Gastein ist der Name eines Thals und dreier Ortschaften im österr. Herzogtum Salzburg. Das an großartigen Landschaftsbildern reiche Thal Gastein, auch die G. genannt, ein 40 km langes und 2 kmebreites Seitenthal des Pinzgaues oder obern Salzachthals, hat zum Hintergrunde im Süden den 2414 m hohen Malnitzer oder Naßfeld-Tauern und den 3253 m hohen Ankogel, zu Seitenwänden aber links und rechts zwei von jenem Zuge gegen Norden auslaufende Alpenzweige. Überall sind die Gebirge mit grünen Matten und Wäldern bedeckt, aus denen hier und dort Felsmassen und Gletscher hervorragen. In der Mitte des Thals fließt die wilde Gasteiner Ache, welche verschiedene Wasserfälle bildet und sich zuletzt durch die Klamm oder den 4Ek6m langen Klammpaß drängt, um bei dem Hüttenwerke Lend, dessen Pochwerk sie durch ihren letzten Wassersturz treibt, in die Salzach zu münden. Lend ist der nächste Eisenbahnpunkt (Giselabahn) zur Verbindung mit Wildbad G. Das Thal hat 21 kleine Ortschaften mit (1880) 3972 E. Im äußersten Südsüdwesten liegt in 1127 m Seehöhe das Dorf Böckstein (190 E.), Sitz eines Bergamts, mit einer schönen Kirche und dem Poch⸗, Wasch; und Amalgamierwerke für das goldführende Erz des daneben zu 2684 m ansteienden Rathausbergs. In der Nähe bildet die Ache den Kessel- und Bärenfall, sowie der Abfluß des Pockhartsees den 80 m hohen Schleierfall. Etwa 4 km unterhalb Böckstein liegt am rechten Ufer der Ache in 991 m Seehöhe, am Rücken des 2600 mhohen Graukogels, eines gewaltigen Gneisstocks, das Dorf Wildbad Gastein (422, als Gemeinde 1126 E.), einer der berühmtesten europ. Badeorte, dessen Quellen schon im 7. Jahrh. bekannt waren, bereits 1436 vom Herzog Friedrich, nachmaligem Kaiser Friedrich III., benutzt wurden und in neuester Zeit alljährlich, vom Deutschen Kaiser Wilhelm besucht werden. Die meist hölzernen Häuser sind in dem hier kaum 200 m breiten Thale an dem ansteigenden östl. Thalrande Aeit hat an übereinander aufgeführt. In neuerer Zeit hat man jedoch manche stattliche Häuser aus Stein erbaut, namentlich einige herrschaftliche Gebäude an dem westl. Thalrande, unter andern die sehr einfache Villa des ardberdobe Johann mit einem an Alpenpflanzen reichen botan. Garten. Beide Thalwände trennt die überbrückte Ache, welche durch enge Klüfte in zwei prächtigen Wasserfällen von der obern Thalstufe stäubend und tosend herabstürzt. Die Kurgäste sind meist ältere Leute, und die Badebevölkerung, etwa 3000 jährlich, gehört vorzugsweise den höhern Ständen an. Die Badezeit ist vom 15. Mai bis Ende September. Die Kur pflegt mit 21 Bädern beendigt zu werden. Das Klima ist wegen der hohen Berge kalt und cauh; selbst im hohen Sommer, wo der Sonnenschein kaum acht Stunden in das Thal fällt, sind die Morgen und Abende empfindlich kalt, und noch am Mittage bei der drückendsten Hitze ist die Luft feucht. Außerdem sind wegen der Enge und Abhängigkeit des Thals die Wohnungen nicht zahlceich und die Badeeinrichtungen noch in mancher Hinsicht mangelhaft, wiewohl in der jüngsten Zeit manche Verbesserung angebahnt wurde. Als Kursaal und Spaziergang bei trübem Wetter, das im Juni und Juli hier vorherrscht, dient die Wandelbahn, eine Glasgalerie neben der Hauptbrücke mit schöner Aussicht in das Thal. Das Schloß, von dem letzten Fürst-Erzbischof von Salzburg, Hieronymus, 1794 erbaut und den Kurgästen gewidmet, aber erst durch die österr. Regierung denselben eröffnet, enthält einige 20 Zimmer, das mit Serpentin ausgelegte Fürstenbad und 5 andere Bäder. Das vornehmste Gast⸗ und Badehaus ist seit 300 Jahren in dem Besitze der Familie Straubinger, deren Namen es führt. Die Quellen heißen die Fürsten⸗, die Wasserfall⸗, die Chirurgen⸗, die Doktor⸗, die Unter⸗ oder Hauptquelle, die Fledermaus⸗, die Gräbebäckerquelle und die Ferdinandsquelle. Sie sind baben e in ihren Mischungsverhältnissen gleich und haben eine