FeedGalle (Joh. Gottfr.)
HimmelskundeBrockhaus 1882

Galle (Joh. Gottfr.), verdienter deutscher Astronom, geb. 9. Juni 1812 zu Pabsthaus bei Gräfenhainichen, ücht das Gymnasium zu Wittenberg und widmete sich 1830—33 zu Berlin mathem. und naturwissenschaftlichen Studien. Nachdem er einige Zeit als Lehrer am Gymnasium zu Guben und am Friedrichs-Werderschen Gymnasium zu Berlin gewirkt, erhielt er 1835 die Stelle eines Gehilfen und Observators an der neuerbauten Sternwarte zu Berlin, wo er Gelegenheit fand, unter Enckes Leitung praktisch und theoretis ch in astron. Rechnungen uUnd Beobachtungen sich zu vervollkommnen. G. entdeckte 1839 und 1840 innerhalb drei aufeinander folgender Monate drei neue Kometen, wofür er unter anderm von der pariser Akademie den Lalandeschen astron. Preis erhielt. Mit einer Dissertation, in der er gewisse Beobachtungen des Olaus Römer behandelte, erwarb er 1845 die philos. Doktorwürde. Die Übersendung dieser akademischen Schrift an Leverrier in Paris gab Veranlassung, daß dieser im September des folgenden Jahres wegen Aufsuchung des von ihm berechneten transuranischen Planeten sich unter anderm auch nach Berlin wandte, wo dann dieser, nachher Neptun genannte Planet von G. noch am Abend des Tags, an welchem der Brief Leverriers in Berlin ankam (23. Sept. 1846), aufgefunden und so seine wirkliche Existenz zuerst konstatiert wurde. G. erhielt für diese Entdeckung außer andern Auszeichnungen von der pariser Akademie wiederum den Lalandeschen Preis. Seit Herbst 1851 wirkte er als Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte zu Breslau. G.s wissenschaftliche Arbeiten beziehen sich teils auf die Astronomie, teils auf die Meteorologie. Die astron. Berechnungen und Beobachtungen teilte er in Schumachers «Astron. Nachrichtene (sseit 1836), in den berliner Astron. Jahrbücherno (seit 1835), den ersten drei Bänden der „Beobachtungene der berliner Sternwarte u. s. w. mit. Auch veröffentlichte er 1850 ein Register zu den 28 Bänden von Zachs Monatlicher Korrespondenzy. G.s meteorologische Untersuchungen beziehen sich auf das Dovesche Gesetz der Winddrehung, auf die optische Meteorologie (Höfe und Nebensonnen), Regenmessung, Nordlichter und anderes. Dieselben sind in Poggendorffs Annaleno, in den Schriften der Schlesischen Gesellschaft und in der 4Osterr. Zeitschrift für Meteorologies enthalten. In den «Grundzügen der schles. Klimatologies (Bresl. 1857) stellte er die Ergebnisse der unter seiner Leitung berechneten meteorol. Beobachtungen zusammen, die von der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur veranlaßt worden waren. An diese elden zr anschließend folgte eine Erweiterung derselben speziell für Breslau bis 1876, zugleich mit verschiedenen andern Untersuchungen, in den 1879 publizierten »Mitteilungen der breslauer Sternwarteß. Mehrere neuere Arbeiten G.s in den Schriften der Schlesischen Gesellschaft und in den Astron. Nachrichteno betreffen die kosmischen Meteore (Meteorsteine und Sternschnuppen). Im J. 1873 gelangte eine von G. vorgeschlagene Methode zur Bestimmung der Sonnenparallaxe aus korrespondierenden Beobachtungen der kleinern Planeten auf der nördl. und südl. Halbkugel der Erde zur Ausführung, deren Resultate in einer besondern Schrift (Bresl. 1875) veröffentlicht sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 480Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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