FeedGasretorten sind röhrenförmige
TechnikBrockhaus 1882

Gasretorten sind röhrenförmige, an einem Ende dauernd verschlossene, am andern Ende mit besonderer Armatur versehene Apparate, deren man sich in der Fabrikation des Leuchtgases zur Erhitzung der Kohlen oder der sonstigen zu vergasenden Materien bedient. Für die Erzeugung des Kohlengases verwandte man ursprünglich nur gußeiserne Retorten, diese finden jedoch gegenwärtig nur noch ganz ausnahmsweise Verwendung, da sie sich rasch abnutzen und dadurch Veranlassung zu Betriebsstörungen und erheblichen Ausgaben werden. Die eisernen sind durch aus Chamotte, d. i. eine Mischung von frischem, plastischem Thon mit gebranntem Thon, geformte Retorten in allen größern Gaswerken verdrängt. Vereinzelt sindet man aus feuerfesten Steinen mit Thonmörtel gemauerte Retorten, doch haben diese im Betriebe wenig bewährt. Die Gestalt der Retorten entsprach früher einer runden Röhre, womit jedoch der urchhitn verbunden war, daß eine gleichmäßige Durchhitzung des Materiais, bei dem ungünstigen Verhältnis des Querschnitts zu der vom Feuer bestrichenen Wandfläche, schwer zu erreichen war. Um diesem abzuhelfen, sind viele verschiedene Formen probiert und wieder verlassen worden, bis man neuerdings bei zwei Haupttypen stehen geblieben ist. Man macht jetzt die Retorten entweder von ovalem Querschnitt, mit einem Achsenverhältnis von 2:3, oder man gibt dem Querschnitt die Gestalt eines liegenden g. Wenngleich bei der porösen Beschaffenheit des Thons Gasverluste bei thönernen Retorten nicht ganz zu vermeiden sind, so kommen diese bei den sonstigen da die kaum in Betracht und um so weniger, da die Poren des Thons sich in kürzester Zeit durch Ablagerung von graphitischen Massen verstopfen; außerdem wirkt man diesen Verlusten auf wirksamste Weise entgegen, indem man durch Einschaltung eines Erhaustors den Gasdruck im Innern der Retorten auf ein Minimum reduziert. Die Dimensionen der Retorten variieren sehr, man gibt ihnen eine Länge von 255 bis 6 m, die Weite und Höhe schwankt bei D.-Form von 37:31 bis zu 63:37 cm, bei ovalem Querschnitt von 42: 31 bis zu 58: 47 em; häufig angewandte Dimensionen sind: 250 em Länge, 47 em Weite und 31 em Höhe. Bei der Anfertigung der Retorten ist besondere Rücksicht auf die Auswahl des Thons zu verwenden. Große Feuerbeständigkeit desselben ist unbedingtes Erfordernis; der Thon muß ferner fett, höchst plastisch und wenig zum Schwinden geneigt sein. Am besten überläßt man den aus der Grube genommenen Thon lange Zeit dem Faulen (s. d.), sumpft ihn mit Wasser ein und vermischt ihn dann in geeignetem Verhältnis, seinem Bindungsvermögen entsprechend, mit gebranntem Thon. Je größer der Zusatz des letztern gemacht werden kann, um so weniger ist die Retorte später dem Zerreißen und Zerspringen ausgesetzt. Der gebrannte Thon wird entweder für sich besonders gebrannt, oder man bedient sich dazu alter abgenutzter Retorten, Scherben von Porzellankapseln u. dgl. Die Mischung ist 90 kräftiges Bearbeiten im Thonschneider, durch Schlagen und Treten so homogen wie irgend möglich zu machen und dabei zugleich von allen eingeschlossenen Luftblasen zu befreien. Die Retorten werden dann aus kleinen Thonballen durch Zusammenschlagen derselben nach einer Leere mit einer Wandstärke von 8—9 em geformt, wobei man am Kopfende mehrere eiserne Bolzen zur Besestigung der Armaturteile einfügt; nach völliger Austrocknung werden sie im Scharffeuerofen gebrannt. Die Armatur der Retorte besteht in einem gußeisernen, mittels Flansch und Verschraubungen mit ihr luftdicht zu verbindenden Kopfstück, welches vorn eine Thür zum Einbringen der Kohlen und zum Ausziehen des Coks besitzt und außerdem ein aufsteigendes Rohr trägt, durch welches die in der Retorte gebildeten Gase in die hydraulische Vorlage entweichen. Die Retorten werden fast immer zu mehrern, in den größern Gaswerken zu je sechs oder sieben, in einen gemeinsamen Ofen so gelegt, daß ihre Armatur aus der Vorderwand desselben hervorragt, während ihre ganze Fläche vom Feuer bestrichen wird, wobei sie von Pfeilern oder Gurtbögen getragen werden. Die Anordnung der letztern hat so zu erfolgen, daß eine möglichst gleichförmige Erhitzung jeder einzelnen Retorte statthat und ein gleichmäßiger Durchzug der Hitze im Ofen eintritt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 578Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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