Malou (Jules), belg. Staatsmann, geb. 19. Okt. 1810 zu Mpern, studierte in Lüttich, trat dann als Beamter in das Justizministerium ein, stieg rasch zum Grade eines Direktors auf und wurde 1841 von seiner Geburtsstadt in die Kammer gewählt. Er war seit 1844 Gouverneur der Provinz Antwerpen, als ihm (Juli 1845) im gemischten Kabinett Van de Weyer das Portefeuille der Finanzen übertragen wurde. Bei der im folgenden März erfolgten Bildung des klerikalen Kabinetts de Theux verblieb M. Finanzminister bis zu dessen Fall (Aug. 1847). Von 1850 bis 1859 war er wieder Mitglied der Deputiertenkammer und wurde 1861 vom Bezirk St.⸗Nicolas in die Erste Kammer gewählt. Im J. 1870 ernannte ihn der König zum Staatsminister ohne Portefeuille und beim Rücktritt des Kabinetts D'Anethan im Dez. 1871 wurde M. Kabinettspräsident und Finanzminister. Er förderte mit Eifer die Interessen der kath. Partei, zeichnete sich aber durch besonnenes und maßvolles Auftreten aus. Der Sieg der Liberalen (18. Juni 1878) beschränkte die Thätigkeit M.s abermals auf die Rolle eines Führers der Rechten in der Zweiten Kammer, in welcher er seit 1874 den Bezirk St.⸗Nicolas vertrat. Infolge des durch die Wahlen des 18. Juni 1884 eingetretenen Umschwungs der politischen Situation wurde M. wiederum ans Ruder eines ultramontanen Kabinetts berufen und erhielt gleichzeitig die Leitung der Finanzen. Als aber schon nach wenigen Monaten die Aufregung aller größern Städte gegen das neue klerikale Schulgesetz und namentlich der Ausfall der Gemeinderatswahlen (Okt. 1884) den König veranlaßten, die Minister des Unterrichts und der Justiz (Jacobs und Woeste) zu beseitigen,‚ bat auch M. um seine Entlassung, und das Kabinettspräsidium mit dem Portefeuille der Finanzen wurde Beernart übergeben. M. war viele Jahre Direktor bei dem brüsseler Bankinstitut 4Société générale pour favoriser l'industrie nationalep und auch schriftstellerisch auf dem Gebiete der Statistik und des Finanzwesens thätig.