FeedGalsa (lat.)
GeschichteBrockhaus 1882

Galsa (lat.), Helm, gewöhnlich aus Leder, im Gegensatz zu Cassis, dem Helm aus Metall. Galeasse oder Galjäß war der Name für die größten Kriegsschiffe der Republik Venedig zur Zeit ihrer höchsten Blüte. Eine G. war etwa 50 m lang, hatte drei Masten, war Ruder⸗ und Segelschiff zugleich, führte 800—1200 Mann an Bord und war auf dem Vorder⸗ und Hinterteil mit Geschütz auf zwei Decken versehen. Bei den Holländern, Dänen, Schweden und Deutschen führt den Namen G. ein kleines Schiff, welches einen Großmast und einen kleinen Besanmast hat. In der Neuzeit treten an Stelle der G. immer mehr die Briggs oder Schoner. Galeazzo, s. Visconti. Galeeren hießen die Kriegsfahrzeuge, mit denen im Mittelalter fast sämtliche Seeschlachten geschlagen wurden. Sie hatten fast sämtlich gleiche Abmessungen, Ruderzahl, Mannschaften, Bemastung und Bewaffnung. Nur die Capitainev, das Admiralschiff, war etwas größer. Die Länge der gewöhnlichen G. betrug etwas über 50m, ue Breite 6Em, ein Verhältnis, das darauf berechnet war, ihnen große Schnelligkeit in ruhigem Wasser zu verleihen, sie aber unfähig machte, bei schwerem Sturm ungefährdet See zu halten. Bei der Entwickelung der Schiffahrt und der Zunahme der transatlantischen Reisen im 17. Jahrh. führte dieser Umstand deshalb auch zur allmählichen Beseitigung der G., an deren Stelle die in unsere heutigen ½ übergehenden und seetüchtigern runden Schiffe traten. Die G. enthielten 25 Ruderbänke, 13 auf der einen und 12 auf der andern Seite, zwischen denen sich ein Plankengang befand, der die Verbindung zwischen Vorder⸗ und Hinterschiff vermittelte. An jedem Riemen (Ruder) arbeiteten schr Mann gleichzeitig. Da das Rudern aber eine sehr schwere Arbeit war, zu der sich wenig Freiwillige fanden, so verwendeten christl. Staaten meistens bestrafte Verbrecher oder türk. Kriegsgefangene dazu, während bei den Türken durchgängig Christensklaven diese Dienste leisten mußten. Diese Ruderer, Galeerensklaven genannt, wurden an ihre Bänke mit Ketten geschlossen und ihr Los war überall ein sehr grausames. Die Besatzung einer G. belief sich auf 450 Mann, davon etwa 220 Sträflinge, die übrigen Freie. Dreißig Matrosen bedienten die Segel, 170 Soldaten versahen den Wachtdienst, handhabten die Geschütze und fochten bei Enterungen oder Landungen. Auf dem Vorderteile der G. hinter einer Querwand standen fünf Geschütze, ein großes (gewöhnlich 24-Pfünder) und vier kleinere (meistens Steingeschütze). Die Takelage bestand aus zwei Masten mit Lateinsegeln (. d.). Die Capitaine, auf welcher sich der Galeedrengeneral einschiffte, war se r reich geschmückt und prunkvoll ausgestattet. Die Stellung solcher Generale und der höhern Offiziere war sehr gut dotiert, und da der Dienst wenig Anstrengung verlangte, „wurden diese Posten meistens mit Günstlingen der eHöfe besetzt, denen man besonders wohl wollte. In ader Seeschlacht von Tschesme 1740, wo die Russen die türk. Flotte vernichteten, traten die G. zum letzten mal als aktive Kriegsschiffe in einem größern Gefecht auf. Galeerenofen (frz. galere, engl. galley), eine „Art Röhren⸗ oder Retortenofen, bei welchem eine „oder auch zwei Reihen nebeneinander eingesetzter Röhren oder Retorten durch eine gemeinschaftliche 1Feuerung erhitzt werden können. Galeerensklaven, s. unter Galeeren. Galeerenstrafe war früher eine der härtesten Strafen in Frankreich und einigen andern am Meere gelegenen Staaten; an ihre Stelle trat gegen Ende der Regierungszeit Ludwigs XIV. die Strafe des Bagno (f. d.). Galeerensträflinge (oft auch Galeerensklaven genannt), s. unter Bagno, Brandmarkung und Galeeren. Galéga L., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen, welche aus perennierenden Kräutern mit unpaarig gefiederten Blättern und in Trauben gestellten Blüten Ii. Letztere besitzen einen glockenförmigen, fünfzähnigen Kelch, einbrüderige Staubgefäße und einen fadenförmigen, kahlen Griffel. Die Frucht ist eine gerade, auf: rechte, walzige, schiefgestreifte, vielsamige Hülse. Es gibt nur wenige Arten. Die gemeinste ist die in Südeuropa und Rordafrika wild wachsende G. officinalis L., eine bei uns häufig zur Zierde, seltener als Futter- und Arzneipflanze kultivierte, unter dem Namen Geißklee, Geißraute, Ziegenklee, Fleckenklee bekannte Staude mit reichbeblättertem, bis Im hohem Stengel und langgestielten, blattwinkelständigen Trauben schön lilafarbener oder weißer Blüten. llenus. Galen, berühmter Arzt des Altertums, s. Ga-Galen (Christoph Bernh. von), Fürstbischof von Münster, geb. 15. Okt. 1600 zu Bispink in Westsalen, erhielt bereits in seinem siebenten Jahre ein Kanonikat bei der Domkirche zu Münster. Nachdem er im dortigen Jesuitenkollegium und auf den