FeedGürtel
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Gürtel (cingulum, balteus, zona) ist in Tracht, Sitte und Sage von vielfacher Bedeutsamkeit. Im G. der Aphrodite sind alle das Herz berückenden Zauber vereinigt, selbst die stolze Here muß ihn leihen, soll Zeus sich ihr in Liebe nahen. Bei der Neuvermählten hatte im Altertum das Lösen des G. auch eine symbolische Bedeutung. Das cingulum militare verlieh bei den Römern einen gewissen Rang, der, wennschon in anderer Weise, auch im Mittelalter damit verbunden war. Die Werwölfe, d. h. in Wölfe verwandelte Menschen. nahmen die Tiergestalt durch einen Zaubergürtel an. Unter den Kultgewändern der kath. Kirche wird die Alba mit dem G. geschürzt, der seit dem 16. Jahrh. die Form einer Corde hat, und desgleichen gürtet sich schon im Alten Testament der jüd. Priester mit der Leibbinde von Byssus und Wolle, die 32 heilige Ellen lang sein mußte. Wolle und Leinwand, ebenso Leder waren überhaupt das Material, woraus von jeher der G., dies notwendige Stück zum Schürzen der langen Gewande, vorzüglich bestanden hat; doch wurde er schon früh auch aus edlern Stoffen, selbst aus Silber und Gold, mit kostbaren Steinen besetzt, verfertigt. In der Heraldik zählt der G. oder die Binde zu den sog. Heroldsfiguren. Im Mittelalter bildete der G. ein hauptsächliches Stück des CE. Ananiehends sowie der ritterlichen Kleidung. (S. nachstehende Fig. 1 und 2.) So lange (in der Zeit vor dem 13. Jahrh.) die Kleider weit getragen wurden, war der G. eng und hatte den Zweck, das faltige Kleid um die Hüfte zusammenzuschnüren. Als aber die Kleider selbst anliegend, eng und geschnürt wurden, trug man den G. locker und schräg von der Hüfte herabhängend. Er bestand aus reicher Metallarbeit, meist aus breiten, beweglichen Gliedern, und führte in dieser Gestalt den Namen Dupfing oder Dusing. Im 14. und 15. Jahrh. wurde er auch mit Schellen behängt und so von Herren und Frauen getragen (Fig. 3). Zum Kostüm des 16. Jahrh. war er weniger notwendig. In dieser Zeit lag er wieder eng an und hatte bei den Frauen einen Dolch, eine Tasche oder den Schlüsselbund zu tragen. Als Schwertgürtel hatte er eine ähnliche Entwickelung durchzumachen, bis er im 17. Jahrh. von dem über die Schulter gelegten Degengehenk abgelöst wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 635Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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