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GeschichteBrockhaus 1882

Gallifet(Gaston Alexandre Aug., Marquis von), franz. Divisionsgeneral, geb. zu Paris 23. Jan. 1830, trat April 1848 in die Armee, wurde 1853 Kavallerielieutenant, 1860 Kapitän, 1863 Stabsoffizier, nahm am Feldzuge in Mexiko mit Auszeichnung teil und wurde bei Puebla durch einen Schuß in den Unterleib schwer verwundet. G. stieg 1865 zum Oberstlieutenant und 1867 zum Obersten auf und befehligte das 3. Regiment Chasseurs d'Afrique. Seit 30. Aug. 1870 Brigadegeneral, führte er am 1.Sept. an Stelle des verwundeten Divisionsgenerals die franz. Kavallerie nachmittags bei den Angriffen auf die bei Floing stehende preuß. Infanterie und zeichnete sich auch hierbei durch stürmische Tapferkeit und rücksichtsloses Einsetzen der eigenen Person aus. Nach der Kapitulation von Sedan blieb G. bis zum aht, A des Kriegs in deutscher Kriegshase Brigche t, übernahm dann den Befehl über eine Brigade der Armee von Versailles und führte diese während der Bekämpfung des Communeaufstandes. G. übernahm hierauf den Befehl über die Subdivision zu Batna in Algerien, schlug im Winter 1872/73 einen Aufstand der Araber durch einen kühnen Zug nach El Goliah nieder und übernahm darauf 1873 den Befehl über eine Infanteriebrigade des 8. Armeekorps. Im J. 1875 wurde er Divisionsgeneral und erhielt die 15. Infanteriedivision in Dijon, schloß sich nunmehr, trotz seiner bonapartistischen und klerikalen Gesinnung, öffentlich der republikanischen Partei an und wurde bald der erklärte Günstling Gambettas, welcher in dem rückdieurobe vor keinem Mittel zurückschreckenden G. ie zur obersten Führung des Heers in dem dereinstigen Revanchekriege geeignete Pers önlichkeit gefunden zu haben glaubte und ihm seinen ganzen polit. Einfluß zur Verfügung stellte. G. Übernahm es, die franz. Kavallerie zu reorganisieren, und wurde zu diesem Zwecke mit einer Machtfülle ausgestattet, wie solche vor ihm kein Reitergeneral besessen hatte. Durch Vorträge über die Ausbildung und den Dienst der Kavallerie, über Reiten und Pferdepflege verbreitete G. unter den höhern Führern der Waffe gleichmäßige Anschauungen über die Handhabung des Dienstes, zeigte an den ihm direkt unterstellten Truppenkörpern, wie weit sich durch verständigen Dienstbetrieb die Leistung von Mann und Pferd trotz der Mängel des franz. Ersatzes steigern lasse, und übernahm die obere Leitung der auf seine Veranlassung ins Leben gerufenen großen Kavalleriemanöver. Bei diesen übungen erwies sich G. trotz des infolge einer in Mexiko erhaltenen Wunde zurückgebliebenen Körperschadens unermüdlich 304 far um die höhern Führer und die Truppe sowohl für den Dienst als Schlachtenkavallerie wie für den strategischen Aufklärungsdienst vorzubereiten und zu schulen in den Bewegungen im großen Verbande. G. wurde 1879 an die Spitze des 9. Armeekorps in Tours berufen und übernahm daneben den Vorsitz des Kavalleriekomitees. In dieser Stellung übte er entscheidenden Einfluß in allen auf die Reiterei bezüglichen Personalfragen aus und entfernte viele, geistig oder körperlich seinen Ansprüchen nicht genügende Generale und Regimentskommandeure, wie alle Elemente, welche den von ihm eingeführten Neuerungen feindlich oder lau gegenüberstanden. Auf seine Anregung wurden die Bekleidung und Alichbert. d der Kavallerie verbessert, das Gepäck erleichtert, die Rekrutierung zweckmäßiger eingerichtet, die Remontierung durch Einrichtung von Depots und Maßregeln zur Hebung der inländischen Pferdezucht verbessert, die Ausbildung der Mannschaft im Reiten erheblich gefördert und vielseitiger Celegraphistenkurf e, Zerstören von Schienenwegen, Bau von Feldbrücken, Wettrennen) gestaltet und in den Offizierkorps der Reitersinn auf jede Weise belebt und gepflegt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 491Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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