FeedLuise (Auguste Wilhelmine Amalie)
GeschichteBrockhaus 1882

Luise (Auguste Wilhelmine Amalie), Königin von Preußen, Gemahlin Friedrich Wilhelms III., geb. 10. März 1776 zu Hannover, wo ihr Vater, der Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz, Kommandant war, verlor im sechsten Jahre ihre Mutter, eine geborene Prinzessin von Hessen-Darmstadt, und blieb hierauf der Aufsicht eines Fräuleins von Wolzogen anvertraut. Später wurde sie ihrer Großmutter, der Landgräfin von Hessen-Darmstadt, zur fernern Erziehung und Bildung übergeben. Infolge der Unruhen des franz. Revolutionskriegs begab sie sich mit ihrer ältern Schwester Charlotte, die 1818 als Gemahlin des Herzogs Friedrich von Sachsen-Hildburghausen starb, nach Hildburghausen, wo sie bis zum März 1793 blieb. Auf der Rückreise lernte sie in Frankfurt a. M. der nachherige König Friedrich Wilhelm III. (s. d.) von Preußen als Kronprinz kennen, auf den ihre Schönheit, Anmut und der Adel ihres Wesens einen tiefen Eindruck machten. Der Prinz verlobte sich mit ihr in Darmstadt 24. April 1793, aber die Vermählung erfolgte wegen des Kriegs erst 24. Dez. Stets wußte sie das Glück eines musterhaften Familienlebens zu bewahren. Als der Krieg den König 1806 ins Feld rief, folgte sie ihm nach Thüringen. Nach der Schlacht bei Jena begab sie sich mit ihm nach Königsberg. Nachdem in den Schlachten von Eylau und Friedland der letzte Hoffnungsstrahl für Preußen erloschen, ging sie in das feindliche Hauptquartier nach Tilsit, um durch persönliche Dazwischenkunft von Napoleon gelindere Bedingungen für Preußen zu gewinnen. Allein der Zweck ihrer Reise war verfehlt. Später wandte sie sich mit ihrem Gemahl nach Memel. Alle Leiden, welche der unglückliche Krieg über sie und ihr Haus brachte, trug sie mit Ergebung. Am 16. Jan. 1808 ging sie mit ihrem Gemahl von Memel nach Königsberg, unternahm von hier aus gegen Ende des Jahres eine Reise nach Petersburg und kehrte mit dem König 23. Dez. 1809 nach Berlin zurück. Während eines Besuchs bei ihrem Vater in Strelitz erkrankte sie auf dem Lustschlosse Hohenzieritz und starb daselbst in den Armen ihres Gemahls 19. Juli 1810. Der allgemeine Schmerz sprach laut für den Wert der Hingeschiedenen. Ihre überreste wurden in dem Schloßgarten zu Charlottenburg beigesetzt, wo ihr von ihrem seit 1840 neben ihr ruhenden Gemahl ein schönes Mausoleum mit der von Rauch geschaffenen edeln Gestalt der Königin auf einem Sarkophag errichtet wurde. (S. Tafel: Bildnerei VII, 3.) Ihrem Andenken ist das Luisenstift in Berlin, eine Anstalt zur Erziehung junger Mädchen, und der am 3. Aug. 1814 gestiftete Luisenorden gewidmet. Am 10. März 1876 wurde die Säkularfeier ihrer Geburt in ganz Preußen festlich begangen und dabei die Errichtung eines Standbildes der Königin im Thiergarten zu Berlin eingeleitet, welches dann am 10. März 1880 enthüllt wurde. Es befindet sich unweit der Rousseau-Insel, gegenüber dem Standbilde Friedrich Wilhelms III.; auf niedriger achteckiger Basis steht der 4 m hohe eylindrische Unterbau, auf welchem sich die Zm hohe weiße Marmorstatue der Königin (von C. Encke) erhebt: das Haupt ist leicht gesenkt und mit einem 248 Luise Ulrike (Königin von Sch Diadem bedeckt; das lange Gewand wallt in breiten Falten herab. Vgl. Adami, L., Königin v. Preußeno (10. Aufl., Berl. 1882); Hudson, Lite and times of Louisa, Queen of Prussia (2 Bde., Lond. 1874); Engel, Königin L.v (Berl. 1876); Kluckhohn, L., Königin von Preußend (Berl. 1876); Mommsen und H. von Treitschke, Königin L.v (Berl. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 247Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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