Friedrich Wilhelm III., König von Preußen, 1797—1840, ältester Sohn Friedrich Wilhelms II. und der Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt, ward 3. Aug. 1770 geboren. Die Sorge für seine Erziehung teilte in früherer Zeit die Mutter mit seinem Großoheim, Friedrich II. während der Vater ihn vernachlässigte. Nach dessen Thronbesteigung leitete ihn der Graf Karl Adolf von Brühl, Sohn des sächs. Ministers, als erster Gouverneur. Im Aug. 1791 begleitete F. seinen Vater zu den diplomatischen Verhandlungen nach Dresden und Pillnitz und, als Preußen den —5 egen Frankreich erklärt (Juni 1792), an den bein Am 24. Dez. 1793 vermählte er sich mit der Prinzessin Luise, der Tochter des Herzogs Karl von Mecklenburg-Strelitz, die er während des Feldzugs in Frankfurt a. M. kennen lernte. Nachdem F. 16. Nov. 1797 seinem Vater in der Regierung gefolgt, besuchte er im Frühjahre 1798 die vornehmsten Städte im Staate. F. suchte nun die Mißbräuche, die sich unter seinem Vater eingebürgert hatten, zu beseitigen. Das verhaßte Religionsedikt und das Censurreglement, sowie die Tabakspacht wurden aufgehoben und der Lauf der Justiz nicht mehr durch willkürliche Kabinettsbefehle unterbrochen. Auch entfernte F. die Ratgeber des Vaters, Bischofswerder, Wöllner, Hermes, Hilmer, vor allem die Gräfin Lichtenau, und stellte an die Spitze der Geschäfte Männer von Einsicht und Redlichkeit. Der König selbst gab das Beispiel an seinem Hofe, wo edle Einfachheit, verbunden mit Ordnung und Pünktlichkeit, herrschte. Das königl. Paar bot das Muster eines glücklichen Raten lichen Lebens. Wohlwollen und Pflichttreue thaten sich auf allen Gebieten kund, ohne daß freilich durchgreifende Reformen geschaffen wären; die fast engherzige Peinlichkeit und abhängige Beschränktheit des Königs verhinderten echten Aufschwung. Bei dem erneuerten Kampfe der europ. Mächte gegen Frankreich behauptete der König die seit dem Baseler Frieden angenommene Neutralität in einer Zeit allgemeinen Schwankens, wo nur dem Entschlossenen die Zukunft gehörte. Er hingegen benutzte diese prekäre Ruhe, um die alten und neuen Provinzen seines Reichs zu einer höhern Stufe der Bildung und des Wohlstandes 4 erheben. Nachdem er im Frieden zu Lunéville (1801) seine am linken Rheinufer liegenden Provinzen an Frankreich hatte abtreten müssen, erhielt er durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 eine Entschädigung von 9910 akm mit über 400000 E. Durch Tausch mit Bayern wurden die fränk. Fürstentümer mit einem Gewinn von etwa 440 qkm abgerundet. Das Königreich Preußen umfaßte so eine Bevölkerung von etwa 10 Mill. E. Bei dem durch die dritte Koalition zwischen England, Rußland und Ssterreich gegen Frankreich 1805 ausgebrochenen Kriege blieb F. seinem Neutralitätssystem getreu. Bewegungen, welche von Rußland gegen Preußen gemacht wurden, veranlaßten ihn, seine Truppen in Schlesien und an der Weichsel zusammenzuziehen. Aber die Verletzung des preuß. Gebiets in Franken und die persönliche Zusammenkunft mit dem Kaiser Alexander in Berlin änderten die Lage der Dinge. Der König trat insgeheim 3. Nov. 1805 der Koalition gegen Frankreich bei und schickte, während er noch den Frieden zu vermitteln suchte, ein Heer nach Franen. Die Schlacht von Austerlitz und der Preßburger Friede änderten mit einem mal die ganze Lage. enige Tage vorher, 15. Dez. 1805, aber ¹ zu Wien Graf Haugwitz im Widerspruch mit einen Instruktionen eine vorläufige Übereinkunft zwischen Preußen und bedenm abgeschlossen, welche die Verbindung der beiden Mächte erneuerte und die gegenseitige Garantie der alten und neuerworbenen Länder festsetzte. Preußen trat Ansbach zu Gunsten Bayerns, Kleve und Neuchätel ur freien Verfügung an Frankreich ab und erhielt afür durch Napoleon I. Hannover. Der König bestätigte diesen Vertrag wirklich. Die Erwerbung Hannovers aber, wovon