FeedGardie (Grafen de la)
GeschichteBrockhaus 1882

Gardie (Grafen de la), ein languedoesches Geschlecht, welches seit der Mitte des 16. Jahrh. sich in Schweden niederließ und mehrere ausgezeichnete Männer zählt. Pontus Baron de la G., geb. 1520, trat bei der Eroberung von Warberg (1565) aus dänischen in schwed. Dienste, focht als Feldoberst seit 1574 siegreich gegen Polen und Rußland und ertrank 5.Nov. 1585. — Sein Sohn, Jakob Graf de la G., geb. 20. Juni 1583, erfocht ebenfalls mehrere Siege über die Russen, drang bis Moskau, eroberte Nowgorod, war einer der Reichsverweser während der Kindheit Christines und starb als Präsident des Kriegsdepartements 12. Aug. 1652. Er war seit 1618 vermählt mit Ebba Brahe, der Jugendgeliebten des Königs Gustav Adolf (geb. 1596, gest. 1674). — Magnus Gabriel Graf de la G., Sohn des vorigen, geb. zu Reval 15. Okt. 1622, studierte zu Upsala, machte dann Reisen in Frankreich und erlangte nach seiner Rückkehr die Gunst der Königin Christine, welche ihm eine Gesandtschaft nach Paris anvertraute. Unter dem König Karl X. Gustav übernahm er den Oberbefehl eines Teils des 0 focht welches unter ihm gegen Rußland glückli laca: als Heerführer zeigte er jedoch wenig Begabung. Nach des Königs Tode hatte er als Reichskanzler teil an der Regentschaft während der Minderjährigkeit Karls XI. Obschon mit diesem durch seine Gemahlin, die Prinzessin Marie Euphrosyne von Pfalz-Zweibrücken, nahe verwandt, ging er doch bei der Einziehung der adeligen Güter fast aller seiner Besitzungen verlustig, sodaß er 26. April 1686 in großer Armut starb. Ihm verdankt Upsala den sog. Codex argenteus des Ulfilas (s. d.). Die vormals auf dem Familiengute Löberöd in Schonen aufbewahrte Handschriftensammlung, eine der reichsten in Schweden, aus der Wieselgren das De la Gardieska Archivet, (20 Bde. nebst Anhang, Stockh. u. Lund 1831—44) berausgegeben hat, ist seit 1848 durch Gabe den Sammlungen der Universitätsbibliothek zu Lund einverleibt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 538Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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