FeedFriedrich Karl (Nikol.)
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich Karl (Nikol.), Prinz von Preußen, Generalfeldmarschall, einziger Sohn des Prinzen Karl, des Bruders Kaiser Wilhelms I., geb. 20. März 1828 zu Berlin, wurde wie alle preuß. Prinzen schon als Knabe der Armee eingereiht und genoß den Unterricht vorzüglicher wissenschaftlicher und militärischer Lehrer, namentlich des damaligen Majors, spätern Kriegsministers von Roon, der ihn zur Vollendung seiner Studien auf die Universität Bonn 1846—48 begleitete. Der Prinz nahm 1848 als Hauptmann im Gefolge des Generals Wrangel am schleswigschen Kriege teil und eichnete sich als tüchtiger Reiteroffizier durch persönlichen Mut im Treffen bei Schleswig aus. Er wohnte 1849 als Major im Stabe seines Oheims dem Feldzuge in Baden bei, wo er sich im Gefechte von Wiesenthal 20. Juni an der Spitze einer Husarenschwadron hervorthat und zweimal schwer verwundet wurde. Die Zeit seiner Wiederherstellung widmete er, von ganzer Seele Soldat, eifrigen Studien, und zwar mit Vorliebe den militärischen Wissenschaften, besonders der Geschichte Friedrichs d. Gr. und Napoleons I. Während des Friedens stieg er in der Gardekavallerie bis zum Brigadekommandeur auf. Am 29. Nov. 1854 vermählte sich F. mit Maria Anna, geb. 14. Sept. 1837, Tochter des Herzogs Leopold Friedrich von Anhalt-Dessau. Im J. 1860 ward der Prinz an die Spitze des 3. Armeekorps gestellt. Die Früchte seiner Studien, besonders über die Taktik der Franzosen im ital. Kriege, teilte er den engern Kreisen hervorragender Offiziere in Vorträgen oder kleinen Abhandlungen mit. Eine derselben mit dem anspruchslosen Titel „Eine militärische Denkschrift von P. F. C.y erschien ohne sein Vorwissen 1860 in Frankfurt a. M. Dieses Schriftchen, ein Nachweis der Mittel und Kampfweise, mit denen die preuß. Armee bei einem aasehn drchtn Kriege im Stande sein sollte, die Franzosen zu schlagen, machte bedeutendes Aufsehen, rief eine franz. Antwort hervor, und die Kritik beschäftigte sich lebhaft damit. Seit 1861 General der Kavallerie, führte der Prinz im Deutsch-Dänischen Kriege von 1864 das preuß. Armeekorps, welches den rechten Flügel des verbündeten Heeres bildete. Er machte einen vergeblichen Versuch gegen Missunde 2. Febr., wandte sich dann weiter rechts nach Arnis, wo er den Schlei-übergang 6. Febr. bewirkte und dadurch die Dänen veranlaßte, das Danewerk ohne Kampf zu räumen, rückte dann gegen die befestigte Stellung von Düppel vor und erstürmte nach einer förmlichen Belagerung die Düppeler Schanzen 18. April. Nach diesen Erfolgen nahm der Prinz, als Feldmarschall von Wrangel sein Kommando niederlegte, 18. Mai provisorisch dessen Stelle ein und erhielt 24. Juni den Oberbefehl über das verbündete Heer. Er besetzte Jütland und eroberte die Insel Alsen, wodurch der letzte Widerstand Dänemarks gebrochen wurde. Nach dem Frieden trat er in seine hre u Stellung zurück, fand aber schon zwei Jahre später im Deutschen Krieg von 1866 weitere Gelegenheit zur H„ Als Führer der Ersten preuß. Armee (93000 Mann; das 2., 3. und 4. Armeekorps) überschritt er 23. Juni von der sächs. Lausitz aus die böhm. Grenze, vereinigte sich mit der Elbarmee (46000 Mann unter General Herwarth von Bittenfeld) und schlug die Osterreicher am 26. bei Liebenau und Podol, 28. bei Münchengrätz und tags darauf bei Gitschin. Am 30. Juni ließ er seine ganze Armee durch Gitschin weiter vorrücken, schob seine Vorposten bis Horsitz, focht 3. Juli im Centrum der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz und drang auf dem weitern Marsche bis in die Nähe von Wien vor. Im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 Oberbefehlshaber der Zweiten deutschen Armee, kam er erst 16. Aug. bei Vionville und 18. bei Gravelotte zum Kampfe, leitete dann von Corny aus die Belagerung von Metz, das sich ihm 27. Okt. mit 173000 Mann, 3 Marschällen, 6000 Offizieren und einer großen Anzahl Adler, Geschütze, Gewehre und Kriegsmaterial ergab. Am folgenden Tage wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt. Am 2. Nov. verlegte er sein Hauptquartier nach Pont-à-Mousson und hielt 10. Nov. seinen Einzug in Troyes. Unaufhaltsam drang er hierauf gegen die zähe und sich stets ergänzende Loire⸗-Armee vor über Sens, Rambouillet, Remours, Puisseaux, Pithiviers, erfocht 28. Nov. den Sieg bei Beaune-la-Rolande und warf 3. Dez. im Vereine mit dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin durch den Sieg bei Chevilly und Chilleues den Feind bis in den Wald von Orléans. Am 5. Dez. zog er in Orléans ein, von wo aus er gegen Tours weiter rückte und sein Hauptquartier 12. südwärts nach Beaugency verlegte. Am 4. Jan. 1871 wandte er sich loireabwärts, um die Oifensive gegen den General Chanzy zu ergreifen, den er 6. bei Vendöme traf. Nachdem er zwei Armeekorps zurückgeworfen und Azay wie Montoire eingenommen hatte, rückte er über Calais und Bouloire weiter vor und eroberte 12. Dez. Le Mans. Als 26. Febr. die Friedenspräliminarien unterzeichnet waren, trat er 6. März seinen Rückmarsch nach Norden über Fontainebleau an und erhielt 22. das Großkreuz des Eisernen Kreuzes. Der Prinz ist ein leidenschaftlicher Jäger, abgehärtet und an strenge Lebensweise gewöhnt; trotz der strengsten Anforderungen an die Mannszucht bei seinen Untergebenen genießt er in der Armee eine große Popularität. Dh Han: 1885 unternahm Prinz F. eine mehrmonatiche Reise nach Agypten und Palästina in Begleitung des Professors Brugsch und mehrerer Offiziere. Aus seiner Ehe mit der Prinzessin Marie Anna von Anhalt sind drei Töchter und ein Sohn entsprossen: Prinzessin Marie, geb. 14. Sept. 1855 vermählt 24. Aug. 1878 mit dem Prinzen Heinrich der Niederlande, seit 13. Jan. 1879 Witwe; Prinzessin Elisabeth, geb. 8. Febr. 1857, vermählt 18. Febr. 1878 mit dem Erbgroßherzog August von Oldenburg; Prinzessin Luise Margarete, geb. 25. Juli 1860, vermählt 13. März 1879 mit dem Prinzen Arthur von Großbritannien, Herzog von Connaught;: Prinz Friedrich Leopold, geb. 14. Nov. 1865.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 351Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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