Preußen 1. April 1806 wirklich Besitz nahm, veranlaßte eine Kriegserklärung Englands gegen Preußen. Auch mit Schweden, dessen König das Herzogtum Lauenburg decken wollte, brachen Feindseligkeiten aus, die jedoch durch die im Aug. 1806 zwischen England und Preußen erfolgte Aussöhnung beseitigt wurden. Neue Friedensunterhandlungen Frankreichs mit England und Rußland, durch die ½½ sich gefährdet glaubte, und die Errichtung des Rheinbundes veranlaßten auch zwischen Preußen und Frankreich neue Unterandlungen. Der König hatte die Idee, im Norden Deutschlands, so wie Napoleon im Süden und Westen es gethan, einen norddeutschen Bund zu stiften, der alle im Grundvertrage des Rheinischen Bundes nicht genannte Staaten enthalten sollte. Um der Forderung, daß Frankreich dieser Verbindung kein Hindernis entgegenstellen und seine Truppen aus Deutschland zurückziehen solle, mehr Nachdruck zu geben, rüstete sich F. in Verbindung mit Sachsen malle Kriege gegen Napoleon, dessen Heere sich ebenalls nach Deutschland in Bewegung setzten. Das Gefecht bei Sgalfeld, die Schlacht bei Jena und Auerstädt, die Übergabe der wichtigsten stungen, der Verlust aller Länder zwischen Weser und Elbe folgten schnell aufeinander, und schon 27. Nov. war Napoleon in Berlin. Der König wählte Küstrin, Graudenz, endlich Memel zu seinem einstweiligen Aufenthalte, sammelte sein Heer aufs neue und stellte sich in Gemeinschaft mit seinem Verbündeten, dem Kaiser von Rußland, den in Ostpreußen eindringenden Franzosen entgegen. Die Schlacht bei Eylau blieb unentschieden, die von Friedland führte den Frieden zu Tilsit (9. Juli 1807) herbei, in welchem dem Könige die Hälfte seines Staates verloren ging. Was den Schmerz des Verlustes noch vermehrte, war, daß auch die ihm verbleibenden Länder von den franz. Truppen hesetzt gehalten wurden. Selbst die Hauptstadt Berlin wurde erst im Dez. 1808 vom Feinde geräumt, und der König konnte erst Ende 1809 in seine Residenz einziehen. Mit Eifer und festem Willen ging nun F. daran, mit Hilfe seiner Minister Stein und später Hardenberg die Wunden, welche der Krieg geschlagen, zu heilen und den Staat von Grund aus zu reformieren. Die Armee wurde auf 42000 Mann gesetzt und durch Scharnhorst, Gneisenau u. a. völlig umgebildet. Eine Civilverfassung wurde hergestellt, der Gang der öffentlichen Geschäfte genau bestimmt und die Gleichberechtigung des Bürgerstandes mit dem Adel raher fchor auch der Zunftzwang aufgehoben. Früher schon (9. Okt. 1807) war die Erbunterthänigkeit aufgehoben. Am 19. Nov. 1808 erschien die Städteordnung, die den Städten die Selbstverwaltung gab. Ebenso wichtig war die 6. Nov. 1809 beschlossene Veräußerung der königl. Domänen, die Verwandlung der Klöster und anderer geistlicher Stiftungen in Güter des Staats (30. Okt. 1810) und die Gestaltung des Unterrichtswesens, infolge deren besonders auch die Stiftung der neuen Universität zu Berlin (1809), sowie die Verlegung der Universität zu Frankfurt a. O. nach Breslau (1810) stattfand. Im Dez. 1808 reiste der König in Begleitung seiner Gemahlin nach Petersburg, um das Freundschaftsbündnis mit dem Kaiser Alexander I. fester zu knüpfen. Nach einigen Wochen kehrte er nach Königsberg zurück und hielt 23. Dez. 1809 seinen Einzug in Berlin. Das häuslcht Glück des Königs wurde jedoch aufs empfindlichste gestört durch den unerwarteten Tod der Königin Luise (19. Juli 1810). Notgedrungen schloß F. mit Napoleon 24. Febr. 1812 zu Paris ein Schutzbündnis. Als im Juni 1812 der Krieg zwischen Rußland und Frankreich ausbrach, ließ er demnach zu Napoleons Heere ein Hilfskorps von 30000 Mann stoßen, das der kommandierende General ork auf dem Rückzuge durch eine am 30. Dez. 1812 mit dem russ. General Diebitsch abgeschlossene Übereinkunft rettete, nach welcher das preuß. Korps für neutral erklärt wurde und sich von dem franz. Heere