und einige wertvolle Bilder von Hans Baldung und Holbein dem Jüngern. Die prot. Kirche (roman. Stils) ist vom Material der Abteikirche von Thennenbach unfern Emmendingen, welche in Verfall geriet und abgebrochen wurde, fast in der alten Gestalt 1829—39 von Hübsch aufgeführt; der behelmte Turm und die Steinmetzarbeiten sind neu; im Innern Gemälde von Dürr. Die Universitätskirche dient seit 1873 dem Kult der Altkatholiken. Die schöne Synagoge wurde 1870 gebaut. Sonst sind unter den Gebäuden außer der St. Martinskirche (im got. Stih) noch hervorzuheben: das Kaufhaus, das Rathaus und die alte Universität (sämtlich aus dem 16. Jahrh.), ferner die Bibliothek, das großherzogl. zalais, die ehemalige Kreisregierung, die Kunst- und Festhalle (1846 erbaut; Raum für 5000 Personen), Anatomie, Augenklinik, das chem. Laboratorium, das Postamt, der Bahnhof, die höhere Bürgerschule, das Landesgefängnis u. s. w. Auf dem Kaiser-Wilhelm-Platze steht das von Moest in Karlsruhe modellierte und von Lenz in Nürnber gegossene bronzene Werder-Denkmal, eins lielich der bm hohen Victoria 15 mhoch, am 3. Okt. 1876 Geschichischre Denkmal des 1775 hier geborenen Geschichtschreibers Rotteck steht seit 1862 auf dem Rotteck-Platze. Vor dem Rathaus steht das Standbild des in F. geborenen Franziskaners Berthold Schwarz leigentlich Konstantin Anklitz), des angeblichen Schießpulvererfinders, von Knittel (1853). Am Martinsthor erinnert eine Inschrift an General von Duminique und an den tapfern Beistand, den das Bürgerschützenkorps in dem Gefecht bei Waenstadt 7. Juli 1796 gegen die Franzosen leistete. zn der schönen breiten Kaiserstraße, welche die Stadt von N. nach S. durchschneidet, befinden sich mehrere monumentale Brunnen mit laufendem Wasser, darunter einer aus spätgot. Zeit. Die Universität F. wurde vom Erzherzog Albrecht VI. von Ssterreich gestiftet (Stiftungsurkunde vom 21. Sept. 1457); dieselbe war mit liegenden Gründen in Vorderösterreich (Breisgau, Oberelsaß) und Württemberg reichlich ausgestattet, allein sie besitzt, nachdem sie nicht allein durch die Französische Revolution ihre sämtlichen elsasser Güter verloren hat, sondern auch mit 1 Mill. Fl. sog. Divisionsschulden belastet worden ist, und nachdem seither außerdem ihre Zehntberechtigungen in Württemberg zur Ablösung gekommen sind, lediglich noch Güter in Baden, deren Ertrag jedoch nur den kleinern Teil ihres Aufwandes deckt. Im J. 1883 lehrten an derselben 36 ord., 8 außerord. Professoren und 14 Privatdocenten. Unter den Mitgliedern der theol. Fakultät genießen besonders Maier und Kraus, unter den Juristen Behaghel, Sontag und von Amira, unter den Medizinern Ecker, Bäumler, Hegar und Wiedersheim, endlich in der philos. Fakultät Fischer, Weismann, von Holst und Claus in der Gelehrtenwelt eines besondern Rufs. Die Zahl der Studierenden betrug im Sommer 1883 823, darunter 657 Ausländer. Mit der Universität verbunden sind eine Bibliothek von über 250000 Bänden, sowie die nötigen Sammlungen und Institute (das Konvikt für die kath. Theologen wurde 1874 aufgehoben). Vgl. „Die Universität F. seit dem Regierungsantritt des Großherzogs Friedrich von Baden (Freiburg 1881). Sonst bestehen zu F. an Unterrichtsanstalten noch ein Gymnasium mit 720, eine höhere Bürgerschule mit 300 und eine Gewerbeschule mit 575 Schülern (im Sommer 1882). Unter wissenschaftlichen Vereinen sind der Naturforschende und der Historische am bekanntesten. F. besitzt ferner ein städtisches Theater, ein Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern, ein Waisenhaus, große Krankenhäuser u. s. w. Im Dez. 1880 zählte die Stadt mit den Vorstädten (vormals Dörfern) Herdern im N. und Wiehre im SW. 36401 C. (davon 27131 Katholiken, 8375 Evangelische und 725 Juden) gegen 19085 im Dez. 1864, also Zunahme 90,6 Proz. Handel, namentlich mit Holz, Industrie und Landwirtschaft (Wein⸗, Obst⸗ und Gemüsebau, Gärtnerei) sind beträchtlich, da F. der Hauptverkehrsort für den Schwarzwald ist. Die Gewerbthätigkeit erstreckt sich insbesondere auf Cichorien⸗, Papier⸗ und Hanffabrikation, Seidenzwirnerei, Gerberei, Knopf⸗, Tabak⸗ und Cigarren⸗, Band⸗, Schaumwein⸗ und Möbelfabriken, Eisengießereien, Maschinenfabrikation, Glockengießerei, Herstellung von physik. und musikalischen Instrumenten, von Nähmaschinen, Cement, auf Färberei, Bierbrauerei, Baumwollspinnerei und Weberei, Buch- und Steindruckereien. Die Seidenzwirnfabrik hat neun auswärtige Zweiggeschäfte, produziert jährlich 26000 kg Seidengarn, macht einen Umsatz von 1300000 Mark und exportiert ins Ausland; die hiesige Porzellanknöpfe⸗ und