FeedFußbäder
HeilkundeBrockhaus 1882

Fußbäder dienen teils als Reinigungsmittel, teils zu mannichfachen Heilzwecken, und wirken je nach der angewendeten Temperatur, Dauer und Ausführung un z verschieden. Hinsichtlich ihrer usführung ist zu betonen, daß nicht blos die Füße, Waser auch die Waden im Bade sein und daß das asser gleichmäßig temperiert sein solk, daß nach dem Bade die Füße vollständig getrocknet und mit Wollzeug abgerieben werden und darauf jede Erkältung der Füße vermieden werden muß, weshalb man F. am besten des Abends vor dem 190 fe nach der nimmt. Die Dauer des Fußbades soll je nach dem beabsichtigten Zwecke entweder nur mehrere Minuten (kaltes Bad) oder bis zu einer Viertelstunde und darüber (warmes Bad) betragen. Heiße F. (von 35 — 45 C.) bewirken einen vermehrten Blutzufluß zu den untern Extremitäten, und finden deshalb als wohlthätiges und schnellwirkendes Ableitungsmittel bei Kopf⸗ und Zahnschmerzen infolge von Blutandrang nach dem Kopfe, bei Brustbeklemmung, verzögerter und unregelmäßiger Menstruation u. dgl. vielfache Anwendung. Um ihre ableitende Wirkung durch Reizung der Hautnerven noch zu erhöhen, setzt man no Asche (4 — 5 Hände voll), Senfmehl (1 Hand voll), Soda oder Kochsalz (2 Hände voll) oder geriebenen Meerrettich zu der gewöhnlichen Wassermenge (11½ Eimer) eines warmen Fußbades hinzu (sog. geschärfte F.), während sich bei Vorhandensein von Frostbeulen oder Fußgeschwüren der Zusatz von Alaun (2—3 Eßlöffel), Eichen-oder Ulmenrindenabkochung und ähnlichen adstringierenden Mitteln empfiehlt. Nachteilig wirken die heißen F. dagegen bei allen Reizungszuständen in den Beckenorganen (Blase, Mastdarm, Gebärmutter), weil sie nicht bloß einen vermehrten Blutzufluß zu den untern Extremitäten, sondern auch zum Becken und seinen Organen veranlassen und dadurch leicht Entzündungen und krankhafte Blutflüsse derselben verursachen können; menstruierende und schwangere rauen dürfen deshalb unter keinen Umständen eiße F. gebrauchen. Ganz entgegengesetzt den eißen wirken kalte F., indem sie das Blut von den Füßen hinweg nach Brust und Kopf hinleiten, weshalb schwächliche oder an organischen Krankheiten leidende Personen die Füße nicht kalt baden durfen. Auf jeden Fall sind nach einem kalten Fußbade die Füße nach dem Trocknen tüchtig zu frottieren, schnell zu bekleiden und alsbald in Bewegung zu versetzen. ußboden, eine künstlich hergestellte, ebene, meist horizontale Fläche, welche zum Begehen dient. Je nach Ortlichkeit, Unterlage und Zweck der F. werden dieselben aus verschiedenem Material und in verschiedener Weise hergestellt. Man unterscheidet im allgemeinen Stein⸗, Estrich⸗ und Holzfußböden. Die Steinfußböden (Pflasterungen genannt), welche vorwiegend in sudl. Klimaten, bei uns im Freien, in Kellern, Stallungen und überal da angeordnet werden, wo Kühle oder Feuersicher * es erfordern, werden entweder aus rohen oder earbeiteten natürlichen Steinen oder aus künst lichen (gebrannten oder gegossenen) Steinen gebildet. Es kommen hauptsächlich folgende Arter von Pflasterungen vor: 1) Das gewöhnliche, aus rundlichen Kieselgeschieben hergestellte, unregel mäßige (Schiebe⸗) Pflaster. 2) Das in besserer Weise aus regelmäßig bearbeitetem Granit, Basalt, Sye nit, Granulit u. s. w. bestehende Würfelpflaster beide werden auf Straßen, in Hausfluren, Höfen, in Stallungen, Kellern u. s. w. angewendet, erhalten eine Sandschüttung als Unterlage, und werden nach dem Einsetzen der Steine abgerammt und alsdann mit Sand überzogen. Dabei ist das nötige Gefälle für den Abfluß des Tagewassers (½ — ½ Proz.) zu beachten und letzteres durch Schnittgerinne abzuleiten. 