FeedFriedrich I. (Wilhelm Karl)
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich I. (Wilhelm Karl), 1797—1803 Herzog, 1803—6 Kurfürst, 1806—16 König von Würt1754. 5. geb. zu Treptow in Hinterpommern 6. Nov. 1754, der Sohn des Herzogs Friedrich Eugen von Wuürttemberg, erhielt seine erste Erziehung durch ine hochgebildete Mutter, Sophia Dorothea, eine ochter des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt. Gleich seinen sieben Brüdern trat er in preuß. Dienste und stieg im Bayrischen Erbfolgekriege bis zum Generalmajor. Nach seiner Rückkehr aus Italien, wohin er seine Schwester und deren Gemahl, den Großfürsten Paul von Rußland, begleitet hatte, wurde er Generallieutenant und Generalgouverneur in Cherson und im russ. Finland. Aber auch dieses Verhältnis löste er 1787 und lebte nun zu Monrepos unweit Lausanne, dann zu Bodenheim bei Mainz, später in Ludwigsburg. Im J. 1780 hatte er sich mit der Prinzessin Auguste Karoline von Braunschweig-Wolfenbüttel (gest. 1787) vermählt, aus welcher Ehe zwei Söhne, sein Nachfolger Wilhelm J. (. d.) und Prinz Paul (geb. 19. Jan. 1785, gest. 1852 zu Paris), sowie eine Tochter, Katharine, hervorgingen, die sich mit Napoleons I. Bruder, Jeröme, vermählte. Sein Vater gelangte 1795, nachdem dessen zwei Brüder ohne männliche Descendenten gestorben waren, in Württemberg zur Regierung, mußte aber bei dem Vordringen der franz. Heere 1796 das Land verlassen und floh nach Bayreuth. F. lebte nun eine Zeit lang in Ansbach, dann in Wien und London, wo er sich 1797 in zweiter Ehe mit der engl. Prinzessin Charlotte Auguste Mathilde (gest. 1828) vermählte. Nachdem er 23. Dez. 1797 seinem Vater als Herzog von Württemberg gefolgt war, bestätigte er die Verfassung des Landes und schloß sich der zweiten Koalition an. Bei dem Vordringen Moreaus 1800 verließ er sein Land und hielt sich einige Zeit in Erlangen auf. Beim Friedensschluß wußte er durch seine Verbindungen mit den Höfen zu Wien und Petersburg 1803 nicht nur die Kurwürde, sondern auch im „Reichsdeputationshauptschluß eine angemessene Entschädigung für den Länderverlust am linken Rheinufer zu erlangen. Diese neuerworbenen Gebiete vereinigte er nicht mit Altwürttemberg, sondern gab ihnen als Neuwürttemberg » eine besondere Regierung. Durch seinen Anschluß an Napoleon und durch seinen Beitritt zum Rheinbunde erhielt er noch weitern Länderzuwachs und nahm 1. Jan. 1806 den Königstitel an, während er zugleich in Altwürttemberg die von ihm beim Regierungsantritt beschworene Verfassung aufhob. Dabei brachte er sein Heer zu einer die Kräfte des Landes übersteigenden Stärke. Seit dem Tode seines edeln und geistvollen Freundes, des Grafen von Zeppelin (gest. 1801), herrschte an seinem Hofe ein unwürdiges Günstlingswesen. F.s Regierung war eine despotische; durch Akte der Willkür, durch übermäßige Steuern wie durch Jagdunfug fühlte sich das Land aufs härteste gedrückt. Doch wandte er von seinem Volke manches übel durch die Entschlossenheit ab, mit der er die Eingriffe der franz. Regierung in die innere Verwaltung seines Staats zurückwies. Erst nach der Schlacht bei Leipzig näherte er sich den Verbündeten und erhielt von ihnen durch den Vertrag von lda 6. Nov. 1813 die aung ee seiner sämtlichen taaten und die Anerkennung seiner Unabhängigkeit. F., der auf dem Wiener Kongreß vergebens sich der Einführung ständischer Verfassungen und der Gründung eines die fürstl. Unabhängigkeit beschränkenden Deutschen Bundes widersetzt hatte, zögerte mit seinem Beitritt zur Deutschen Bundesalte bis zum 1. Sept. 1815. Seinem Volke kam er mit einem Verfassungsgesetze, das er ihm als Ordonnanz aufdrängen wollte, entgegen; allein dasselbe wurde von der Ständeversammlung verworfen. Einen neuen Wahden Miuster e ließ er den Ständen 16. Okt. durch den Minister von Wangenheim vorlegen; aber während der darüber sich entspinnenden Verhandlungen starb er 30. Okt. 1816. (S. Württemberg.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 341Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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