FeedFürstentage
GeschichteBrockhaus 1882

Fürstentage hießen die Zusammenkünfte der deutschen Reichsfürsten. Nach der Wahlkapitulation XIII hatten sämtliche Reichs- und Kreisstände das Recht, ein- und außerhalb der Reichstage, so oft es die Not und ihr Interesse erfordert, entweder circulariter oder collegialiter oder sonst, ungehindert zusammenzukommen und ihre Angelegenheiten zu beobachtenv. Sowie es Ritter- und Städtetage gab, so fanden auch Kurfürsten⸗, Fürsten⸗, Grafentage statt. Versammlungen sämtlicher Reichsfürsten kamen zwar thatsächlich niemals vor; dagegen veranstalteten nicht selten die angesehensten oder die bei einer gewissen Angelegenheit besonders beteiligten Reichsfürsten F. auf dem Reichstage se bst oder an einem geeigneten Vereinigungspunkte. Das früheste Beispiel eines F. ist die Versammlung zu Forchheim 13. März 1077, auf welcher der Gegenkönig Rudolf gegen Heinrich IV. gewählt wurde; das neueste ist der vom Kaiser von Ssterreich zur Beratung des von ihm vorgelegten Projekts zur Reform des Deutschen Bundes nach Frankfurt a. M. einberufene F., welcher daselbst vom 17. Aug. bis 1. Sept. 1863 tagte, jedoch kein Resultat erzielte, da der König von Preußen den Beitritt ablehnte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 424Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6