Galacz, Galatz, Stadt in Rumänien, liegt an dem linken Ufer der Donau und nahe dem See Karamom oder Bratysch, zwischen den Mündungen des Sereth und Pruth, 15 Em oberhalb des letztern und 18 km unterhalb Braila, und ist durch eine 19 km lange Zweigbahn nach Barbosi mit der Eisenbahn Bukarest-Roman, durch eine Bahn nach Bender mit der russ. Südwestbahn verbunden. Der offene Ort ist amphitheatralisch auf und an einer gegen den Strom sanft abfallenden Erhöhung ausgebreitet, besteht aus der Altstadt und der in neuerer Zeit durch ganze Quartiere bedeutend erweiterten Neustadt und zählt etwa 80000 E., ein Gemisch von Moldauern, Griechen, Juden, Bulgaren, Ungarn, Armeniern, Italienern, Franzosen, Engländern, Deutschen u. w. Die Altstadt hat unregelmäßige, meist einstöckige Häuser, die auf der Höhe gelegene Neustadt ist mehr nach europ. Geschmacke gebaut. Unter den 23 Kirchen sind mehrere ansehnlich, darunter die griechische, die kath. Kirche und die Kathedrale St. Nicolai. G. hat auch eine luth. Kirche und einen israel. Tempel. Außer diesen hat die Stadt keine bemerkenswerten Gebäude. Sie ist der Hauptort des Distrikts Covurlui, Sitz der Kreisbehörde, eines Kriminal- und Landgerichts, eines Hauptzollamts, der Europäischen Donau-Kommission, der Pruth-Kommission und zahlreicher fremder Konsuln, hat 13 Primärschulen, 6 Sekundär⸗, 1 Handels⸗, 1 Handwerker⸗, 1 Vorbereitungsschule für Dorflehrer, 1 für Marinezöglinge, 1 Seminar und mehrere pinnter Sahafernem 1 Militär⸗ und 2 Civilhospitäler, 2 Kasernen, 1 Flottillenarsenal und einen schönen, als Straße benutzten Quai; der Freihafen ist seit 1883 aufgehoben. Es befinden sich hier ein Schiffswerft, zahlreiche Kornspeicher, beinahe sämtlich aus Holz, eine Filiale der Banca Nationala a Romanini und der Banque du Roumanie. Da von G. aus die (nur vom Dezember bis April ruhende) Seeschiffahrt auf der Donau beginnt (oder doch gewöhnlich nicht über Braila hinausgeht), so ist G. der Haupthafen und Hauptstapelplatz der untern Donauländer für den gesamten überseeischen Handel und nächst Wien und Pest der größte Handelsplatz an der ganzen Donau, mit lebhaftem Personen⸗, Schiffahrts⸗ und Handelsverkehr. Um 1835 hatte die Stadt erst 78000 E. Die Zahl stieg dann rasch auf 30000, und vom Frühjahr bis zum Herbst 1856, nachdem durch den Pariser Frieden die Donau den Schiffen aller Nationen freigegeben worden, wuchs sie von 50000 auf 70000 an, hauptsächlich durch Ansiedelung von Einwanderern, gegen welche die Rumänen fast verschwinden. Durch die Eröffnung der Eisenbahn über Itzkany und Ungheni nehmen die Produkte der obern Moldau den Weg über Galizien und Odessa, wodurch der Handel in G. abgenommen. Auch ist es in der Getreideausfuhr von Braila überflügelt worden. Der Vorhafen ist Sulina (s. d.) an der gleichnamigen Donaumündung. In den Hafen liefen 1880 ein 3713 Schiffe mit 676608 t, aus 2524 Schiffe mit 602325 t. Zu den Exportartikeln gehören in erster Linie Cerealien, namentlich Weizen und Mais, Gerste und Roggen, dann Wolle, Wachs, Honig, Eichen- und Fichtenholz, Holzwaren, Salz. G. besitzt 6 Buchdruckereien, 3 Lithographien, 1 große Dampfsäge, deren Fabrikate nach allen Häfen des Mittelmeeres versendet werden, 2 bedeutende Bierbrauereien, mehrere Dampfmühlen, 2 Kerzen-⸗ und mehrere Seifenfabriken. Bei G. lieferten die Russen im Nov. 1769 den Türken ein Treffen. Die erstern eroberten sodann die Stadt 1. Mai 1789, erlitten aber daselbst unter Geismar 18. Aug. eine Niederlage. Am 11. Aug. 1791 wurden zu G. Friedenspräliminarien zwischen Rußland und der Pforte geschlossen, denen der Definitivfriede zu Jassy 9. Jan. 1792 folgte. Die griech. Hetäristen schlugen sich hier 13. Mai 1821 mit den Türken, welche letztern am folgenden Tage die Stadt unter Jussuf Pascha ausmordeten und verbrannten. Am 10. Mai 1828 siegten bei G. nochmals die Russen über die Türken. Vom Frühjahr 1848 bis Frühjahr 1851 war G. von russ. Truppen besetzt. Beim Beginn des Orientkriegs, im Sommer 1853, rückten die Russen abermals in G. ein, räumten es aber im Sept. 1854 wieder; an ihrer Stelle rückten nun Osterreicher ein und hielten es bis 1857 besetzt. In dem Russisch-Türkischen Kriege 1877 —78 war G. abermals von den Russen besetzt.