FeedGabinus
ErdkundeBrockhaus 1882

Gabinus oinctus (in regelmäßiger Wortstellung einctus Gabinus) war eine Art, die Toga zu gürten, welche ihren Namen von der Stadt Gabii (s. d.J hat. Man zog dabei den Zipfel, der sonst beim Umlegen der Toga zuletzt über die linke Schulter zurückgeworfen wurde, um den Leib herum und gürtete so das ganze Gewand mit ihm fest. Nach den Angaben der Alten war die Toga in dieser Gürtung das älteste Kriegsgewand. Während dann aber die so gegürtete Toga einer praktischern Kriegskleidung weichen mußte, erhielt sich die altertümliche Tracht bei gewissen formellen Akten, wie bei dem testamentum in procinctu, d. h. in der (Gabinischen) Gürtung, welches der Bürger im Felde er 3 letztwillige mündliche Erklärung vor drei oder vier Zeugen machen konnte, eine Testamentsform, die indes zu Ciceros Zeit auch schon längst abgekommen war; ferner bei der Devotion, der Offnung des Janustempels, der rituellen Stadtgründung, bei den Amburbien, einem feierlichen Umzug mit den Opfertieren um die zu sühnende Stadt mit nachfolgendem Opfer, und verschiedenen andern Opfern. Ganz verschieden von diesem cinetus Gabinus ist die ebenfalls einetus Gabinus genannte Tracht der Konsuln der spätern röm. Kaiserzeit, wie diese Tracht auf den kostbar verzierten Deckeln der Diptychen (d. h. der doppelten, zusammenzuklappenden Schreibtafeln, welche in der spätern Kaiserzeit die Konsuln beim Amtsantritt zu verschenken pflegten) abgebildet ist. Was nach damaliger Bezeichnung eine in einetus Gabinus umgelegte Toga hieß, glich einem modernen, seidenen, in weiten Falten rings um den Leib geschlagenen, dann von dem linken Arme aufgenommenen und hinter diesem herabhängenden Umschlagetuch. Vgl. Vögelin, Das zürcherische Diptychon des Konsuls Areobindus» (Zürich 1857), und Meyer, 4Zwei antike Elfenbeintafeln in München » (Abhandlungen der königl. Bayrischen Akademie der Wissenschaften », XV, 1, 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 442Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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