FeedFreimarke
Recht & StaatBrockhaus 1882

Freimarke (Frankomarke, Briefmarke, Postmarke, Postwertzeichen, frz. timbreposte, engl. postage stamp, holländ. postzegel, ital. trancobollo heißt das Wertzeichen, welches von der Postverwaltung ausgegeben wird, um die erfolgte Vorausbezahlung (s. Frankieren) einer Postsendung zu bekunden. Ein solches Wertzeichen besteht aus einem Stempel auf Papier, der meistens das Landeswappen, das Bildnis des Landesherrn, eines berühmten Staatsmanns (wie in den Vereinigten Staaten von Amerika: Washington, Franklin, Lincoln u. s. w.), eine allegorische Figur, Embleme oder dergleichen und außerdem die Wertangabe in der betreffenden Landeswährung enthält. Die F. wird mittels des daran haftenden Klebestoffs auf die Briefvorderseite befestigt und von den Postanstalten vor der Absendung der Briefe durch einen Stempelabdruck (Postaufgabestempel oder Nummernstempel) ungültig gemacht. Bereits entwertete oder gefälschte F. dürfen bei gesetzlicher Strafe zur Frankierung von Postsendungen nicht benutzt werden (nach §. 275 des Reichsstrafgesetzbuches in Deutschland: Gefängnisstrafe nicht unter drei Monaten, unter Umständen Verlust der Chrenrechte). Gewöhnlich wird dem brit. Generalpostmeister Rowland Hill (s. d.) die erste Erfindung der Postfreimarken und gestempelten Briefumschläge lenvelopes und covers) zugeschrieben. In der That wurden bei Einführung des Pennyportos in England (1840) die ersten modernen F. (damals Qucen's head wegen des Bildnisses der Königin genannt) auf Rowland Hills Vorschlag von der brit. Postverwaltung ausgegeben, um die Frankierung der Briefe und deren Einlieferung zur Post zu erleichtern. Die ersten britischen F. waren schwarz (zu 1 penny) und blau Eu 2 pence); 1841 wurde die braunrote Penny-F. in England eingeführt. Diesem Beispiel folgten in den nächsten Jahren fast alle übrigen Kulturländer, zuletzt Persien, Japan und China; und bei der heutigen großartigen Entwickelung des Briefverkehrs, nach Einführung des Einheitsportos und Gründung des Weltpostvereins, würde der Postbetrieb ohne Verwendung der F. auf seiner jetzigen Höhe der Schnelligkeit und Einfachheit der Betriebsformen nicht erhalten werden können. Immerhin kann indessen nach neuern Forschungen R. Hill die Priorität der Erfindung der F. nicht mehr für sich in Anspruch nehmen. Vor ihm hatte schon Mr. Knight zu Anfang der zwanziger Jahre des 19. Jahrh. auf gestempelte Briefcouverts aufmerksam gemacht, und der 1840 verwirklichte Vorschlag R. Hills ist bereits in ähnlicher Form in einem nicht von R. Hill herrührenden Parlamentsberichte von 1835 enthalten. (gl. Chalmer, The penny postage scheme of 1837: was it an invention or a copy?v, Lond. 1881.) Außerdem aber ist der Anfang zur Verwendung der F. schon am 8. Aug. 1653 in Paris gemacht worden, wo auf Vorschlag des Maitre des requétes, Mr. Velayer, Papierstreifen mit der Bezeichnung 1653 ou 16545 eingeführt wurden, um die Frankierung der in der Stadt Paris mit der Post beförderten Briefe zu erleichtern. Ein solcher Papierzettel kostete 1 Sol; es bestand damals sch on Frankozwang; in jedem Stadtviertel von Paris, selbst in den Vorstädten waren Briefkasten aufgestellt, welche boéttes hießen; sie wurden um 6 Uhr früh, 11 Uhr und 3 Uhr geleert. Freilich wurde diese Einrichtung sehr bald Wenden unn sodaß die F. 1837 nochmals erfunden werden mußte. Die zahlreichen Ausgaben von F. haben eine besondere Freimarkenwissenschaft (Philatelie) und den Wriefmarken der Freimarkenalbums oder Briefmarkenalbums hervorgerufen, welche heute den Gegenstand eines beliebten Sports bilden. Das wertvollste Freimarkenalbum ist die im Deutschen Reichspostmuseum befindliche Markensammlung der Reichspost, welche mehr als 20000 Postwertzeichen aller Länder, Völker und Editionen enthält und ein interessantes Stück Kulturgeschichte darstellt. Die Philatelie besitzt bereits Börsen (in Hamburg und Paris), sowie Journale und Zeitungen in vielen Ländern. Philatelische Vereine bestehen in Dresden, Paris, London und Turin. Unter den Freimarkenalbums sind hervorzuheben: das von Zschiesche (7. Aufl., Lpz. 1883), Schaubeck (4. Aufl., Lpz. 1878) und Moschkau (Lpz. 1877). Vgl. Moschkau, «Die Wasserzeichen auf den Briefmarken nebst Abriß einer Geschichte der Briefmarken u. s. w. „ (4. Aufl., Lpz. 1880); derselbe, „Handbuch für Postmarkensammlery (5. Aufl., Lpz. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 275Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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