Fröbel (Friedr.), verdienstvoller Pädagog, geb. 21. April 1782 zu Oberweißbach in Schwarzburg-Rudolstadt, wo bun Vater, Joh. Jak. F. (gest. 1802), Pfarrer war, kam 1797 zu einem Förster in die Lehre, beschäftigte sich während derselben vielfach mit Geometrie und Naturwissenschaften und bezog 1799 die Universität Jena, wo er seine mathem. und naturwissenschaftlichen Studien fortsetzte. Nachdem er 1802 als Aktuar in einem Forst⸗ und Rentamte bei Bamberg angestellt worden war, fand er 1803 als Geometer ttt in Bamberg, ging dann 1804 als Sekretär eines Landedelmann? nach Mecklenburg und später nach Frankfurt a. M. als Lehrer an einer Unterrichtsanstalt. Hier widmete er sich ganz der Pädagogik und nahm besonders Pestalozzi zu seinem Vorbilde, an dessen Institut zu Pperdun er 1808 — 10 auch als Lehrer wirkte. Das Bedürfnis einer wissenschaftlichen Durchbildung führte F. hierauf zum Besuch der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VII. Universität Göttingen, dann Berlins, wo er an der Pestalozzischen Schule Plamanns thätig war. Während des Freiheitskriegs nahm er im Lützowschen Freikorps an den Feldzugen von 1813 und 1814 teil. Die Stelle eines Inspektors des mineralog. Museums zu Berlin, die er nach dem Frieden erhalten, legte er schon 1816 nieder, um zu Griesheim bei Stadt-Ilm eine eigene Erziehungsanstalt zu begründen, welche er kurz darauf, verbunden mit Langethal und Middendorf, 1817 nach Keilhau bei Rudolstadt verlegte, und die bald durch tüchtige Lehrer, unter ihnen besonders Barop, Aufschwung nahm. Seinem pädagogischen System suchte er durch verschiedene Schriften, wie Die Menschenerziehunge (Bd. 1, Keilhau 1826), in größern Kreisen Eingang zu verschaffen. Nach demselben besteht das Wesen der Erziehung darin, daß jede Seite menschlicher Thätigkeit im Individuum ausgebildet wird, aber keine vereinzelt, sondern alle in ein harmonisches Verhältnis gesetzt werden. Doch fehlte F. die Gabe, seine Ideen klar und einfach vorzutragen, und deshalb hat auch sein System vielfache Mißverständnisse und Anfeindungen erfahren. Ein unbezweifeltes Verdienst erwarb er sich um die Bildung der Kinder im zartesten Alter, indem er das Kinderspiel nach pädago ischen Grundsätzen organisch ordnete. So wurde er der Begründer der sog. Kindergärten (s. d.), deren ersten er zu Blankenburg am Thüringerwalde einrichtete. Rachdem er später noch einige Zeit in der Schweiz gelebt, wo er zu Burgdorf und Willisau für seine Lehrweise Anstalten gründete, kehrte er nach Deutschland zurück und wandte seit 1837 seine Thätigkeit ausschließlich der Erziehung der ersten Kindheit zu. Im Begriff, zu Marienthal bei Liebenstein eine Lehranstalt zur Bildung von Erzieherinnen für kleine Kinder zu errichten, starb er daselbst 21. Juni 1852. F.s Buch: Kommt, laßt uns unsern Kindern leben»(Blankenb. 1844), für die Unterweisung kleiner Kinder bestimmt, hat vielen Beifall gefunden, wogegen seine »Mutter⸗ und Koseliedero neben Lalter Bemerkungen viele leere Reimereien enthalten. Während seine Kindergärten anfänglich viele Angriffe en hultis ist diese F.sche Schöpfung jetzt fast in allen kultivierten Staaten eingeführt. Fs gesammelte pädagogische Schriften hat Lange 2 Abteil., Berl. 1862—63; Abteil. 2, 2. Aufl., 1874) herausgegeben. Vgl. Bühlmann, «Friedrich F. und der Kindergarten » (Frauenfeld 1871); Hanschmann, Friedrich F., die Entwickelung seiner Erziehungsidee in seinem Leben» (Bielef. 