Galläpfel nennt man dieienigen Gallen (s. d.), welche durch den Stich verschiedener Arten von Insekten an den Blättern und Knospen vieler Pflanzen hervorgerufen werden und bald als holzige, bald beerenartig⸗-weiche Auswüchse von mannigfacher Form erscheinen. Am bekanntesten sind diejenigen G., die auf den Blättern und Knospen verschiedener Arten der Eiche vorkommen; dieselben rühren namentlich von den Stichen gewisser Gallwespen (s. d.) her. Unsere einheimischen Eichen (Quercus pedunculata und sessiliflora) werden von einer großen Anzahl Gallwespen befallen, deren jede eine Galle von bestimmter Form hervorbringt. So erzeugt Cynips scutellaris die kirschgroßen, weichen, auswendig schön grün und oft auch rot gefärbten, kugeligen G., die man so häufig an der untern Seite der Eichenblätter findet, C. terminalis die holzigen G. an der Spitze der Zweige, C. corticalis die ebenfalls holzigen, kegelformigen, zierlich gerieften G. an der Rinde junger Eichenpflanzen, welche oft das Eingehen oder wenigstens Verkrüppeln solcher Pflanzen herbeiführen, C. Quercus corticis die holzigen, unregelmäßig geformten, nach dem Ausschlüpfen der zahlreichen, in ihnen sich entwickelnden Gallwespen siebartig durchlöcherten G. an den Stämmen, Ästen und Zweigen, C. fecundatrix die braunen, beschuppten G., welche aus von dieser Gallwespe angestochenen Knospen hervorgehen, C. calicis die sog. Knoppern an den Früchten von C. pedunculata, seltener von O. sessilitlora. Letztere sind die unregelmäßig ausgewachsenen Fruchtbecher, in welche die genannte Gallwespe ihre Eier legt, und die oft die darin steckende Eichel ganz umhüllen. Unter den Knoppern gelten die ungarischen für die besten. Die Knoppern enthalten nämlich, wie alle Eichengalläpfel, Gerbstoff und Gallussäure und werden deshalb in der Färberei technisch verwendet. Bekannt sind die holzigen, harten G., welche zur Tintenbereitung, in der Färberei und zur Gewinnung der Gerbsäure und Galläpfeltinktur benutzt werden. Man unterscheidet im Handel mehrere Sorten; die sog. kleinasiatischen, auch levantinische oder mossulische genannt, sind kugelig, auf der Oberfläche mehr oder weniger warzig'stachelig, heller oder dunkler graugrünlich (schwarz, blau, rün und marmoriert) oder grünlichgelb bis schmutigweiß (oweiße G.), schwer und bis 2,5 em im Durchmesser groß. Sie werden durch den Stich der C. Quercus tinctoriae hervorgebracht, welche ihre Eier in die Knospen der im Orient (namentlich Kleinasien) wachsenden C. infectoria legt. Die kleinasiatischen G. enthalten von allen G. die größten Mengen von Gerbstoffen, Hen6 60 Proz. und darüber. Unter den europäischen G. sind zunächst 1) die sog. großen ungarischen G. hervorzuheben; dieselben stammen von Q. pedunculata und werden durch den Stich der C. hungarica erzeugt; sie erreichen eine beträchtliche Größe, bis 3,5 em im Durchmesser. Ferner unterscheidet man 2)kleine ungarische G., die zum größten Teil von den Stichen der C. Kollari herrühren sollen, sie sind kugelig, von hellbrauner Farbe und haben einen Durchmesser von 1—2,5 em, der Gehalt an Gerbstoffen beträgt 25—30 Proz.; 3) deutsche G., die von den in Deutschland einheimischen Eichen stammen und von den Stichen verschiedener Cynips-Arten erzeugt werden; 4) französische G., die auf den Blättern von C. Ilex und Cerris vorkommen und jedenfalls auch von mehrern Arten Gallwespen hervorgerufen werden. Von Q. Cerris sollen auch die griechischen und italienischen G. stammen. Die am meisten in den Handel vorkommenden sult die kleinasiatischen und zwar die großen mosulischen und die G. von Aleppo; außerdem finden sich häufig die großen und kleinen ungarischen G. und die sog. Knoppern. An diese Produkte des Eichbaums schließen sich an die sog. chinesischen G., die seit 1846 im Handel sich finden und aus China und Japan stammen. Es sind blasige Anschwellungen, welche durch den Stich von Aphis chinensis an einer Sumachart, der Rhus semialata, — bilden und meist länglich-walzenförmig, aber auch plattgedrückt, birnförmig, kugelig vorkommen und auf ihrer mit gelblich grauem Filz bedeckten Oberfläche mancherlei hohle Höcker und Zacken zeigen; ihre Länge variiert von 3—10 em und ihre Dicke von 1,5 bis 4 cem, die Wände sind he⸗ dünn, hornartig durchscheinend und spröde; ie zeichnen sich durch hohen Gerbsäuregehalt (bis zu 60—70 Proz.) aus. Die G., sowohl die gewöhnlichen wie die chinesischen, finden in der Färberei, zur Fabrikation der Tinte und zur Herstellung des Tannins, der Gallussäure und des Pyrogallols Hallapfelt Anwendung. Die Galläpfeltinktur (Tinctura gallarum), welche durch Ausziehen der G. mittels Alkohol gewonnen wird, verwendet man in der Heilkunde häufig, äußerlich als zusammenziehendes Mittel bei wunden Brustwarzen, Hautschrunden und nässenden Flechten, innerlich als Gegengift bei Vergiftungen mit narkotischen Pflanzenstoffen (z. B. mit Opium, Morphium, Bilsenkraut u. s. w.), obgleich 0 Tannin vorgezogen wird. alläp ½ s. unter Gallwespe.