Gallienus (Publius Licinius), röm. Kaiser, Sohn des Kaisers Valerianus, der ihn (den damals 35jährigen Mann) im Juni 254 n. Chr. zum Mitregenten ernannte. Selbständiger Kaiser war G. von 260, wo sein Vater in pers. Gefangenschaft geriet, bis 268 n. Chr. Er war fast bloß auf Italien und mehrere centrale Provinzen beschränkt, da in sehr vielen Außenprovinzen des Reichs damals die Legionen ihre Anführer zu Kaisern erhoben (die Zeit der sog. 30 Tyrannen). G. war vielseitig begabt, aber seine für die wilde Zeit wenig stimmenden ästhetischen Neigungen machten ihn oft schlaff und forderten den Trotz seiner Heerführer heraus. Doch kämpfte G. mit unermüdlicher Ausdauer gegen die namentlich seit 258 n. Chr. an vielen Orten ausbrechenden Aufstände. Im Orient ernannte er selbst (264) den ausgezeichneten Palmyrener Odenathus zum Augustus und überließ ihm den Krieg gegen die Perser, die hier das Reich bedrohten, während im Occident die german. Völkerschaften die Rheingrenze angriffen. Gegen Postumus in Gallien (seit 260) der auch Spanien und Britannien für sich hatte, zog er dann selbst zu Felde, ohne entscheidenden Erfolg. Zuletzt erhob sich, während 267 G. mit den Goten am Nestos kämpfte, sein vielbewährter dacischer Reitergeneral Aureolus und nahm in Oberitalien den Purpur. Gegen ihn wandte sich nun G. mit großem Erfolge und belagerte ihn in Mediolanum, fiel aber dabei im März 268 selbst durch eine Verschwörung seiner Offiziere. Der Feldherr Claudius wurde sein Nachfolger.