Perlenfabrik ist bei einem Jahresumsatz von 1½ Mill. Mark die zweitgrößte des europ. Kontinents und führt ihre Erzeugnisse ebenfalls nach überseeischen Ländern aus. Von den mit Anlagen und Rebenpflanzungen versehenen Höhen des Schloßbergs und Lorettobergs (die Lorettokapelle zur Erinnerung an die in der Schlacht von 1644 Gebliebenen) genießt man eine schöne Aussicht auf den Schwarzwald, die Rheinebene bis zu den Vogesen. F. wurde 1091 vom Herzog Berthold II. von Zähringen erbaut‚, 1120 zur Stadt mit Kölnischem Rechte erhoben und kam 1219 an die Grafen von Urach, von denen sich 1236 der eine Zweig nach F. benannte. Doch entzog sich die Stadt nach vielen Versuchen wiederum der Gewalt der Grafen und sah ihre Unabhängigkeit 1368 für 20000 Mark Silber anerkannt, welche Summe Basel vorgestreckt hatte. Für diese Schuld mußte sich die Stadt jedoch dem Hause Habsburg unterwerfen. Als bedeutende Festung wurde sie 1632, 1634 und 1638 von den Schweden, 1644 von den Bayern unter Mercy erobert, welche hier die Franzosen unter Enghien und Turenne in der Schlacht vom 3. und 5. Aug. 1644 zum Rückzuge nötigten. Letztere nahmen sie unter Crequi 25. Nov. 1677 ein und im Nimweger Frieden 1679 wurde F. an Frankreich abgetreten. Doch kam es, durch Vauban mit bedeutenden Werken verstärkt, im Ryswijker Frieden 1697 wieder an Ssterreich zurück. In den J. 1713 und 1744 bemächtigten sich ihrer die Franzosen abermals, fräumten sie aber 1714 im Rastatter und 1748 im Aachener Frieden, nachdem sie die Werke geschleift hatten. Auch die beiden festen Schlösser, welche einst den Schloßberg krönten, waren 1744 von den Franzosen zerstört worden. Im J. 1806 fiel F., nachdem es seit 1798 dem Herzog Ercole III. von odena gehört hatte, an Baden. Am 24. April 1848 wurde F. von den deutschen Bundestruppen, die tags zuvor hier die Aufständischen besiegt hatten, eingenommen, und 7. Juli 1849 von den Preusen besetzt, nachdem die Stadt von der bad. Regentschaft und dem Reste der Insurgenten unter Sigel eräumt war. * Schreiber, «Geschichte und Bechreibung des Münsters zu F.» (Freib. 1820 u. 1825), „Geschichte der Stadt und Universität Bde., Freib. 1857—59) und Der Schloßberg bei F.r (Freib. 1860); Bader, „Geschichte der Stadt „2 Bde., Freib. 1882—83); Neumann, «Frei⸗ ——— i. Br. und seine Umgebung» (Zür. 1882), Führer durch F. und seine Umgebunge (2. Aufl., Freib. 1882). Der Landeskommissariats-⸗Bezirk Freiburg umfaßt 4739,60 akKm mit (1880) 454 221 E. (davon 292829 Katholiken, 154517 Evangelische und 6385 Juden), mit 95,8 E. auf 1 akm, und zerfallt in die drei Kreise F., Lörrach und Offenburg. Der Kreis Freiburg 90 auf 2113 qkm 206 720 E., davon 155330Kat gelische und 3610 Juden, mithin 97 E. auf 1 qkm. Der Bodenbenutzung nach sind 37,8 Proz. des Areals Holzungen, 36,1 Proz. Acker und Gärten, 14,8 Proz. Wiesen, 4, Weiden, 2,5 Weingärten. Rbgirt in Schlesien, Stadt im Regierungsbezirk sien, im Kreise und 13 km westlich von Schweidnitz, 58 km südwestlich von Breslau, an der Polsnitz am Abhange des Waldenburger Gebirges 279 m über dem Meere enadt Station der Linie Breslau-Sorgau-Ha Freiburger Bahn, zählt (1880) 8348 C. (davon 5804 Sis emes 2n 2403 Katholiken und 76 Juden), ist Sitz eines und hat die Aktiengesellschaft für schle dustrie (früher Kramsta u. Söhne), fünf Regulator-Uhrenfabriken (darunter die größte die von Gustav Becker) und sechs Uhrgehäusefabriken, eine Wagenfabrik, zwei Stärkefabriken, eine Eisengießerei, eine große Ziegelei, Gerbereien und ein Realprogymnasium. An wohlthätigen Anstalten besitzt es ein Krankenhaus, eine Altersversorgungs⸗ und eine Kleinkinderbewahranstalt. F. ist Garnison des Füsilierbataillons des 1. schles. Grenadierregiments Nr. 10. Am 22. Juli 1762 fand hier ein Gefecht statt, in welchem die Preußen sich tapfer gegen die Übermacht der Ssterreicher verteidigten. In der Umgebung liegen die 15. Okt. 1840 zur freien Standesherrschaft Fürstenstein erhobenen Majoratsherrschaften Fürstenstein, Waldenburg und Friedland. Dieselbe umfaßt 310 glem, Rnt im Besitz des Fürsten von Pleß und führt ihren namen von dem 3 km südwestlich von F., nahe der Eisenbahn und dem Badeorte %%. in großartiger Umgebung gelegenen Sch stein. Letzteres erhebt sich nebst der alten, im mittelalterlichen Stil neu aufgeführten Burg gleiches Namens über dem Fürstensteiner Grund, einer 25 km langen, von 60 — 90 mehohen, steilen Felswänden gebildeten romantischen Schlucht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 261Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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