3) Das Plattenpflaster oder die Täfelung, aus regelmäßig, meist quadratisch bearbeiteten Tafeln von Sandstein, Granit, Kalk⸗ und Thonschiefer u. s. w. bestehend. Von vorzüglicher Güte und Dauerhaftigkeit sind die sollinger (Weser⸗), die kehlheimer und solnhofener Platten. Man legt sie auf eine Unterlage von Beton oder Sand in Kalkmörtel. Für Trottoirs werden am besten gestuckte Granitplatten (bis zu 2m Länge) verwendet, diese in Sandbettung gelegt, in den Fugen mit Cement verstrichen und nach der Straße zu durch stärkere Bordsteine abgegrenzt. Von den künstlichen Steinen bilden zunächst die Ziegel, namentlich die härter gebrannten Klinker, das gewöhnlichste Material zu F., besonders in Kellern, Niederlagen, Küchen und selost bei Straßen. Man unterscheidet das flache oder liegende (½ Stein starke), nur für geringern Lastenverkehr geeignete, und das hochkantige oder stehende, für stärkere Inanspruchnahme in Ställen, Durchfahrten, Straßen geeignete Ziegelpflaster. Für manche Fälle und der größern Ausnutzung wegen ist es vorteilhafter, statt des letztern zwei Flachschichten übereinander zu legen. Das Ziegelpflaster wird am besten auf Sandunterlage und in Mörtelfugen verlegt. — Am verbreitetsten und schönsten sind die aus plattenartig geformtem künstlichen Material, wie Steingut, Cement, Cementterrazzo, Asphalt u. dgl. hergestellten Fußböden, sowohl wegen ihrer Dauerhaftigkeit wie durch Farbenschönheit ausgezeichnet. Unter diesen haben besonders die sog. mettlacher Platten (Fabrik von Villeroy u. Boch) einen wohlverdienten Ruf erlangt. — F., welche aus einer erhärtenden Masse und aus dem Ganzen bestehen, nennt man Estriche (s. d.). Die Holzfußböden sind die für die Wohnräume in unserm Klima zweckmäßigsten, und werden sowohl in Erdgeschossen auf dem Erdboden und auf Gewölben, als auch in Obergeschossen auf Balkenunterlage hergestellt. In ersterm Falle sind besondere Lager⸗ oder Polsterhölzer zur Befestigung der Dielenbretter nötig, die in Entfernungen von 85—100 em, je nach der Stoßlänge der Bretter, verlegt und mit trockenem Füllmaterial gut unterstampft und verfüllt werden. Zur Verhütung des Holzschwammes, der hier sehr oft auftritt, empfiehlt es sich, die etwa vorhandene Feuchtigkeit des Untergrundes durch Beton- oder Ziegelschicht mit Asphaltüberzug zu isolieren oder durch Luftkanäle zu ventilieren und die größte Vorsicht durch Auswahl trockener Füllung, am besten zerschlagener Lehmziegel, anzuwenden. — In den obern Stockwerken dienen die Balkenlagen (s. d.), welche mit Rücksicht auf die Länge und Stärke der Dielenbretter in Entfernungen von 85 — 95 em eingeteilt sind, zur Befestigung der Dielenbretter. Betreffs der F. selbst unterscheidet man: 1) Den gewöhnlichen Bretter⸗-oder Dielenfußboden. Die 3—3½ em starken und 25 —30 em breiten Bretter werden entweder nur gefügt, d. h. an den schmalen Seiten glatt behobelt und stumpf zusammengestoßen (in Erdgeschossen und bei Tafeldielung), oder sie werden, um eine größere Dichtheit zu erreichen, auf Nut und Feder verbunden (gespündet, daher auch: Spündebretter), oder endlich auf beiden Seiten genutet und mittels besonders eingesetzter Federn verbunden; letzteres ist holzsparender. An jeder Auflagenstelle wird das Brett mit zwei Nägeln von entsprechender Länge befestigt. 