Universitäten zu Köln, Mainz, Löwen und Bordeaux studiert, nahm er teils durch Gesandtschaften, teils bei der innern Verwaltung an der Leitung der vaterländischen Angelegenheiten teil. Als nach dem Tode des Kurfürsten Ferdinand von Köln, der zugleich Bischof von Münster war, in Münster eine Sedisvakanz eintrat, wurde der inzwischen im Kapitel zum Thesaurarius aufgerückte G. 14. Nov. 1650 zum Fürstbischof gewählt. Mit Energie ergriff er die gügel der Regierung. Nachdem er für Wiederherstellung der verfallenen Kirchenzucht, Beseitigung der herrschenden Hungersnot und Förderung des Handels und Verkehrs gesorgt, suchte er sein Land von den fremden Truppen, die einige Teile desselben noch besetzt hielten, zu befreien. Kaum aber war ihm dieses gelungen, so wurde er durch innere Streitigkeiten, zu welchen der mißvergnügte und mit seinen Reklamationen gegen G.s Wahl abgewiesene Dechant Mallingkrott und die Stadt Münster Veranlassung gaben, nicht wenig beunruhigt. Nach mannigfaltigen 1655 — 61 geführten Kämpfen und Streitigkeiten, bei denen ihm seine Kenntnis der Belagerungskunst den Beinamen ader Bombenfürsto verschaffte, kam jedoch 25. März 1661 der Vertrag wegen Übergabe der Stadt zu Stande, deren Besitz sich nun G. für immer durch kräftige Niederhaltung des unruhigen Geistes der Bürger zu sichern suchte. Er verstärkte die Werke der Stadt und erbaute an deren Westseite eine Citadelle. Auf dem Reichstage zu Regensburg 1664 wurde G. nebst dem Markgrafen Friedrich von Baden zum Direktor des Kriegswesens der rhein. Allianz ernannt. Er stellte nun sofort den größten Teil seiner Truppen mit gegen die Türken und eilte sodann selbst auf den Kriegsschauplatz. Nach seiner baldigen Rückkehr suchte er sich an den Niederlanden, von denen er empfindlich beleidigt worden, zu rächen. Er schloß mit England 1665 einen Vertrag, in welchem er sich verpflichtete, gegen ansehnliche Subsidiengelder sein Heer auf 15000 Mann zu erhöhen, und griff nun die Niederlande zu Lande an, während England dieselben zur See bekriegte. Infolge des durch Ludwig XIV. 18. April 1666 vermittelten Friedens zu Kleve räumten die Generalstaaten alle im Gebiete des Bischofs noch besetzten Orte mit Ausnahme der Herrschaft Borkelo. Nachdem er einen Streit mit dem Hause Braunschweig in Betreff der Abtei Korvei 1671 glücklich beendet, trat er 1672 dem franz. Bündnisse gegen die Niederlande bei und stellte 19 Regimenter und 9 Freikompagnien Reiter, 27 Regimenter und 20 Frei60 Morler Fußvolk und 115 Geschütze (darunter 60 Mörser) ins Feld. Er hatte bereits mit bedeutendem Erfolg gekämpft, als er durch die überrumpelung in Coevorden 20. Dez. 1672, wo er großen Verlust erlitt, und durch das Bündnis zwischen dem Kaiser und Kurbrandenburg, das sein eigenes Land bedrohte, sich zur Rückkehr nach Westfalen genötigt sah, wo er sogleich die Offensive ergriff. Vereint mit dem franz. Feldherrn Turenne Benzn es nun G., einen großen Teil der westfäl. esitzungen des Kurfürsten von Brandenburg in seine Gewalt zu bringen. Doch erlitt er vor Coevorden bedeutende Verluste und fand sich geneigt, 21. April 1674 zu Köln mit den Verbündeten einen Friedensvertrag abzuschließen, in welchem er alle in den Niederlanden eroberten Orte herauszugeben versprach. Hierauf trat er 1675 dem Bunde des Kaisers gegen Frankreich bei, und war nun ebenso eifrig auf seiten des Reichs wie vorher auf seiten ankreichs. Im Aug. 1675 schloß er mit dem önige von Dänemark und dem Kurfürsten von Brandenburg ein Bündnis gegen Schweden, wobei ihm vorzüglich der Angriff auf die damals Schweden gehörigen Herzogtümer Bremen und Verden zuteil wurde. Nachdem im Aug. 1676 auch Stade, die Hauptstadt des Herzogtums Bremen, gefallen, auetg der Bischof und die Herzöge von Braunschweig einen förmlichen Teilungsvertrag über die eroberten Herzogtümer, zufolge dessen ersterer das ganze Herzogtum Bremen nebst andern Orten erhielt. Auch in seinen letzten Lebensjahren war G. vielfach in Kriegsfehden verwickelt; 1677 stellte er den Spaniern an der Maas 9000 Mann Hilfstruppen gegen Frankreich und den Dänen 5000 Mann gegen Schweden, die auf Rügen, vor Malmö und bei Landskrona kämpften; 1678 rückte er in Ostfriesland ein und räumte das Land erst nach Empfang einer namhaften Geldentschädigung. Während der Friedensunterhandlungen zu Nimwegen, an denen er teilnahm, erkrankte er zu Ahaus und starb dort 19. Sept. 1678. Sein Leichnam ward später im Dom zu Münster beigesetzt. Vgl. Erhardt, (Geschichte des Stifts Münster v (Münst. 1835); Tücking, «Geschichte des Stifts Münster unter G.v (Münst. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 462Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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