1874); Goldammer, Friedrich F., der Begründer der Kindergarten-Er uh »(Berl. 1880). röbel (Jul.), deutscher Publizist und Politiker, geb. 16. Juli 1805 zu Griesheim bei Stadt-Ilm, wo sein Vater, ein Bruder Friedrich F.s, Pastor war, besuchte seit 1815 erst das Gymnasium zu Rudolstadt, dann bis 1824 die Erziehungsanstalt seines Oheims in Keilhau. n den J. 1825 und 1826 war F. mit topogr. Aufnahmen und Zeichnungen zur Fortsetzung der Bohnenberger-Ammanschen Karte von Schwaben beschäftigt, studierte dann bis 1828 an der münchener Universität und beschäftigte sich darauf in Weimar mit geogr. und andern litterarischen Arbeiten, besuchte zur Vollendung seiner Studien erst Jena, dann Berlin und folgte 1833 einem Rufe nach Zurich, wo er an der Industrieschule lehrte und zum Professor der Mineralogie an der Hochschule ernannt wurde. In dieser Stellung veröffentlichte er die Grundzüge eines Systems der Krystallologier (Zür. 184⁴3; 2. Aufl., Lpz. 1847). Bereits seit 1838 Bürger im Kanton Zürich, führten ihn die Bewegungen des J. 1838 auf das Gebiet der Politik, und zwar in die Reihen der radikalen Opposition. Gegen 1844 gab F. seine Professur auf, um sich dem Betriebe des einige Jahre vorher von ihm begründeten Citterarischen Comptoiro zu Zürich und Winterthur zu widmen, siedelte aber 1846 nach Deutschland über und lebte bis zur Februarrevolution in Dresden. Während der Bewegung des J. 1848 gewann er bei den demokratischen Vereinen eine wachsende Popularität und präsidierte auch dem in Frankfurt tagenden Kongreß derselben. In den Fürstentümern Reuß für die Nationalversammlung gewählt, schloß er sich dem Klub des Aben mit m10 an und ging als Abgeordneter desselben mit Robert Blum im Okt. 1848 nach Wien, wo er nach der Occupation der Stadt verhaftet und, vor ein Kriegsgericht estellt, vum Tode verurteilt, jedoch vom Fürsten Windischgrätz begnadigt und aus Ssterreich verwiesen wurde. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt veröffentlichte er Briefe über die wiener Oktoberrevolutiono (Frankf. 1849). Nachdem F. sich an den letzten Schicksalen der Nationalversammlung beteiligt, wandte er sich nach der Schweiz zurück, von da 1849 nach Nordamerika, wo er sich anfangs zu Neuyork industriellen Unternehmungen widmete. Von 1850 bis 1857 bereiste er den größten Teil von Nord- und Mittelamerika und hielt sich unter anderm in Nicaragua, Mexiko, Californien und Honduras längere Zeit auf. Nachdem er sich 1856 zu Neuyork mit der Gräfin Karoline von Armansperg, der Tochter des bayr. Ministers und griech. Erzkanzlers, vermählt, kehrte er 1857 nach Europa zurück und wandte sich, durch die seit 1860 in Ssterreich zur Geltung gelangte polit. Strömung veranlaßt, 1862 nach Wien. Hier entwickelte F. eine lebendige polit.⸗litterarische Thätigkeit, welche auf die Förderung der großdeutschen Politik berechnet war. Im J. 1866 verließ er Wien und gründete 1867 I München die »Süddeutsche Presseß, welche er bis 1873 in gemäßigt liberaler Tendenz redigierte. In letzterm Jahre wurde F. zum Konsul des Deutschen Reichs in Smyrna ernannt; in gleicher Eigenschaft fungiert er seit Anfang 1876 in Algier. Die von F. früher im „System der sozialen Politik' (2 Bde., Mannh. 1847) ausgesprochenen Ansichten erschienen später in seiner Theorie der Politiks (2 Bde., Wien 1861—64), welcher er 1878 «Die Gesichtspunkte und Aufgaben der Politiko (Lpz. 1878) folgen ließ, vielfach modifiziert und weiter durchgebildet. Als Frucht seiner Erlebnisse in Amerika veröffentlichte er Aus Amerika. Erfahrungen, Reisen und Studienv (2 Bde., Lpz. 1857—58; engl. von F. selbst, Lond. 1859). Eine Reihe kleinerer publizistischer Arbeiten vereinigte er unter dem Titel Kleine polit. Schriftend (2 Bde., Stuttg. 1866). Später veröffentlichte er das umfassende kulturhist. Werk Die Wirtschaft des Menschengeschlechts auf dem Standpunkte der Einheit idealer und realer Interessend (3 Bde., Lpz. 1870—76). In letzter Zeit ist von ihm die kleine Schrift «Die realistische Weltansicht und die utilitarische Civilisationo (Lpz. 1881) erschienen.