Fritzlar, Kreisstadt im Regierungsbezirk Kassel der preuß. Provinz Hessen-Nassau, 26 km südwestlich von Kassel, steil über der Eder gelegen, die hier eine langgestreckte Insel bildet, ist Sitz eines Landratamts, eines Amtsgerichts und einer Oberförsterei. Außer andern Kirchen hat die Stadt die schöne Stiftskirche zu St. Peter mit zwei Türmen, ein ehemaliges Franziskanerkloster, eine Lateinschule sowie Handwerksschule und zählt (1880) 3021 meist kath. E., welche neben Ackerbau starke Töpferei und Gerberei treiben und acht Jahrmärkte unterhalten. — Das turm-und kirchenreiche, von Warten umgebene F. ist ein sehr alter Ort und die Wiege des Christentums im Hessenlande. Bonifacius, der 724 die dem Gotte Thor geweihte Eiche an der Stelle der jetzigen Peterskirche fällte, gründete 741 unweit südlich von F. auf dem Bürberge das Bistum Buraburg und zu Frideslaro selbst die St. Peterskirche, ein Kloster und eine Klosterschule. Witta, der erste Bischof und später Lehrer Karls d. Gr., und Wigbert, der die Schule leitete, wurden zu Heiligen erhöht, und ihre Gebeine gaben der neuen Abtei Hersfeld den ersten Glanz. Im J. 774 überfielen die heidnischen Sachsen F. und brannten es nieder. Vom Bürberge herüber ward 786 das Bistum nach F. selbst verlegt und mit dem Kloster vereinigt, und jener Ort schwand allmählich so, daß er um 1234 noch ein Städtchen, jetzt nur noch ein Bethaus ist. Schon unter dem zweiten Bischof wurde das Bistum von dem Kloster wieder getrennt und mit Mainz vereinigt. F. war die Residenz der Herzöge von Franken. Hier wohnte König Konrad I.; 919 fand zu F. die Wahl König Heinrichs I. durch die Franken und Sachsen statt; 1078 eroberte Rudolf von Schwaben die Stadt. Im J. 1232 erstürmten und verbrannten sie Landgraf Konrad von Thüringen und Friedrich von Treffurt aus Rache gegen den Erzbischof von Mainz, dem sie gehörte. Am 5. Juni 1400 wurde 6 km im Süden von F. bei dem Dorfe Klein-Englis der Herzog Friedrich von Braunschweig durch den Grafen von Waldeck ermordet. Die Schweden unter Baner lieferten bei F. 1640 den Kaiserlichen unter Erzherzog Leopold und Piccolomini mehrere Treffen. Im Siebenjährigen Kriege war die Stadt ebenfalls Kriegsschauplatz; namentlich schlug 1. Juli 1760 General Luckner einen überfall der Franzosen siegreich zurück; um den Rückzug des Herzogs von Broglie über Fulda zu decken, setzten sich die Franzosen mit 2000 Mann unter dem Marquis von Narbonne am 12. bis 15. Febr. 1761 hier fest und schlugen die Angriffe der Alliierten, von denen die Stadt mehrere Tage bombardiert wurde, ebenfalls siegreich zurück. F. bildete ehemals ein Fürstentum, das bis 1802 zum Erzbistum Mainz gehörte, dann hessisch wurde, 1807 zum Königreich estfalen geschlagen und 1814 an Hessen zurückgegeben ward. Mit der Annexion von Kurhessen (1866) wurde die Stadt preußisch. Bei dem heftigen Sturme vom 7. Dez. 1868 stürzte der südwestl. Turm der Stiftskirche ein, zertrümmerte teilweise das Mitteldach der Kirche und tötete 22 Menschen; 1873 wurde der Turm restauriert. — Der Kreis Fritzlar zählt auf 341 qkm (1880) 26 384 E. ritzower See, s. unter Dievenow. ritzsche (Adolf Thesdor Hermann), Gen, geb, 3. Juni 1818 zu Groitzsch in Sachsen, ein Sohn des dortigen Pfarrers Johann Dorotheos F. (eines Bruders des Theologen Christian Friedrich F.), besuchte die Nikolaischule in Leipzig, widmete „sich seit w1836 auf der dortigen Universität unter Hermann philol. Studien, habilitierte sich dann 1844 zu Gießen, wo er 1849 eine außerord. Professur erhielt, und siedelte 1850 nach Leipzig über, wo er seitdem als außerord. Professor exegetische, „santiquarische und grammatische Vorlesungen hielt und eine griech. Gesellschaft leitete. Er starb da⸗ )selbst 9. Febr. 1878. Fis philol.⸗kritische Arbeiten erstrecken sich vorzugsweise auf Aristoteles und Theokrit. Dahin gehören die Ausgabe des 8. und 9. Buchs von des erstern Ethica Nicomachea (Gieß. 1847) und der Ethica Eudemia (Regensb. 1851), sowie die geschätzten Ausgaben des Theokrit lmit deutschem Kommentar, Lpz. 1857; 2. Aufl. 1869; größere Ausgabe mit kritischem und exegetischem Kommentar, 2 Bde., Lpz. 1864 - 69) und der Satiren des Horaz (2 Bde., Lpz. 1875—76). Von seinen übrigen Schriften sind noch zu nennen: Zu Theokrit und Virgile (Opz. 1860), Horaz und sein Einfluß auf die Lyrik der Deutschene (Lpz. 1863), Der gute Mann bei Pindar (Lpz. 1876). Auch hat sich F. als Dichter in lat. und deutscher Sprache, letzterer unter anderm in der Sammlung «Hebe und Charis »„ (Lpz. 1849) bekannt gemacht.