FeedFritzsche (Christian Friedr.)
ReligionBrockhaus 1882

Fritzsche (Christian Friedr.), prot. Theolog, geb. 17. Aug. 1776 zu Nauendorf bei Zeitz, besuchte das hallische Waisenhaus und widmete sich dann zu Leipzig theol. Studien, ward 1799 Pfarrer zu Steinbach bei Borna in Sachsen, 1809 Superintendent zu Dobrilugk, 1827 Honorarprofessor und 1830 ord. Professor der Theologie zu Halle. Er starb 19. Okt. 1850 zu Zürich bei dem jüngsten seiner drei Söhne. F. war vorzugsweise als akademischer Lehrer thätig. Anfangs Supernaturalist, trat er später dem Rationalismus näher. Von seinen zahlreichen Abhandlungen für Zeitschriften und Gelegenheitsschriften erschien eine Anzahl in der von ihm mit zwei seiner Söhne herausgegebenen Sammlung «ritzschiorum opuscula academicay (Lpz. 1838), welcher später aus der letzten Zeit seines akademischen Wirkens Nova opuscula acadeéemica (Zür. 1846) folgten. Sein ältester Sohn, Karl Friedrich August F., geb. 16. Dez. 1801 zu Steinbach bei Borna, befuchte die Thomasschule, seit 1820 die Universität zu Leipzig, wo er sich 1823 habilitierte und 1825 außerord. Professor wurde. Er folgte 1826 einem Rufe als ord. Professor der Theologie nach Rostock, von wo er in gleicher Eigenschaft 1841 nach Gießen ging; hier starb er 6. Dez. 1846. F. hat sich um die Exegese des Neuen Testaments große Verdienste erworben. Namentlich trug er wesentlich dazu bei, daß die Resultate der neuern Philologie auch der Theologie zugute kamen. Sein Hauptwerk ist der „Kommentar über den Römerbriefs (3 Bde., Halle 1836—43). Erwähnung verdienen auch die Kommentare zum Matthäus (Lpz. 1826) und zum Markus (Lpz. 1830). Der zweite Sohn Christian Friedrich F.s, Franz Volkmar F., geb. 26. Jan. 1806 zu Steinbach bei Borna im Königreich Sachsen, besuchte das Gymnasium zu Luckau und studierte I 1822 zu Leipzig unter Beck und Hermann Philologie. Nachdem er einige Jahre als Kollaborator an der Thomasschule daselbst gewirkt, folgte er einem Rufe als Professor nach Rostock, wo er seitdem ununterbrochen gelehrt hat. Als erste Frucht seiner Studien erschien die Ausgabe von Lucians Alexander, Demonax, Gallus eto.„ zugleich mit den Quaestiones Lucianeaen (pz. 1826), der die «Commentationes de atticismo et orthographia Lucianie (Rost. 1828) und eine folgten. Später wendete er seine Thätigkeit vorzuglich dem Aristophanes zu. In mehrern Abhandlungen, sowie in den Ausgaben der Thesmophoriazusaen (Lpz. 1838) und der »Ranae (Lpz. 1845) zeigte er außerordentliche Belesenheit und ein tiefes Eingehen in das Wesen der griech. Komödie. F.s Hauptwerk aus späterer Zeit ist die kritische Ausgabe der sämtlichen Werke Lucians (Bd. 1—3, Rost. 1860—74). Außerdem hat er in einer großen Anzahl akademischer Schriften eine Menge beachtenswerter Bemerkungen zur Kunde des klassischen Altertums, insbesondere auch zur griech.⸗röm. Metrik und Kritik der griech. Tragiker, der röm. Lustspieldichter, des Hyperides u. s. w. niedergelegt. Der jüngste Sohn Christian Friedrich F.8, Ott o Fridolin F., geb. 23. Sept. 1812 zu Dobrilugk, studierte seit 1831 zu Halle Theologie, habilitierte sich hier 1836, ging 1837 als außerord. Professor nach Zürich, wo er 1842 ord. Professor und 1844 Oberbibliothekar der Kantonsbibliothekwurde. Von seinen Schriften sind besonders hervorzuheben: De Theodori Mopsvesteni vita et scriptis‘ (Halle 1836), die kritischen Ausgaben der Confessio Helvetica posterioro (Zür. 1839), des Lactantius 2 Bde., Lpz. 1842—44), der exegetischen Fragmente des Theodor von Mopsveste zum Neuen Testament (Zür. 1847), der 9— übersetzung des Buchs Esther (Zür. 1848), des Buchs der Richter Gür. 1867), der Schrift Anselms Cur dens homoy (Zür. 1868) und der alttestamentlichen Apokryphen (Lpz. 1871). Zu dem von ihm in Gemeinschaft mit W. Grimm geschriebenen Kurzgefaßten exegetischen Handbuche zu den Apokryphen des Alten Testamentso (Lpz. 1851—59) bearbeitete er die erste (das dritte Buch Esra, die Zusätze zum Buch Esther und Daniel, das Gebet Manasse, das Buch Baruch und den Brief des Jeremias), zweite (Tobi und Judith) und fünfte Lieferung (Jesus Sirach!.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 368Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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