FeedFriedberg in der Wetterau
ErdkundeBrockhaus 1882

Friedberg in der Wetterau, Kreisstadt in der hess. Provinz Oberhessen, auf einer Anhöhe rechts an der Usa gelegen, an den Linien Kassel-Marburg-Frankfurt und Hanau-F. der Preußischen Staatsbahn, Sitz eines Kreisamts, eines Amtsgerichts und anderer Behörden und zählt (1880) 4825 meist prot. E. Es bestehen in F. ein evang. Prediger⸗ und ein Lehrerseminar, eine Taubstummen⸗ und eine Blindenanstalt, eine Realschule und eine Ackerbauschule. Von den zwei Kirchen des Ortes ist die eine im reinsten got. Stil 1290—1320 erbaut. Sehenswert sind das alte, aus dem 12. oder 13. Jahrh. stammende Judenbad und der über 24 Bogen führende, 20 m bohe und 350 mlange Biadukt der Frankfurt-Gießener Eisenbahn. Einen besondern Stadtteil bildet die Burg, Burg F. genannt, welche ehedem der Sitz einer mächtigen, unter einem Burggrafen stehenden ritterschaftlichen Verbindung war, jetzt aber die Gebäude des Lehrerseminars und ein Schloß des Großherzogs mit reizenden Anlagen und Gärten umschließt. Die Bewohner Fis betreiben Ackerbau, städtische Gewerbe und Handel, besonders mit Landesprodukten, und unterhalten mehrere Lackfabriken, Gerbereien, Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VII. Handschuhfabrikation, bedeutende Bierbrauereien und eine Fabrik von chem. Präparaten für die Photographie, besonders von Albuminpapier. Die Stadt, ursprünglich aus röm. Niederlassungen hervorgegangen, wie zahlreiche Gegenstände beweisen, wurde 1211 zur Freien Reichssladt durch Kaiser Friedrich II., der in der Burg daselbst ur Schutz der kaiserl. Güter 1252 eine adelige Burgmannschaft stiftete, die bald ansehnliche Güter in der Umgegend erwarb, auf der rhein. Bank saß, mit der Stadt in häufigen Zwiespalt geriet und erst 1801 aufgelöst wurde. Zu F. war es, wo Luther 29. April 1521 den kaiserl. Reichsherold zurückschickte und im Juli 1599 die übereinkunft der Protestanten geschlossen wurde. Am 12. Dez. 1634 kapitulierte K an die Ligisten. Anfang 1640 wurde es von den Weimaranern, 13. Dez. 1640 von den Kaiserlichen eingenommen, am 8. und 9. Okt. 1645 aber von den Hessen vergeblich bestürmt. Am 1. Sept. 1762 siegten die Franzosen unter Conde über die Verbündeten unter dem Erbprinzen Ferdinand von Braunschweig an dem 4 km nordwestlich von Nauheim gelegenen Johannisberg, 10. Juli 1796 bei F. selbst unter Jourdan über die Osterreicher unter Wartensleben. Im J. 1802 kam F. an Hessen. Vgl. Dieffenbach, Geschichte der Stadt und Burg F. in der Wetterau» (Darmst. 1857).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 305Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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