Freikonservative Partei, eine gemäßigt liberale Partei, welche zuerst unter dem Namen Freie konservative Vereinigunge im preuß. Abgeordneten hause nach den Wahlen vom 3. Juli 1866 unter der Führung des Herzogs von Ujest auftrat. Sie bestand zunächst aus 19 Mitgliedern, die sich von der konservativen Partei losgelöst hatten, um vor allem die nationale Politik Bismarcks zu unterstützen, ohne sich jedoch im übrigen auf ein bestimmtes Programm zu verpflichten. .. bei den Abgeordnetenwahlen im Okt. 1867 entschlossen sich die Mitglieder, ihre Grundsätze in einem Wahlaufruf bestimmter zu begrenzen, weil sich im Konstituierenden Norddeutschen Reichstage auch einige konservative sächs. Partikularisten und Klerikale der Fraktion angeschlossen und die Bestrebungen der letztern deshalb mehrfach Mißdeutung erfahren hatten. Der Aufruf vom 27. Okt. 1867 gipfelte in den Forderungen: unbedingte Unterstützung der nationalen Interessen, Anerkennung des Konstitutionalismus und Ausbau der Verfassung im Sinne einer freiheitlichen Selbstverwaltung aller Gliederungen des Volks. Im Reichstage, wo die Fraktion später den Namen Deutsche Reichspartei annahm, erhielt sie 1868 eine erhebliche Verstärkung durch einen Teil des sich auflösenden (altliberalen) Centrums, welches bis dahin durch Georg von Vincke geführt worden war. Der Regierung leistete die Partei namentlich durch ihre Unterstützung in dem Kampfe gegen die Übergriffe des Ultramontanismus (dem sog. Kulturkampfe) und in der Durchführung der 1879 von Bismarck eingeleiteten Wirtschaftspolitik wesentliche Dienste. Im Reichstage war sie 1883 durch 24, im preuß. Abgeordnetenhause durch 55 Mitglieder vertreten.