Harmonika (chemische) oder sin gende Flammen nennt man eine von Higgins (1777) erfundene Vorrichtung, welche das Hervorrufen von Tönen mittels Flammen in offenen oder geschlossenen Röhren oder andern abgegrenzten Lufträumen, B. in Flaschen, Retorten, Kolben u. dgl. m., gehattet. Die einfachste chemische H. besteht aus einer kleinen Wasserstoffflamme, die an einem durch Versuche leicht zu findenden Punkte in einer Röhre ein Tönen erzeugt, welches, wie schon Chladni 1794 gefunden, der Hauptsache nach die Gesetze der Pfeifen befolgt. Als Tonerreger können auch andere brennende Gase, am besten aber die Flamme des Wasserstoffs oder des Leuchtgases dienen. (S. beistehende Fig. 1.) Das Rohr RR der chemischen H. ist zwar gewöhnlich aus Glas und steht meist lotrecht, es kann jedoch aus einem beliebigen Stoffe sein und beliebig liegen. Hat man Röhren, welche (wie beim sih zeiaen verlängern und verkürzen lassen, so läßt sich zeigen, daß die Tonhöhe wächst, je kürzer das Rohr wird, und umgekehrt. Schaffgotsch hat (1857) gefunden, daß ein in der Nähe einer chemischen H. erregter musikalischer Ton, der mit dem der H. nahezu in Einklang steht oder um eine Oktave höher ist, auf die schwingende Luftfäule im Harmonikarohr, vermöge der Resonanz, einen so mächtigen Einfluß übt, daß die Flamme dabei lebhafte Bewegungen sehen läßt und, wenn sie genügend klein ist, bei wachsender Stärke des äußern ones sogar erlischt. Selbst eine noch schweigende Flamme kann durch einen äußern Ton Singen gebracht werden. Damit dies geein nur geringer Unterschied in der Tonzwischen dem erzeugenden und dem anzu-Tone notwendig. Ton der chemischen H. ist höchst wahrschein-Folge einer Reihe von Explosionen. Solche Explosionen sollten sich an der Flamme indem sie diskontinuierlich erscheinen Nun könnte aber wegen der Schnelligkeit, Verpuffungen und also auch die Unterder Flammen aufeinander folgen, die der Flammenbilder auf der Netzhaut daß die Flamme ununterbrochen zu sein ohne daß dies in Wirklichkeit stattfindet. hierüber ins Klare zu kommen, ist eine optische dieser Erscheinung erforderlich, welche nach Wheatstone (1834) darin besteht, daß man den Bildern des Gegenstandes stets andere Stellen der Netzhaut des Auges zum Nachklingen bietet. Man bewegt zu diesem Behufe den leuchtenden Körper, oder mit Hilfe schnell rotierender Spiegel 8 (Fig. 1) sein Bild. Geschieht dies, so sieht man in den rasch aufeinander folgenden vier Spiegeln des Würfels 8S8 regelmäßig gezackte Flammenbilder (Fig. 2), deren leuchtende Zungen durch dunkle Räume geschieden erscheinen, was auf successive Explosionen als Ursache derselben hindeutet. In solcher Weise fand Melde bei seiner chemischen H., deren Rohr 86 em Länge und 18mm Weite besaß, für den Grundton ein Flammenbild wie in Fig. 2 bei a; für den zweiten Oberton, der unter gewissen Bedingungen auftrat, das Flammenbild Fig. 2 bei b, und wenn beide zusammen ertönten, das Flammenbild Fig. 2 bei c. nungen der chemischen H. von Schaffgotsch sind die schallempfindlichen oder sensitiven Flammen von Barret und Tyndall (1865 — 67). Solche brennen frei, es muß jedoch zu denselben das Leuchtgas unter einem höhern Drucke als gewöhnlich zuströmen. Belastet man einen kleinen, Leuchtgas enthaltenden Kautschuksack derart, daß aus einem damit verbundenen Brenner das Gas durch eine enge kreisförmige Mündung mit Geräusch strömt, das angezündet eine flatternde, Decimeter hohe Flamme gibt, so hat man Flamme von der höchsten Schallempfindlichkeit. verkürzt sich und teilt sich in Zweige, der Entfernung hohe Töne und Zisch-B. his, bst u. dgl. m. erregt werden. Je Druck, desto sensitiver die Flammen. vermag in solcher Weise mittels einer em-Flamme eine Dunkelstube durch passende abwechselnd zu erhellen und zu verfinstern. rein leuchtende Flammen und die Fischschwanzflammen unterliegen der Influenz des wenn der Gasdruck jener Größe nahe ist, die Flamme rauscht und flattert. Das ausströmende Gas erschüttert den Brenner bei gewissen Drucke derart, daß die Flamme in Schwingungen gerät, wodurch nach Tyndall (1867) ein Brausen und eine Unruhe der Flamme entsteht. Ist eine Flamme diesem Zustande sehr nahe, so kann die geringste Anregung von außen ihn herbeiführen, indem die betreffende Erschütte⸗⸗ rung sich dem Ausflußrohr mitteilt. Dies geschieht jedoch nur nach den Gesetzen der Resonanz. Nach Rijke (1859) werden die Luftsäulen in Röhren auch durch darin angebrachte glühende Drahtnetze zum Tönen angeregt. Bei solchen Versuchen Riskes war der Ton etwas höher als der Grundton des Rohrs und währte nur einige Sekunden. Die Ursache eines solchen Tönens liegt hier offenbar darin, daß der aufsteigende Luftstrom am heißen Drahtgitter plötzlich ausgedehnt und oberhalb dessen bald wieder verdichtet wird. Diese abwechselnden Volumsveränderungen bewirken das Tönen. Auch derartige Versuche wurden mannigfach von Bosscha, Rieß und Kundt variiert.