Elektroskope sind Instrumente, welche zunächst dazu dienen, das Vorhandensein freier Clektricität, also auch einer elektrischen Spannung (eines elektrischen Potentials [(s. d.) anzuzeigen. Dieselben können weiter dazu verwendet werden, um die Art der Elektricität, d. i. ob sie positiv oder negativ sei, zu prüfen, und ferner, mit Hilfe gewisser Vorrichtungen die Größe der elektrischen Spannung abzuschätzen. Sind die E. mit passenden Einrichtungen und Skalen versehen, welche nicht nur eine Abschätzung, sondern auch eine genaue Messung der elektrischen Spannung gestatten, so nennt man sie Elektrometer (s. d.). Hieraus folgt, daß wohl die letztern als E. Dienste leisten können, daß dagegen Instrumente, welche nur E. sind, sich als Clektrometer nicht gebrauchen lassen. Als verläßlichstes Kennzeichen des elektrischen Zustandes eines Körpers dienen die elektrische Anziehung und weirello Abstoßung, und zwar die letztere ganz zweifellos. Alle E. und Elektrometer beruhen daher in letzter Instanz vorzugsweise auf der elektrischen Abstoßung. Die Arten der E. sind äußerst zahlreich; am bekanntesten sind etwa die folgenden: das einfache Pendel-Elektroskop (s. Elektricität), welches für gewöhnliche Demonstrationsversuche dient; ferner das sentlichen aus zwei isolierten, sich berührenden, gut leitenden Pendeln 6 B. aus zwei Strohhalmen nach Volta, aus zwei Silber⸗ oder Aluminiumdrähten u. dgl. m.) besteht, die, wenn sie bei der Prüfung eines elektrischen Körpers gleichnamig elektrisch werden, sich gegenseitig abstoßen und dadurch das Vorandensein der Elektricität anzeigen. Aus der grohen Zahl der verschiedenen Arten von Doppelpendel-Elektroskopen des vorigen und unsers Jahrhunderts hat sich bis heute unter mannigfachen Abänderungen wegen seiner Einfachheit und Empfindlichkeit am beharrlichsten behauptet das Goldblatt— Elektroskop von Bennet (1787). Dasselbe besteht, wie nachstehende Fig. 1 zeigt, im wesentlichen aus einem am obern Ende mit einer Metallkugel oder Metallscheibe p versehenen metallenen Stäbchen, welches am untern Ende zwei sich deckende Goldblattstreifen trägt. Die letztern sind durch ein Glasgefäß gegen Luftzug, äußere Feuchtigkeit u. dgl. m. geschützt und isoliert. Berührt man mit einem schwach elektrischen Körper den Kopf oder die Platte p (Kollektor) jenes Drahts, so werden letzterer und die Goldblättchen durch Mitteilung gleichnamig elektrisch. Diese stoßen sich daher ab, bilden mithin einen Winkel, der desto größer wird, je stärker die Elektricität an den Blättchen ist. Zum Abschätzen dieses Winkels besitzen derartige Instrumente zuweilen einen Gradbogen. Da jedoch die Divergenz der Goldblätter in keinem einfachen Verhältnisse zur geprüften elektrischen Spannung steht, so kann ein solches mit Gradbogen versehenes Instrument nicht als Elektrometer, sondern nur, unter sonst gleichen Umständen, als ein zur abschätzenden Vergleichung der elektrischen Spannung anwendbares E. dienen. Setzt man stärkere Elektricität voraus, so läßt man sie nicht wie oben durch Mitteilung, sondern durch Influenz (s. Elektricität) auf das C. wirken, wodei man den zu prüfenden Körper von oben her dem Kollektor p langsam nähert, während man letztern mit dem Finger berührt. Dadurch wird jene Elektricität, welche mit der zu prüfenden gleichnamig ist, abgeleitet und es bleibt die entgegengesetzte Clektricität im C. zurück, wenn man den Finger noch während der Influenz abzieht. Diese zurückgebliebene Elektricität treibt die Goldstreifen auseinander, sobald der influenzierende Körper entfernt wird. Um die Art der Clektricität des E. zu prüfen, nähert man von oben her dem Zuleiter einen Körper mit bekannter Clektricität. Letztere wirkt auf die noch unzerlegte Elektricität des E. verteilend, stößt also die ihr gleichnamige in die Goldblättchen, welche infolge dessen noch weiter auseinander gehen oder zum Teil gegeneinander sinken, je nachdem die Clektricität des genäherten Körpers der des E. gleichartig oder entgegengesetzt. Ersetzt man beim Goldblatt-Elektroskop die Flasche (Fig.1) durch ein