Atschin, richtiger Atjeh, im Englischen Acheen, bis 1873 selbständiger Nalaienstaat Fjetzt eine Provinz des niederländ. Ostindien, nimmt mit etwa 50000 qkm den nördlichsten Teil der hinterind. Insel Sumätra ein und reicht von dem nördlichsten Vorgebirge derselben, der Atjehspitze lengl. Acheen head), im W. bis zu 2˙ 53,, im O. aber nur bis 4 25 nördl. Br. A. wird von dem ganz Sumatra in eine westliche und eine östl. Hälfte teilenden Barissan oder Kettengebirge durchzogen, in welchem sich hier unter 4 17“ nördl. Br. der Abong-Abong, wahrscheinlich ein Vulkan, bis zu 3000 m erhebt. Außer dem gebirgigen Teile enthält A. bedeutende Strecken mehr wellenförmigen und selbst ganz flachen, niedrig gelegenen, f Gartenbau und Baumzucht sowie namentlich für den Reisbau geeigneten Landes. Obgleich die ö diet der Küstenflüsse eine beträchtliche ist, so sind dieselben doch nur schmal, untief und nur mit leichten Prahmen auf kurze Strecken befahrbar. Die Erzeugnisse aus dem Pflanzen⸗ und Tierreiche sind dieselben wie die von Sumatra (s. d.) überhaupt: erwähnenswert ist das häufige Vorkommen der Pfefferranke. Die Bevölkerung der Provinz wird auf 6—700000 Seelen geschätzt. Die Hauptstadt A., am Flusse A., 7 km vom Meere, ist fast Heßs neu und schön aufgebaut; seit der niederländ. Besetzung Sfle der Handel wieder auf. Geschichtliches. Es dürfte kaum zweifelhaft sein, daß die Bevölkerung ursprunglich mit dem malaiischen Volksstamme der Batta (s. d.) homogen war, wie denn auch noch bis zu Anfang des 17. Jahrh. der ganze nördlich von dem Flusse Singkel unter 2* 17., nördl. on 1. Tam Teil von Sumatra, mit Einschluß von A., Tanna Batta, d h. Land der Batta genannt wurde. Aus den Batta aber in dem nördlichsten Teile dieses Landstrichs entwickelte sich zu Anfang des 13. dupen durch ihre Vermengung mit fremden Volkselementen, durch den Handel und Verkehr mit andern Asiaten, namentlich auch Arabern, durch die Einführung des Islam und andere auf die ursprüngliche Lebensweise und den Volkscharakter verändernd einwirkende Verhältnisse die Bevölkerung des Reiches A., welches von seiner Gründung 1205 bis in die 5h½½½ Zeit seine Unabhängigkeit zu bewahren gewußt hat. Die gleichnamige Hauptstadt wurde eine der reichsten und blühendsten, von den Schiffen aller ostasiat. Handelsvölker viel besuchte Handelsstadt. Seit die Portugiesen unter Alvaro Talesso 1506 zuerst nach Sumatra kamen und 1509 daselbst an der Nordostküste Niederlassungen gründeten, war der Beherrscher von A., Rascha Ibrahim, ihr erbittertster Feind, der sie 1523 auch von Sumatra vertrieb. Der Krieg egen die Portugiesen dauerte fast ununterbrochen fort, bis die Holländer 1642 Malakka eroberten. Während dieser Zeit war A. der größte und berühmteste Handelsort Hinterindiens; aber mit der Ausbreitung der Holländer im ind. Archipel sank die Macht und Bedeutung des Reiches A., welches iedoch bis 1873 seine polit. Selbständigkeit behielt. Durch den 1824 zwischen Holland und England geschlossenen Vertrag war Holland verpflichtet, auf Sumatra, nördlich von der Parallele von Singapore (12 17 nördl. Br.) keine neuen Besitzungen zu gründen. Allein ein neuer Vertrag vom 24. Mai 1872 hob den frühern von 1824 auf, und die Niederländer erhielten völlige Freiheit, sich nach Belieben auch nördlich von der erwähnten Demarkationslinie auf Sumatra auszubreiten. Seeräubereien und Kränkungen der niederländ. Souveränetät auf Sumatra durch A. gaben sehr bald der Regierung zu Batavia Veranlassung, gegen A. vorzugehen. Am 26. März 1873 erklärte sie den Krieg, und 8. April landete eine Expedition bei der Stadt A., die jedoch tapfer verteidigt wurde, sodaß sich die Holländer nach großen Verlusten 28. April zurückziehen mußten. Eine zweite, stärkere Expedition unter General van Swieten landete 11. Dez. 1873, welche unter fast ununterbrochenen blutigen Kämpfen bis zum Kraton, der befestigten Residenz des Sultans von A., vordrang und denselben 24. Jan. 1874 nahm. Doch blieb das ganze Innere des Reichs und viele Punkte an der Ostküste noch im Besitz des Sultans, und erst nach vielen Expeditionen, bei denen sich die Atchinesen mit größter Tapferkeit verteidigten, wie bei der Erstürmung von Lohong 30. April 1875, konnte der niederländ. Kolonialminister Ende 1879 in der Zweiten Kammer die Erklärung abgeben, daß der Krieg jetzt als beendet zu betrachten sei und mit der Organisation der Civilverwaltung des Landes begonnen werden könnte. Jetzt bildet A. eine unter einem Militärgouverneur stehende niederländ. Provinz unter dem Namen «Atjeh und Zubehörv mit vier Distrikten. Vgl. Veth, «Atchin en zijne betrekkingen tot Nederlando (Leid. 1873); Gerlach, Atjih en de Atjisezeno (Arnh. 1873).