Gosen, richtiger Göschen, die aus dem Alten Testament bekannte Landschaft Unterägyptens, in welcher die Kinder Israels ihre Herden weideten, ist in der nord⸗ und ostwärts von Zagäzig gelegenen Landschaft, der Hauptsache nach wohl in dem jetzigen Wadi Tumilät zu suchen. G. lag längs des Pelusischen Nilarms an der Ostseite des Delta und war der Palästina nächste Landesteil. Seine Ostgrenze bildet etwa der heutige Suezkanal. Es ist ungefähr die jetzige Provinz esch-Scherkieh (edie östliche welche sich aus der Nähe von Abu-Za'bel bis zum Meere und vom Tanaitischen Nilarme bis zur Wüste ausdehnt und somit auch das Thal des alten Kanals einschließt. Am Nil muß G. gelegen haben, da die Israeliten Bewässerungsgräben anlegten, da sie Korn, Feigen, Wein und Granatäpfel zogen, da sie Fische aßen; sie lebten in Agypten so, wie die Agypter noch heute leben. Vielleicht lebten sie in besondern Dörfern verstreut zwischen Agyptern, wie noch heute die Kopten zwischen den Mohammedanern; denn sie borgten Gold und Silber von ihren cllen Nachbarn. Sie waren wohl anfangs in Zelten lebende Hirten, welche ihre Herden die benachbarten Wüstenwadis hinauftrieben, wie es noch jetzt geschieht; später aber wurden sie Ackerbauer und nahmen feste Wohnplätze ein. Noch jetzt leben etwa 50 Familien Tawarah-Araber bei Abu-Za'bel in Zelten und bauen dennoch den Acker. Die Provinz esch-Scherkieh wird noch jetzt für den reichsten Teil des Landes gehalten und liefert die Drudt Einnahme. Es ist niedrig, von Kanälen urchzogen, leicht zu bewässern und deshalb sehr fruchtbar. Die Zahl der Herden ist nirgends in Agypten größer, ebenso die der Fischer. Die Bevölkerung besteht zur Hälfte aus nomadischen Arabern aus der angrenzenden Wüste. Auch diese könnte leicht bewässert werden. Viele Dörfer liegen wüst, und das Land könnte noch eine Million Bewohner mehr ernähren. Etwa 96 km im von Kairo, 77,7 Kmim NNW. von Suez und 15 km im Westen von Ismailia geht der Süßwasserkanal nördlich an dem fischreichen Maxamasee vorbei nach dem kleinen Orte El-Maxama und zu der Ruinenstädte Tell-el-Maskuta, die neuerdings ihren alten Namen Ramses wieder erhalten hat, weil man annahm, daß es hier war, wo sich Josephs Vater und Brüder im Lande G. ansiedelten (1 Mos. 47, und von wo ihre Nachkommen den Auszug na Kanaan (2 Mos. 12, 37) antraten. Vgl. E. Robinson, «»Palästina und die südlich angrenzenden Länder (Bd. 1, Halle 1841); Ebers, «Durch G. zum Sinai (Lpz. 1872); Bädekers 4Agypten⸗ (Tl. I: «Unterägypteno, Lpz. 1876).