flaches Gefäß mit ebenen Glaswänden, so läßt sich die elektroskopische Anzeige einem größern Publikum optisch projizieren (Beetz, 1876). Für Kollegienversuche verwendet man auch nach Beetz (1873) das recht empfindliche Bifilarelektroskop, welches aus einem leichten, dünnen, etwa Um langen Schellackstäbchen besteht, das an einem Ende eine Holunder-Paralleten trägt und in wagerechter Lage an zwei parallelen Seidenfäden hängt. Versieht man die Kugel mit Elektricität von bekanntem Vorzeichen, so zeigt ihre Abstoßung durch einen zu prüfenden Körver, daß der letztere die gleichartige Elektricität besitzt. Die Anziehung der Kugel, wenn sie lebhaft erfolgt, deutet an, daß der untersuchte Körper die entgegengesetzte Elektricität besitzt. Da jedoch ein unelektrischer Körper einen leicht beweglichen Körper auch anzieht, so muß jedenfalls die Gegenprobe mittels der elektrischen Abstoßung gemacht werden. Zu diesem Behufe ist es gut, wenn dieses C. an jedem Ende eine Holundermartkugel trägt, von welchen die eine positiv, die andere negativ elektrisch geladen ist.— Während bei den Doppelpendel-Elektroskopen die beiden Pendel sich gegenseitig abstoßen, läßt man beim Quadranten-⸗Elektroskop von Henley (1772) nur ein Pendel von einem leitenden Stäbchen abstoßen, indem beide gleichartig elektrisch geladen werden. Dieses E. wird zur Abschätzung der starken elektrischen Spannung auf den Konduktoren der Elektrisiermaschinen (s. d.), der Kondensatoren u. dgl. m. benutzt. Sehr empfindlich sind die Säulen-Elektroskope (Fig. Lund 3); sie beruhen darauf, daß ein in der Mitte zwischen beiden Polen (A und — in Fig. 2; a und g in Fig. 3) einer trockenen Säule (s. Zambonische Säule) hängendes unelektrisches Goldblättchen von beiden Polen gleich stark in Mun wird und daher in Ruhe bleibt. Elektrisiert man jedoch dieses Goldblättchen, wenn auch nur sehr schwach, so wird es vom ungleichnamig elektrischen Pol angezogen und überdies vom gleichnamig elektrischen Pol abgestoßen. Das Blättchen bewegt sich da⸗ Fig. 3. her gegen den ungleichnamig elektrischen Pol und zeigt dadurch nicht nur das Vorhandensein freier Elektricität an, sondern auch, ob diese positiv oder negativ sei. Das Säulen-Elektroskop stammt von Behrens (1806), es wurde jedoch erst durch Bohnenberger bekannt (1819), der demselben die in Fig. 2 dargestellte Form erteilte, bei welcher zwei Säulchen in ihren untern entgegengesetzten Polen metallisch verbunden sind, sodaß dann ihre obern entgegengesetzten Pole auf das Goldblättchen wirken. Fechner vereinfachte später (1829) dieses E., indem er die Säule wagerecht legte (Fig. 3). Um die Empfindlichkeit der E. zu steigern, verbindet man dieselben mit kondensierenden Platten und erhält dann die Kondensations-Elektroskope. (S. Elektrische Kondensatoren.) Außerdem gehören noch hierher alle auch als E. verwendbaren Elektrometer (s. d.). Zur Ermittelung der Clektricität in den höhern Luftregionen bekommen die E. entweder, wenn sie ruhen, in die Höhe ragende Zuleitstangen, oder sie werden, wenn sie beweglich sind, in die Luft gehoben. (S. Elektricität, atmosphärische). Elektrostatik. Ein elektrischer Körper übt in zweierlei Weisen Wirkungen aus. Die eine, während die Elektricität auf ihn durch Isolierung im Gleichgewichte zurückgehalten, die andere, während die Elektricität entladen wird. Die erste Wirkungsart ist die der ruhenden, die zweite die der bewegten Clektricität oder die des elektrischen Stroms. Die Lehre von den Wirkungen und Wirkungsgesetzen der ruhenden Elektricität heißt E. Die Hauptthatsachen derselben findet man in den Artikeln: Elektricität, Elektroskope und Elektrometer, Clektrifiermaschinen und Elektrische Kondensatoren. Die E. ist wiederholt mit Glück einer mathematischen Behandlung unterzogen worden (vgl. A. Beer, «Einleitung in die C.v, Braunschw. 1865; Kötteritzsch, Lehrbuch der C.», mit Litteraturangaben, Lpz. 1872). Im Gegensatze zur E. steht die Lehre von der bewegten Elektricität oder den elektrischen Strömen. (S. unter Elektrodynamik, Galvanismus und Galvanische Batterien.)