Temperatur von 35—48 C. Der Wirkung nach rechnet man das Mineralwasser von G. zu den alkalisch⸗-salinischen, obgleich der Grund dieser Wirkung nicht klar ist, da die chem. Analyse die gasteiner Wasser von gewöhnlichem Ouellwasser nur wenig verschieden findet. Sie wirken gelind reizend, belebend und stärkend, dabei besänftigend, beruhigend und auflösend. Daher wendet man sie besonders an bei chronischen Nervenkrankheiten und Leiden der Geschlechtsorgane, die in Schwäche verschiedener Art bestehen, bei veralteten gichtischen und rheumatischen Beschwerden, manchen übeln Folgen von Verwundungen, Leiden der Schleimhäute und chronischen Hautkrankheiten. Bei Kongestionen des Blutes nach dem Kopfe und der Brust und sog. Unterleibsplethora ist ihr Gebrauch zu widerraten. Benutzt wird das Wasser teils als Getränk, teils als Bad in jeder Art. Die ungünstige Lage des Wildbades führte (1828 —30) die Einrichtung einer aus hölzernen Röhren bestehenden Wasserleitung herbei, durch welche das Quellwasser des Wildbades nach Hofgastein, einem 8 km von Wildbad viel tiefer an der breitesten Stelle des Thals liegenden Marktflecken, geführt wird, wo es in solcher Temperatur anlangt, daß es gewöhnlich noch abgekühlt werden muß, ehe es zum Bade benutzt werden kann. Im Wildbade G. erfolgte 14. Aug. 1865 zwischen Gsterreich und Preußen die Abschließung des Vertrags über die provisorische Verwaltung Schleswig-Holsteins (Gasteiner Konvention), der dann 20. Aug. zu Salzburg von dem Kaiser Franz Joseph und dem Könige Wilhelm J. unterzeichnet wurde. Diese Konvention teilte die Verwaltung der Herzogtümer in der Weise, daß die Holsteins an den Kaiser von Ssterreich, die Schleswigs an den König von Preußen überging, während Lauenburg gegen eine von Preußen an Osterreich zu zahlende Entschädigung von 2½ Mill. Thlrn. definitiv an die Krone Preußen fiel. (S. Preußen und Schleswig-⸗Holstein.) Der Marktflecken Gastein oder Hofgastein, Hauptort des Thals und des Gerichtsbezirks G., 75 km im S. von Salzburg, am rechten Ufer der Ache in 874m Seehöhe, am Fuße des dreigipfeligen, 2413 m hohen Gamskarkogel gelegen, zählt ohne die einverleibten Katastralgemeinden (1880) 727, mit denselben 2064 E., ist geräumiger als das Wildbad und mit freundlichen Wohnungen für die Kurgäste versehen. Der Ort besitzt eine schöne Pfarrkirche und ein Armenhaus. Das Militärhospital, ehemals ein Gewerkshaus, dann Besitztum des um die Filialbadeanstalt vielfach verdienten Erzbischofs Ladislaus Pyrker, ward von diesem 1832 für 8 Offiziere und 30 Mann errichtet. Auf dem freien Platze des Ortes hat man 1847 zum Andenken an Kaiser Franz I., unter dem die Quellen des Wildbades hierher geleitet wurden, ein Denkmal mit Erzbüste errichtet. Hofgastein war, wie auch noch einzelne Gebäude mit ihrer Ornamentik bekunden, in der Mitte des 16. Jahrh. neben Salzburg der reichste Ort des Salzburger Landes. Die Bergwerke lieferten damals an Ausbeute jährlich 2360 Mark Gold und 19000 Mark Silber, während sie jetzt etwa 40 Mark Gold und 400 Mark Silber ergeben. Der Bergbau wurde vielfach von fremden, namentlich von sächs. Knappen betrieben. Unter den 22 151 salzburger Auswanderern im J. 1731 waren 1000 Gasteiner. Seitdem ist die Einwohnerzahl des Thals auf die Hälfte herabgesunken und der Bergbau in Verfall geraten; manche Stollen sind vergletschert. Nur im Rauriser Goldbergwerke und im Rathausberge bei Böckstein wird er noch betrieben. Unweit südlich von Hofgastein steht die reizende Villa des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen, 8 km nördlicher liegt Dorfgastein (253, als Gemeinde 782 E.). Litteratur. Hönigsberg, «Wildbad G. im J. 18565 (2. Aufl., Salzb. 1873); Reissacher, Der Kurort Wildbad G.y (Salzb. 1865); von Härdtl, „Gasteiner Chronik' (Salzb. 1876); Bunzel, (Bad G.v (3. Aufl., Wien 1880): Pröll, KDas Bad (3. Aufl., Wien 1881).