FeedGaderthal
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Gaderthal, s. Enneberg. Gaedertz (Theod.), Kunstforscher, geb. 6. Dez. 1815 zu Lübeck, studierte 1835 —39 in Bonn und Göttingen die Rechtswissenschaft, dann in Berlin Kunstgeschichte, ließ sich 1840 als Advokat und Notar in seiner Heimatstadt nieder, wurde 1847 Prokurator am Oberappellationsgerichte, 1851 Berwaltungsbeamter des neu gebildeten Landamtes, 1871 erster Oberbeamter des vereinigten Stadt⸗ und Landamtes, sowie der Obervormundschaftsbehörde im lübeckischen Freistaate. In Lübeck wußte G. die künstlerischen Interessen als langjähriger Schriftführer und Direktor des dortigen Kunstvereins zu wahren und zu fördern, auch gründete er 1850 den Norddeutschen Gesamtkunstverein. G. begründete seinen Schriftstellerruf durch die Biographie Adrian van Ostade. Sein Leben und seine Kunsty (Lüb. 1869). In dem Streite über die Echtheit von Holbeins Madonna in Dresden und Darmstadt 1871 trat G. zu Gunsten des darmstädter Bildes auf in der Schrift „Hans Holbein der Jüngere und seine Madonna des Bürgermeister Meyero (Lüb. 1872). Zum Rubens-Jubiläum als Ehrengast von der nieder⸗ „Rubens und die Rubens-⸗Feier in Antwerpen v (Lpz. 1878). Außer einer Broschüre «Erinnerungen aus Wisbys Vorzeito (Lüb. 1883) erschien von ihm noch »Hans Memling und dessen Altarschrein im Dome zu Lübeckv (Lpz. 1883). Karl Theodor G., Sohn des vorigen, Litterarhistoriker, geb. 8. Jan. 1855 zu Lubeck, studierte in Leipzig und Berlin zuerst Jurisprudenz und Kameralia, dann Philologie und Sprachwissenschaft, hauptsächlich Germanistik, durchforschte darauf längere Zeit in Hamburg, Wolfenbüttel und anderwärts die Archive und Bibliotheken auf niederdeutsche Handschriften und Drucke und wurde 1880 an die königl. Bibliothek in Berlin berufen. G. machte sich zuerst durch seine preisgekrönte metrische Übersetzung von Corneilles „(Horatius „ (Lpz. 1875) bekannt; er übertrug ferner Racines 4Esther v (Lpz. 1876) und 4Britannicuso (Lpz. 1880), sowie Irvings «Skizzenbuch v (Lpz. 1878), das er mit einer Biographie und kritischen Anmerkungen ausstattete. eine plattdeutschen Dichtungen Julklapp! Leeder un Läuschen » (Hamb. 1879), die bald übersetzt und illustriert wurden, erwarben ihm einen hervorragenden Namen als Dialektdichter; auch sein plattdeutsches Stück «Eine Komödiev (Berl. 1880) fand großen Anklang. G. schrieb die Monographien 4Gabriel Rollenhagen. Sein Leben und seine Werkev (Lpz. 1881) und «„Johann Rist als niederdeutscher Dramatiker (Lpz. 1882), worin durchweg neue Quellen und Forschungen enthalten sind. Als Gelehrter hat G. sich mehr und mehr dem Spezialstudium der neudeutschen Litteratur mit Glück zugewandt und in umfangreichen aelent lungen bisher unbekanntes Material niedergelegt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 447Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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