2) Um die vielen Fugen der gewöhnlichen Dielung zu vermeiden, verleimt man 2—3 schmale Bretter zu einer breitern •* (Tafeldielung), wobei allerdings weniger, aber um so breitere Schwindfugen entbeher 3) Werden größere Brettflächen durch hartölzerne Rahmen eingefaßt, so erhält man eingeaßten oder Friesfußboden, eine Art Parkett; ch ist derselbe nicht zweckmäßig, weil sich die weichen Füllungen eher abnutzen als die harthölzernen Friese und letztere mit der Zeit vorstehen. 4) Bei dem Stab⸗(wiener oder Schiffs⸗) Fußboden werden schmale harthölzerne Bretter, Riemen oder Stäbe genannt, gewöhnlich in schräger Richtung dder Laden (in Fischgrätenmuster) über die Balken oder Lagen gelegt und dabei unter sich entweder durch eingesetzte Federn von Bandeisen oder Zwercholz verbunden und mittels versteckter Nagelung festigt. In feuchten Hreltchen 1n 4ʃ8 legt man auch diese Riemen oder Brettchen in Asphalt, wobei sie mit schwalbenschwanzförmigen Nuten auf ihrer Unterseite versehen und so lange in die heißflüssige Unterlage eingedrückt werden, bis dieselbe erstarrt ist. 5) Der eleganteste und dauerhafteste Holzfußboden ist das Parkett, bei dem der ganze F. aus einzelnen quadratischen Tafeln zusammenlnmg. wird, die auf einer besondern rauhen Dieung, dem Blindboden, befestigt werden. Man unterscheidet massive, d. h. ganz aus hartem Holz (gewöhnlich Eichenholz) zusammengesetzte Parketts und fournierte Parketts. Letztere haben eine Unterlage von weichem Holz, die mit aufgeleimten eirca 0½5 em starken Fournieren versehen ist, und gestatten eine reichere Anordnüng von Mustern. — Die unter 1—4 beschriebenen hölzernen F. werden, da sie mit der Zeit grau und rissig werden, behufs bessern Aussehens und leichtern Reinigens mit Firnis⸗ und Olfarbenüberzügen versehen und lackiert (3.B. mit F.⸗Glanzlack); die Parketts dagegen werden mit aufgelöstem Wachs getränkt (gebohnt) und durch Bürsten mit Glanz versehen (gewichst). Endlich ist noch des Holz- oder Stöckelpflasters Erwähnung zu thun, welches ein geräuschloses Pflaster für Straßen und Hausfluren abgibt; es muß in Asphalt gelegt werden, wenn es wasserdicht sein soll. — Über eiserne Fußböden (Pflaster) liegen wenig günstige Erfahrungen vor; dagegen sind Glasfußböden für möglichst zu erhellende Räume von großem Vorteil. ußbodenwichse, s. unter Wichse. usteisen, s. Fußangeln. üssen, Stadt und Hauptort des gleichnamigen Bezirksamts im bayr. Regierungsbezirk Schwaben-Neuburg, Grenzort gegen Tirol, romantisch am Fuße der Alpen und am linken Ufer des Lech in 797 m Höhe über dem Meere gelegen, nach den Schlünden und Gefällen (auces) desselben benannt, hat durch seinen Paß auf der Lechstraße, welche von hier die Algauer Alpen in den verschanzten Felsgassen des Kniepaß und der Ehrenberger Klause durchschneidet, um dann doppelt verzweigt ins Innthal zu münden, auch militärische Wichtigkeit. Der Ort, 32 kmeim SSO. von Station Oberdorf und 40 km im SO. von Station Kempten der Bayrischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Bezirks⸗ und Rentamts, eines Amtsgerichts sowie eines Nebenzollamts und zählt (1880) 2606 zumeist kath. E., welche Gewerbe, Landwirtschaft, Holzflößerei treiben und lebhaften Handel mit Tirol unterhalten. Es befindet sich daselbst eine bedeutende Seilerwarenfabrik (Aktiengesellschaft), welche bei 600 Arbeiter beschäftigt