Galitäa (hebr. Galil oder Gelilah, d. 1. Kreis, Landstrich, vollständiger Gelil Hagojim, d. i. Distrikt der Heiden) hieß anfangs ein kleiner Distrikt im jüd. Stamme Naphthali, welcher meist von Heiden bewohnt war, dann im weitern Sinne das ganze Gebiet der Stämme Asser, Naphthali, Sebulon und Dan oder die spätere Nordprovinz Palästinas, welche im O. vom Jordan, im S. von Samaria, im W. vom Mittelmeere und Phönizien, im N. von Syrien und dem Gebirge Libanon begrenzt, etwa 75 km lang und 30—40 km breit, überaus fruchtbar, gut angebaut und stark bevölkert war, und in das nördl. Obergaliläa und das südl. ½½— zerfiel. Als Wiege des Christentums und Lieblingsaufenthalt des Heilands hat dieses kleine Berg⸗ und Hügelland allgemeines Interesse. Merkwürdig sind besonders die Städte Nazareth, Kana, Nain, Kapernaum und Tiberias am See Gennezareth, der auch das Galiläische Meer hieß, der Jordan und der Berg Tabor. Die Bewohner G.s, die sich durch Mut, Tapferkeit und andere Tugenden auszeichneten und aus deren Mitte viele der Apostel und vertrautesten Schüler Jesu hervorgingen, unterschieden sich von denen Judäas durch ihre breite, ungebildete Aussprache, und waren wegen ihres freien Sinnes, der sich vielleicht aus ihrem Verkehr mit Heiden erklären läßt, sowie wegen des mehrfachen Kriegslücks, das sie als Grenznachbarn der Syrer waf, von den Judäern verachtet. Daher wurden auch die Christen, deren Religion von G. ausgegangen war, von den Juden spottweise Galiläer unt. Aber auch der Talmud ist seit dem 3. Fahrh. von der Rabbinenschule zu Tiberias ausgegangen. Gegenwärtig gehört G. zum türk. Vilajet Syrien. Das 300—330 m hohe hugelige Tafelland G., dessen Hauptgipfel der 1220 mhohe, von einem Kastell gekrönte Dschebl-Dschermak bei Safed ist und das durch Ausläufer des Hermon gebildet wird, unterscheidet sich von den Berglandschaften Ephraim und Juda namentlich durch die weiten, muldenartigen Einsenkungen gerade an den höchsten Stellen, in deren einer Nazareth steht. Es scheint tigentags der am wenigsten wüste Teil Paläinas zu sein. Die sanften Abhänge und Wellenhügel sind dichter bewaldet, die Ebenen mit reicherer Weide bedeckt; zahlreiche befruchtende Flüßchen durchrieseln das Land. Von dem südl. Palästina ist es durch die fruchtbare Ebene Esdrelon getrennt, die jetzt freilich ganz unangebaut liegt, mit Weide bedeckt und fast ohne Dörfer ist, aber nach dem Regen sich mit üppiger Vegetation bekleidet. Von dieser Ebene führen drei Wege ostwärts zum Jordanthale, die durch die Ketten von Gilboa und des Kleinen Hermon voneinander getrennt sind.