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HeilkundeBrockhaus 1882

Gallen (Cecidien) nennt man in der Pflanzenpathologie allgemein diejenigen Krankheitserscheinungen, bei welchen infolge des Eingriffs eines pflanzlichen oder tierischen Parasiten in das Gewebe der Nährpflanze bestimmte Partien der letztern eine abnorme Entwickelung zeigen und zu kleinen Knötchen oder pustelartigen Gebilden, oder auch zu größern unregelmäßig knollenartigen und kugeligen Wucherungen, wie bei den bekannten Galläpfeln der — * (s. Galläpfel) auswachsen. Gewöhnlich bezeichnet man bloß diejenigen Gebilde als G., die auf tierische Parasiten zurückzuführen sind, doch sind die Auswüchse, die durch manche parasitisch lebende Pilze hervorgerufen werden, im wesentlichen nicht verschieden von jenen. Man unterscheidet deshalb Mycocecidien und Zoocecidien. Unter die erstern gehören unter andern gewisse Gallenbildungen an den Wurzeln der meisten Kohlarten, die oft bedeutende Dimensionen annehmen und unter denen Kohlkropf oder Kohlhernie bekannt ist; sie werden durch einen Pilz aus der Gruppe der Myxomyceten, Plasmodiophora Brassicae (s. d.), hervorgerufen. Nicht u verwechseln mit diesen G. ist eine andere Art, ie ebenfalls häufig an Kohlgewächsen auftritt, aber nicht von einem Pilz, sondern von einem Käfer herrührt. (S. Gallen der Kohlgewächse.) Viel häufiger als die Mycocecidien treten die Zoocecidien auf; die Ursachen dieser können tierische Parasiten aus verschiedenen Familien sein. Die G. entstehen Ic) nicht infolge von Verwundungen, die etwa durch das Fressen der Tiere oder auf ähnliche Weise n dadurch/ werden, sondern in den meisten Fällen dadurch, daß die Tiere längere Zeit im Larvenzustand ihren Wohnsitz auf der Pflanze nehmen oder sich auf derselben allmählich aus dem Ei entwickeln. Die G. umschließen die Tiere in diesem Zustande Atwichelune gänzlich und erst wenn dieselben ihre Entwickelung beendet haben, wird die G. durch die Thätigkeit des Tieres geöffnet und vertrocknet allmählich. Da die Tiere dabei sich von den Säften der Pflanze nähren und wahrscheinlich auch einen gewissen Reiz auf die sie umgebenden Gewebepartien ausüben, so findet eine abnorme Zufuhr von Nährstoffen zu den G. hin und eine lebhafte Teilung in den Zellen derselben statt. Eigentümlich ist, daß jedes gallenbildende Tier eine besondere Art von G. hervorruft und daß selbst, wenn mehrere solcher Tiere auf ein und derselben aene . schmarotzen, auch jedes derselben die ihm eigene G. erzeugt. Die meisten und auch bekanntesten G. werden von Arten aus den Familien der Hymenopteren s. d.) und Dipteren (s. d.) verursacht, aber auch rmer, Milben, Hemipteren, Schmetterlinge und Käfer können G. hervorrufen. Unter den Würmern ist es die Gattung Anguillula, deren Arten an mehrern Pflanzen charakteristische G. erzeugen; am bekanntesten sind die sog. Raden⸗ oder Gichtkörner des Weizens, die im Innern eine große Anzahl von Weizenälchen (Anguillula titrici) enthalten, die beim Entfernen der Schale und beim Benetzen mit Wasser nach einigen Stunden lebhafte Bewegungen zeigen. Andere Arten von Anguillula rufen Gallenbildungen an verschiedenen Wurzeln hervor, so die A. radicicola. Von Milben rühren diejenigen Krankheitserscheinungen her, die man gewöhnlich als Filzkrankheit (s. d.) oder Erineum bezeichnet. Es sind dies meist Arten aus der Gattung Phytoptus. Unter den Hemipteren sind es hauptsächlich die Pflanzenläuse (Aphiden), welche zählreiche Gallenformen erzeugen. Hierher gehört unter andern die Reblaus (s. d.), ferner die sog. Blutlaus, die vorzugsweise auf Obstbäumen krebsartige Krankheitserscheinungen verursacht. Zu den Dipteren und Hymenopteren gehören die Gallmücken und Gallwespen, die auf den verschiedenartigsten Pflanzen kugelige oder knollenartige G. hervorrufen, von denen die auf den Eichen wegen ihrer (S Galt für die Industrie am bekanntesten sind. (S. Galläpfel.) Nicht bloß auf Blättern, sondern auch an Knospen, Zweigen und Früchten treten die hauptsächlich von Arten aus den beiden Gattungen Cecidomya und Cynips herrührenden G. auf. Die Tiere legen * Eier in die betreffenden Pflanzenteile und die Maden entwickeln sich in den allmählich größer werdenden G. Von den Käfern und Schmetterlingen sind nur wenige gallenbildende Arten bekannt. Vgl. Frank, «Pflanzenkrankheiten (Bresl. 1880). „Gallen der Kohlgewächse, eine eigentümliche Krankheitserscheinung, welche bei verschiedenen Kohlarten beobachtet wird. Die Entwickelung der Kohlarten wird nicht selten durch gallenartige Auswüchse am Wurzelhalse oder weiter abwärts gehemmt, welche ihre Entstehung dem Kohlgallen-Rüsselkäfer (Ceuthorhynchus sulcicollis) verdanken. Sie bergen eine oder mehrere Larven desselben etwa vier Wochen lang, worauf diese ihr Asyl verlassen, um sich im Boden zu verpuppen und nach abermals vier Wochen zum vollkommenen Insekt zu werden. Auch Raps und Rübsen werden durch jene Käfer oft in erheblichem Grade benachteiligt. Im Laufe des Sommers treten zwei Generationen auf; die Larven der zweiten überstehen den Winter in den Gallen, um sich erst im nächsten Frühjahre zu verpuppen. Es ist deshalb geraten, alle Strünke nach der Ernte auszuziehen und samt ihren Insassen durch Feuer zu vernichten, wohl das einzige, was sich thun läßt, um der Überhandnahme des Käfers zu begegnen. Die Gallen der Kohlgewächse werden bisweilen mit einer andern Krankheit verwechselt, welche an den Wurzeln des Blumenkohls, Kopfkohls, Wirsings u. s. w. auftritt und die Verknollung derselben und damit eine vollkommene Verkümmerung des oberidischen Teils der Pflanzen zur Folge hat. Räheres s. unter Kohlgewächse.) Eine andere Art von Gallen wird an Kohlgewächsen durch einen Pilz aus der Gruppe der Myromyceten hervorgerufen. (Vgl. Plasmodio-⸗ phora.) [Leber.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 481Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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