absonderte. Diese eigenmächtige, wenn auch patriotische Handlungsweise Horks mußte der König anfangs mißbilligen; als er aber 22. Jan. 1813 seine Residenz nach Breslau verlegt hatte, ließ er von da aus Nork volle Gerechtigkeit widerfahren. Die Aufrufe des Königs vom 3., 9. Febr. und 17. März 1813 entzündeten alle Klassen des Volks zum Befreiungskampfe, und schnell stand ein mehr durch Begeisterung und Mutals durch Waffenrüstung ausgezeichnetes Heer da. (S. Russisch-Deutsch-Franzöfischer Krieg.) Am 15. März kam Kaiser Al der nach Breslau, wo der König sich noch aufhielt. Ein zu Kalisch 28. Febr. geschlossenes Trutz⸗ und Schutzbündnis, dessen Unterzeichnung 20. März zur öffentlichen Kunde gebracht wurde, vereinigte beide Monarchen miteinander. Am 27. März übergab General Krusemark in Paris die preuß. Kriegserklärung. Zwei preuß. Armeen, die eine in Schlesien gebildet unter Blücher, die andere unter Nork, welche in Berlin zu dem russ. Heere unter Wittgenstein stieß, rückten zugleich mit den Russen nach Sachsen. Der König kam 24. März wieder nach Berlin, wo er für die Verwaltung des Staats Militär⸗ und Civilgouverneure ernannte, das Kontinentalsystem aufhob und für den bevorstehenden Krieg eine Auszeichnung des Verdienstes um das Vaterland stiftete: das Eiserne Kreuz von zwei Klassen und einem Großkreuz. Außer den regelmäßigen Heeren ward die Landwehr und ein Landsturm errichtet. Die Gegenwart des Königs, der alle Gefahren und Beschwerden mit den Truppen teilte, befeuerte diese aufs höchste. Auch der Konig gab während des Feldzugs von 1813 und 1814 nicht nur öfters Beispiele persönlicher Tapferkeit, sondern trug auch durch Einsicht und Festigkeit viel zur Entscheidung des Kampfes bei. Nachdem er bis zum Abschlusse des Friedens in Paris verweilt, reiste er im Juni 1814 mit dem Kaiser Alexander nach London. Bei seiner Rückkunft 7. Aug. hielt er einen feierlichen Einzug in seine Hauptstadt und begab sich dann nach Wien, wo er bis zu Ende des Kongresses blieb. Infolge dieses Kongresses und der Pariser Friedensschlüsse wurde Preußen nicht nur für seine Verluste entschädigt, sondern nahm auch seine frühere Gimm unter den europ. Staaten wieder ein. Als im März 1815 Napoleon von Elba her Frankreich wieder in Besitz nahm, verband sich der König 25. I Wien abermals mit Osterreich, Rußland und gland. Schon 18. Juni erfochten die preuß. Heere mit äber Verbündeten den alles entscheidenden Sieg über Napoleon bei Waterloo. Der König kam aus diesem Feldzuge erst 19. Okt. wieder in seine Residenz zurück, wo er 22. Okt. das 400jährige Regierungsjubiläum seines Stammhauses Hohenzollern feierte. Mit Eintritt des Friedens ließ es sich F. angelegen sein, das Wohl seines Volks zu fördern, indem er für Kirche und Schule sorgte, Kunst und Wissenschaft hob und Handel und Gewerbe zu beleben suchte. Daß ihm dies gelang, verdankte er der Unterstützung ausgezeichneter Beamter und Minister, die er mit nichtigem Blicke zu wählen verstand. Doch vermochte sich auch der König des Zugs der polit. Reaktion nicht zu erwehren, der wa dem allgemeinen Aachen⸗ die Regierungen Europas beherrschte; in Aachen, Karlsbad, Teplitz, Berona (1818—22) trat er in enge Verbindung mit dem Österreich Metternichs gegen alle liberalisierenden Neuerungen und verlieh Preußen die Verfassung nicht, welche er 22. Mai 1815 der Nation ver-Iroron hatte. Statt dessen führte er durch die rordnung vom 5. Juni 1823 Provinziallandstände ein, die dem Zeitbedürfnisse keineswegs entsprachen. Durch die nach dem Reformationsfeste von 1817 von ihm ausgesprochene Union (s. d.) der bade Kirchen trachtete er eine Ausgleichung der beiden Konfessionen zu bewirken, wobei er freilich mit Einführung der neuen Agende (2. Juni 1826) teilweise lebhaften Widerstand fand. Fromm gesinnt, war er doch Freund einer erleuchteten Reli-Einn. t förderte, wo er