FeedFriedrich Franz II.
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, geb. 28. Febr. 1823, Sohn des Großherzogs Paul Friedrich und der Prinzessin Alexandrine von Preußen, erhielt seine Ausbildung seit 1838 in dem Blochmannschen Institut zu Dresden unter Leitung des spätern Oberkonsistorialrats Kliefoth und besuchte sodann die Universität Bonn, von welcher aus er 7. März 1842 zur Regierung gelangte. Ungeachtet persönlichen Wohlwollens und obgleich er 1848/49 auf die Wünsche und Bedürfnisse des Volks möglichst eingegangen war, vermochte er dennoch nicht, eine zeitgemäße Reform der Landesverfassung herbeizuführen, da die streng kirchliche Richtung seiner ersten, am 3. Nov. 1849 angetrauten Gemahlin, Auguste Mathilde Wilhelmine, Tochter Heinrichs LXIII. Reuß zu Schleiz-Köstritz, die orthodoxe Geistlichkeit des Landes begünstigte. Der Widerstand der Aristokratie, unterstützt von der damaligen Politik Preußens und Osterreichs, veranlaßte ihn 1850, die alten Verhältnisse wiederherzustellen. (S. Mecklenburg.) Nach dem am 3. März 1861 erfolgten Tode der Großherzogin, welche drei Söhne, unter diesen den jetzi-Großherzog Friedrich Franz III. (. d.), und eine ochter hinterließ, ging der Großherzog mit der Priszessin Anna, Tochter des Prinzen Karl zu Hessen und bei Rhein, 12. Mai 1864 eine zweite Ehe ein, welche der Tod bereits 15. April 1865 Friedrich Franz III. (Großherz. v. Mecklenbur löste. Der Großherzog, der schon 1842 zum preuß. General und Chef des damaligen 24. Infanterieregiments ernannt worden, nahm im Hauptquartier des Feldmarschalls von Wrangel am Feldzuge von 1864 gegen Dänemark teil. Im Kriege gegen Osterreich 1866 befehligte er selbständig das sich in und bei Leipzig sammelnde 2. preuß. Reserve-Armeekorps, rückte mit demselben nachdem die Entscheidung in Böhmen bereits gefallen war, in Franken ein und besetzte Nürnberg. Am 4. Juli 1868 vermählte sich F. zum dritten male mit Marie Karoline Auguste (geb. 29. Jan. 1850), Tochter des Prinzen Adolf von Schwarzburg-Rudolstadt. Aus dieser Ehe leben drei Söhne und eine Tochter. Im Nov. 1868 zum Inspekteur der fünften norddeutschen Armeeabteilung ernannt, wurde dem Großherzoge bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs im Juli 1870 zunächst der Auftrag, den Oberbefehl des neugebildeten 13. Armeekorps und die Deckung der deutschen Küstenlande zu übernehmen. Als letztere nicht mehr bedroht waren, folgte F. nach Frankreich, wo ihm 16. Sept. vorübergehend das Generalgouvernement zu Reims übertragen wurde. Am 23. Sept. nahm F. nach achttägiger Beschießung die Festung Toul und vier Wochen später traf er vor Paris ein, wo ihm Anfang November das Kommando einer zur Deckung der Einschließungstruppen gegen die franz. Loire-Armee neugebildeten Armeeabteilung übertragen wurde. Er operierte Anfang Dezember unter der obern Leitung des Prinzen Friedrich Karl bei Chevilly und Chilleues, nahm 4. Dez. Orléans, focht dann siegreich 6. Dez. bei Beaugency, besetzte 13. Dez. Blois, verfolgte den Feind rastlos bis Ourcques, schlug den General Chanzy 15. Dez. bei Vendöme und 12. Jan. 1871 bei Le Mans, nahm darauf Alengon und rückte 25. Jan. in Rouen ein. Nach einem kurzen Besuche in seinem Lande Anfang Februar) traf der Großherzog 19. Febr. wieder in Versailles ein. Am 3. März errichtete F. eine Stiftung für mecklenb. Invaliden und neun Tage später kehrte er nach Schwerin zurück. Bei Gelegenheit des feierlichen Einzugs der zurückkehrenden Truppen in Berlin 16. Juni ernannte der Deutsche Kaiser den Großherzog zum Generalinspekteur der zweiten Armeeinspektion des Reichsheers und am 2. Sept. 1873 zum Generalobersten von der Infanterie. F. starb zu Schwerin 15. April 1883.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 344Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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