und ihre Fabrikate in alle Länder absetzt; Herstellung von Grabsteinen u. s. w. aus den nahen Marmorbrüchen. Die altertümliche umfangreiche Burg, 1322 vom Bischof Friedrich von Augsburg kühn auf hohem Felsen erbaut und lange den augsburger Bischöfen gehörig, in neuerer Zeit von König Ludwig I. teilweise (namentlich der Rittersaal mit der schön bemalten Holzdecke und die Kapelle restauriert) hergestellt, bietet einen herrlichen Überblick über die ganze Umgegend und ist historisch merkwürdig eworden durch den daselbst 22. April 1745 zwischen ayern und Ssterreich geschlossenen Frieden, infolge dessen ersteres restituirt ward, dafür aber allen Ansprüchen auf das österr. Erbe entsagte, die Pragmatische Sanktion als rechtsgültig anerkannte und bei der neuen Kaiserwahl seine Stimme dem Großherzog Franz zu geben versprach. Das daneben stehende alte Kloster St. Mang oder die Benediktinerabtei Faucena (oder ad Fauces), 638 vom Apostel des Algaus, dem heil. Magnus, Schüler des Columbanus, gegründet und von Pipin reich begabt, 788 zerstört, aber vom augsburger Bischof Sigmund wiederhergestellt, enthält einen sehenswerten Speisesaal, in der Stiftskirche (erbaut 1701 — 17) merkwürdige Bilder und Grabsteine alter Geschlechter, im Chor derselben ein sehr altes Bild Karls d. Gr. und in der 1840 entdeckten, aus dem 10. Jahrh. stammenden roman. Krypta, vielleicht die Grabstätte des heil. Magnus (gest. 654), Kelch, Stola und Stab dieses Apostels; in der St. Annakapelle ein zu Anfang des 17. Jahrh. gemalter Totentanz in 20 Abteilungen und ein gut in Holz geschnitzter Christus am Kreuz. Auf dem rechten Lechufer steigt der sehr interessante und aussichtsreiche Kalvarienberg auf. In der Nähe der Stadt ist ein Gesundbrunnen (Schwefelquelle) bei schönste bach und 1 km oberhalb derselben die schönste Stromschnelle auf deutschem Boden, der Lechdurchbruch St. Mangstritt, wo der heil. Magnus den —— überschritten haben soll. Ungefähr 4 km im SO. von der Stadt liegt das Schloß Hohenschwangau (s. d.). F. (im Mittelalter Fauces, Fuozzin genannt, im Pagus Keltinstein gelegen) entstand um das St. Magnuskloster, gehörte einft zu den Besitzungen der Welfen, kam 1191 an die Hohenstaufen und durch Verpfändung 1226 an den Herzog Ludwig von Bayern. Unter König Friedrich III. dem Schönen gelangte 1313 die Vogtei daselbst an die Bischöfe von Augsburg. Um diese Zeit wurde der Ort zur Stadt erhoben und mit Mauern umgeben. Im Schmalkaldischen Kriege ward F. 1546 von Schärtlin von Burtenbach eingenommen, 1552 von Moritz von Sachsen, 1632 von den Schweden überrumpelt, 1646 von ebendenselben eingenommen, gebrandschatzt und geplündert. Am 13. Sept. 1796 wurden hier die Franzosen unter General Tarneau von den Esterreichern, 11. Juli 1800 dagegen diese von jenen, und 18. Aug. 1805 die Württemberger von den Tirolern zurückgeschlagen. Die Stadt kam nebst der Burg 1802 bei der Säkularisation des Hochstifts Augsburg an Bayern, das St. Mangskloster aber mit allen Einkünften an den Fürsten von Ottingen-Wallerstein, von welchem es 1837 an die Freiherren von Ponickau überging. ö shammer oder Tellerhammer, bei Klempnern und Kupferschmieden ein Hammer zum Treiben von Blechgegenständen; auch ein durch Fußtritt bewegter kleiner Schmiedehammer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 429Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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