konnte, den kirchlichen inn, trug freigebi so sparsam er sonst war, zum Bau von Kirchen, Ausstattung von Schulen und wissenschaftlichen Anstalten bei und unterstützte überhaupt alle gemeinnützigen Bestrebungen. Mit besonderer Vorliebe widmete er sich den Militärangelegenheiten. Industrie, Steuer⸗ und treflichen —j„5 Landwirtschaft fanden unter vortrefflichen Ministern entschiedenste Förderung. Das Ministerium Altenstein, in dem Männer wie Johannes Schulze wirkten, machten die preuß. Universitäten . Kulturstätten intensivster geistiger Bildung. In er äußern Politik schloß er sich uhh aufs engste Rußland an, das seiner wohlwollenden Neutralität wesentlich die großen Erfolge gegen die Türkei verdankte. Nach der der Maas auf stellte er ein Beobachtungsheer an der Maas auf, und bei dem Aufstande der Polen beförderte er durch eine bewaffnete Neutralität die Siege der Russen. Gegen die sog. demagogischen Umtriebe verfuhr er, gereizt und geängstigt durch Excesse, wie die Ermordung Kotzebues (. d.) und das Löningsche Attentat, in einer Weise, die sonst seinem Charakter fremd war. Den Kampf, in den 00 die romantischultramontane Bewegung mit der hohen Geistlichkeit seines Landes versetzte, konnte er nicht selbst zu Ende führen. Er starb 7. Juni 1840. Am 9. Nov. 1824 hatte F. eine morganatische Ehe mit der Gräfin Auguste von Harrach geschlossen, welche er später zur Fürstin von Liegnitz erhob. Die ihn überlebenden Kinder aus seiner ersten Ehe waren: sein nächster Nachfolger, Friedrich Prin IV.; sein . Nachfolger, Wilhelm I.; Prinzessin Charlotte, später Alexandra, gest. 1. Nov. 1860 als Witwe des Kaisers Nikolaus von Rußland; Prinz Karl, geb. 29. Juni 1801, vermählt 1827 mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar, gest. 21. Jan. 1883; Prinzessin Alexandrine, geb. 23. Febr. 1803, Witwe des Großherzogs Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin; Prinzessin Luise, geb. 1. Febr. 1808, gest. 6. Dez. 1870 als Gemahlin des Prinzen Friedrich der Niederlande; Prinz Albrecht, geb. 4. Okt. 1809, vermählt 1830 mit der Prinzessin Marianne der Niederlande, aber 1849 von derselben geschieden, gest. 14. Okt. 1872. Zwei Statuen F.s befinden sich zu Berlin. Im dortigen Tiergarten nahe der Rousseau-Insel erhebt sich das schöne, 1849 errichtete Marmordenkmal von Drake: der * im Überrock auf einem 5,5 m hohen Sockel, welchen ein Hochreliefkranz umgibt, der die Segnungen des Friedens zur Darstellung bringt. Die Mitte des Lustgartens der Residenz iert das 5, m hohe, bei Gelegenheit der Siegesür des 16. Juni 1871 enthüllte Reiterbild des onarchen, von Alb. Wolff; den 6,6m hohen Granitsockel des Denkmals umgeben allegorische Gestalten. Das 26. Sept. 1878 enthüllte Reiterstandbild des Königs zu Köln steht auf dem dortigen Heumarkte; die Statue F.s ist von Bläser, das Postament im ersten Entwurfe von Schievelbein (nach dessen Tode 1867 ebenfalls von Bläser übernommen, nach des letztern Ableben, 1874, von Calandrelli und Schweinitz vollendet). Die Gesamthöhe des Monuments beträgt 14,5 m, die der Reiterstatue 7,32m (letztere mithin die Verim in Deutschland, da die Friedrichs d. Gr. zu Berlin nur 5, 4m Uin der Höhe mißt). Die den Sockel umgebenden 2,82 m hohen Figuren stellen die Staatsmänner und Generale dar, welche hauptsächlich die Erhebung Preußens und die Befreiung der Rheinlande von der franz. Herrschaft gefördert haben. Der Guß des Denkmals wurde zu Lauchhammer ausgeführt. Vgl. Eylert, «Charakterzüge und histor. Fragmente aus dem Leben des Königs von Preußen, Friedrich Wilhelmo (3 Bde., Magdeb. 1842 -46; wohlfeile Ausg., 3 Bde., Magdeb. 1847); Duncker, „Aus der Zeit Friedrichs d. Gr. und Friedrich Wilhelms III.v (Lpz. 1876); Gräfin von Voss, Reunundsechzig Jahre am preuß. Hofe» (1.—4. Aufl., Lpz. 1876); W. Hahn, «Friedrich Wilhelm III. und Luises (3. Aufl., Berl. 1877).